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Systemgastronom Burger King - der Bulettenkrieg eskaliert

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Angst um die Betriebsräte

Daran hat anscheinend Yildiz’ Schreiben nichts geändert. Denn auch eine Woche danach heißt es von Burger King, die Verhandlungen mit Yi-Ko liefen weiter.

Auch die Gewerkschaft bleibt skeptisch, Grund ist eine zweite Bekanntmachung, die parallel aus Stade verschickt wurde. "Unsere Wirtschaftsprüfer haben festgestellt, dass Mitarbeiter bei der Burger King GmbH schlimmen Missbrauch betrieben haben", teilt die Yi-Ko-Geschäftsführung mit. Sie habe den Hamburger Rechtsanwalt Helmut Naujoks eingeschaltet, "um gegen diese Mitarbeiter vorzugehen".

Es soll laut Yildiz um Mobbing gehen, die NGG fürchtet hingegen, dass gezielt Betriebsräte rausgemobbt werden sollen. Denn Naujoks wurde durch das Buch "Kündigung der Unkündbaren" bekannt. Zwei Kündigungsversuche gibt es bereits. "Das eskaliert zum Großkonflikt", sagt Guido Zeitler, Referatsleiter Gastgewerbe bei der NGG. Er kündigt Protestaktionen an: "Wir werden vor den Restaurants auftauchen."

Ungleiche Gegner: Mc Donald's und Burger King im Vergleich (zum Vergrößern bitte anklicken).

Man schlage die gleichen Schlachten wie vor 20 Jahren mit Mäkkes, sagt Torsten Gebehart, der für die NGG die Region Ruhr betreut. McDonald’s war lange das Symbol für die schlechte Behandlung von Mitarbeitern. Seit Günter Wallraff in seinem 1985 erschienenen Buch "Ganz unten" die Arbeitsverhältnisse bei dem Burgerbrater beschrieben hatte, stand McJob für die Ausbeutung von Mitarbeitern. Doch McDonald’s streifte in den letzten Jahren mit cleverem Marketing und neuen Produkten wie Salaten das Schmuddelimage ab.

Das Image leidet sehr

Burger King hinkt da hinterher und riskiert nun durch das Vorgehen auf seinem zweitgrößten Markt, zum neuen McJob-Symbol zu werden. Selbst das einzige Plus gegenüber McDonald’s, der laut Burger-King-Fans bessere Geschmack, wird durch den schlechteren Service aufs Spiel gesetzt.

So beschweren sich auf der Facebook-Seite von Burger King fast täglich Kunden. Ein Ärgernis sind auch Rabattaktionen, wie Gratis-Burger für Käufer von Pringles-Chips. Die Gutscheine gelten aber "nur in teilnehmenden Restaurants", und die sind anscheinend rar, zeigen viele Beschwerden. Auf Kundenfragen, welche Filialen teilnehmen, erklärt Burger King nur: Da jedes Restaurant individuell entscheiden kann, "können wir hier leider nicht weiterhelfen". Auf Anfrage erklärt Burger King, es nehme "die große Mehrheit der Franchisepartner" teil. Das alles schadet dem Image, zeigt eine Analyse des Kölner Marktforschers YouGov für die WirtschaftsWoche.

