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Syrienexkursion mit Reinhold Würth Die Stadt der schönsten Frauen

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Ein Novum in der Architektur der Bronzezeit

Die Ausgrabungen von Qatna Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Pfälzner und Würth stecken ihre Köpfe in die Öffnung der Mauer und schauen hinunter in die Gruft. „Wahnsinn“, sagt Würth, „was ihr für ein Glück gehabt habt.“ Ein paar Schritte weiter der Fußboden eines Bads, ein Raum mit minoischen Fresken, die auf den stilistischen Einfluss Kretas, vielleicht auch auf die Anwesenheit kretischer Handwerker in Qatna hinweisen, und ein Brunnen: Durchmesser 10 mal 10 Meter, Tiefe 17 Meter. „Der Brunnen“, sagt Pfälzner, „ist eines unserer großen Bonbons.“ Die Grabungen der vergangenen zwei Jahre am Nordwestflügel des Palasts haben gezeigt, dass der Bau auf mehreren Stockwerken ruht, Erdgeschoss,  Hanggeschoss, Untergeschoss, ein „durchgehendes Baukonzept“, wie Pfälzner sagt - und ein Novum in der Architektur der Bronzezeit. Die Archäologen versuchen bis zum Fundament, bis zum gewachsenen Fels vorzudringen - und legen dabei überraschende Details frei: Bogenkonstruktionen, Türstürze, -pfosten und -schwellen aus Zedernholz, dessen Alter von Spezialisten untersucht wird. Elefantenknochen – Schulterblatt, Oberschenkel und Wirbelknochen - gehören zu den Funden, die Rätsel aufgeben. Womöglich handelt es sich um Hinweise auf noch nicht erschlossene Kulträume in unteren Stockwerken – vielleicht auch nur um „gezielte Irreführungen für Archäologen“, wie Reinhold Würth scherzt.

Tatsächlich klingen manche Böden hohl, andere geben hunderte von Gefäßen frei, die unter Lehmschutt verborgen sind und mit Kelle und Pinsel freigelegt werden. Die Abfallhalde unter der Palastküche mit ihren Tellern und Tierknochen sei für die Archäologen „ein Schatz“, meint Pfälzner, und zeigt auf den arabischen Mitarbeiter, der gerade mit dem Pinsel den Sand von einer Scherbe streicht.

50 Mitarbeiter sind an der Ausgrabung beteiligt, Studenten aus Deutschland und Einheimische. Als es wieder in den Bus geht, fahren ein paar von ihnen mit, zum ersten Mal erleben sie, wie es ist, in einem vollklimatisierten Bus unterwegs zu sein: Großartig! Wie im Kühlschrank! Sie freuen sich wie die Kinder. 12.30 Uhr. Mittagessen unter einer mit Weinlaub umrankten Pergola: Reis mit Hühnchen und Pinienkernen. Reinhold Würth würzt das Essen mit Witzen aus seiner hohenlohischen Heimat.

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