Was steckt in unserem Essen?
Gestreckter KaffeeUm mehr Geld zu verdienen kommt es immer wieder vor, dass Hersteller ihren Kaffee strecken. Dafür mischen sie laut einer NDR-Reportage den gemahlenen Bohnen zu etwa zehn Prozent den Stoff Maltodextrin bei. Dabei handelt es sich um eine Zuckerart, die in der Lebensmittelindustrie als günstiger Füllstoff eingesetzt wird. Auch Karamell wird zum Strecken verwendet. Kunden sollten im Supermarkt bei der Aufschrift "Melange" hellhörig werden. Auch im Kleingedruckten geben die Hersteller an, ob sie das Produkt gestreckt haben. Damit gibt es keine rechtlichen Konsequenzen. Quelle: dpa
Ewig frisches FleischSeit Tagen liegt das Hackfleisch im Kühlschrank und noch immer sieht es frisch aus. Die Lebensmittelindustrie macht es möglich, indem sie einfach ein Gasgemisch mit viel Sauerstoff in die Verpackung pumpt. Dadurch bleibt das Fleisch optisch frisch. Am Geschmack lässt sich das Alter dann aber doch erkennen. Das Max-Rubner-Institut hat herausgefunden, dass derartig behandelte Ware ranzig schmeckt. Außerdem soll das Gasgemisch das Wachstum bestimmter Bakterien fördern. Quelle: dpa
Gefärbte OlivenIm Handel werden sowohl schwarze als auch grüne Oliven vertrieben. Schwarze Oliven gelten dabei als besondere Delikatesse, da sie schon reif und damit vollmundiger im Geschmack sind. Die grünen Oliven sind noch sehr jung und damit eher herb und säuerlich im Geschmack. Weil sich die schwarzen Exemplare besser verkaufen lassen, sind findige Hersteller auf die Idee gekommen, grüne Oliven einfach schwarz zu färben. Rein optisch ist es sehr schwer die echten von den gefälschten schwarzen Oliven im Glas unterscheiden zu können. Wer wissen will, welche Oliven er kauft, muss einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Sind die Stabilisatoren Eisen-2-Gluconat oder Eisen-2-Lactat aufgelistet, handelt es sich um Trickserei. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Natürliche AromenVielen Verbrauchern ist es wichtig, dass in Produkten keine oder zumindest wenig Chemie enthalten ist. Wer aber darauf vertraut, dass in einer Erdbeermarmelade mit "natürlichen Aromen" nur Erdbeeren und Zucker enthalten sind, der kann sich täuschen. Natürliche Aromen können nämlich auch pflanzliche Öle sein, die dem Obstgeschmack nahe kommen. Quelle: dpa
PestoSo beklagt die Verbraucherorganisation Foodwatch, dass beispielsweise im Pesto Verde der Marke Bertolli (Unilever) Cashewnüsse, Pflanzenöl, Aroma und Säuerungsmittel enthalten sind. Dabei wirbt Unilever mit "original italienischer Rezeptur", "nur die besten Zutaten", "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkernen. Mehr als ein Fingerhut voll Olivenöl muss aber gar nicht drin sein und auch die teuren Pinienkernen müssen nur zu einem geringen Teil enthalten sein. Quelle: Fotolia
PuddingAuch im Pudding muss nicht drin sein, was draufsteht: So reicht es beispielsweise, wenn im Schokoladenpudding ein Prozent echtes Kakaopulver enthalten ist. Der Rest darf eine bunte Mischung aus Aromen, Zucker, Fett und Gelatine sein. Nur wenn weniger als ein Prozent Kakao - also Schokolade - im Schokopudding ist, muss das entsprechend deklariert werden. Quelle: dpa/dpaweb
FruchtsaftgetränkeAuch bei Fruchtsäften müssen Verbraucher aufmerksam sein. Nur, wenn auf der Packung "Fruchtsaft aus 100 Prozent Frucht" steht, ist tatsächlich nichts anderes drin. Die deutsche Fruchtsaftverordnung erlaubt allerdings auch die Verwendung von Fruchtsaftkonzentrat und 15 Gramm zusätzlichem Zucker pro Liter Saft. Saft aus Zitronen, Limetten, Bergamotten und schwarzen, roten oder weißen Johannisbeeren darf mehr Zucker zugesetzt werden. Beim Fruchtnektar handelt es sich dagegen um eine Mischung aus Fruchtsaft und/oder Fruchtmark, Wasser und Zucker. Der Fruchtanteil beträgt 25 bis 50 Prozent. Noch niedriger ist der Fruchtanteil bei Fruchtsaftgetränken: Bei Orangensaft liegt dieser bei sechs Prozent, bei Traubensaft und Apfelsaft bei 30 Prozent. Bei Eistees reicht es, wenn Obst auf der Packung abgebildet ist, enthalten sein muss keins. So beanstandet Foodwatch den Pfanner-Eistee "Zitrone-Physalis", in dem die Menge an Physalis ist so gering ist, dass sie nicht einmal deklariert werden muss. Im zwei-Liter-Karton sind außerdem enthalten: 44 Stück Würfelzucker, 15 Prozent gelber Tee, Aromen und E330 (Zitronensäure). Quelle: dapd

Schlusslicht beim Service

Cash auf Kosten der Qualität scheint auch in den USA die neue Strategie zu sein. Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer Studie zur Servicequalität des US-Fachmagazins "QSR" nahe. Darin bezeichneten mit Abstand die meisten Kunden Burger-King-Mitarbeiter als "unfreundlich". Beim Service ist die Kette damit Schlusslicht.

Der Imageabsturz zeigt sich auch in der Markenwert-Rangliste des US-Marktforschers Millward Brown. Während McDonald’s mit mehr als 90 Milliarden Dollar auf Platz vier liegt, schafft es Burger King nicht einmal unter die ersten 100.

Verantwortlich sind die Eigentümerwechsel der vergangenen Jahre. Als Schnapsproduzent Behn vor zehn Jahren sein Burger-King-Abenteuer begann, hatte der Spirituosenriese Diageo (Johnnie Walker, Smirnoff) die Kette gerade an drei Finanzinvestoren verkauft. Vier Jahre später kaufte Finanzinvestor 3G Capital die Kette, nahm sie von der Börse und brachte sie 2012 zurück aufs Parkett. Der Kurs stieg seither von 12 auf zuletzt 15 Dollar, ob das nachhaltig ist, muss sich zeigen.

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