WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Systemgastronom Burger King - der Bulettenkrieg eskaliert

Seite 3/5

Beschwerden häufen sich

Die Folgen des Sparkurses sind trotzdem spürbar, denn auch an anderen Stellen kürzt Yi-Ko beim Personal. "Das ist im Moment eine totale Kostenschinderei", sagt Mesut Okan (Name von der Redaktion geändert), der seit mehreren Jahren in einer Filiale im Ruhrgebiet arbeitet. So hat der verantwortliche Schichtleiter permanent die Payroll im Blick. Yildiz hat nach der Übernahme für Personalkosten einen Anteil von 13 Prozent am Umsatz vorgegeben, bislang waren eher 17 oder 18 Prozent die Regel, sagten mehrere Burger-King-Mitarbeiter.

Daher werden die Dienstpläne knapper kalkuliert. Waren in einer Filiale vor dem Verkauf im Schnitt sechs Mitarbeiter pro Schicht eingeteilt, seien es jetzt noch vier. Würden die vorgegebenen Personalkosten trotzdem nicht eingehalten, schickten die Schichtführer häufiger einzelne Mitarbeiter früher nach Hause. Auch die Personalplanung wurde geändert: "Statt einer Kraft für acht Stunden werden lieber zwei Leute für vier Stunden eingeteilt", sagt Okan. Denn nach fünf Stunden lassen Schnelligkeit und Konzentration nach.

Wer am meisten Kasse macht
Platz 20: Metro Group (Konzerngastronomie) Quelle: Presse
Roland Kuffler Quelle: dpa Picture-Alliance/Schellneg
Screenshot Marché Quelle: Screenshot
Deutsche Bahn Quelle: Creative Commons-Lizenz
Joey’s Pizza Service Quelle: Presse
Starbucks Quelle: REUTERS
LeBuffet Restaurant & Café Quelle: Presse

Weiterverkaufen was in den Müll gehört

Dennoch bekommen die Kunden den Sparkurs zu spüren. "Die Wartezeiten sind länger, und die Beschwerden häufen sich", sagt Dilek Korkmaz*, Mitarbeiterin eines hessischen Burger Kings. "Wir kommen auch kaum noch zum Saubermachen." Andere Mitarbeiter bestätigen das.

Noch gravierender ist eine andere Anordnung von Yildiz: "Folgende Kennziffern sind ab sofort einzuhalten: Waste 0,2 %", heißt es in dem Schreiben, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Soll heißen: Pro 1000 verkaufte Burger dürfen nur noch zwei entsorgt werden. Mitarbeiter nennen die Vorgabe unrealistisch. Wie hoch der Waste-Anteil im Schnitt 2012 war, konnte Burger King auf Anfrage nicht mitteilen. "Wir müssten weiterverkaufen, was eigentlich im Müll hätte landen müssen", sagt Okan. Labberige Burger beispielsweise, die länger als die zulässigen zehn Minuten in der Durchreiche gelegen haben.

Auch der Druck auf die Restaurantmanager ist gestiegen. Sie müssen fehlendes Personal ausgleichen und selbst mehr mit anpacken. Viele mussten ihre Dienstwagen abgeben. Wegrationalisiert wurde auch der Sicherheitsdienst, der die Tageseinnahmen abgeholt hat. Von Juli an müssen die Restaurantleiter selbst die Einnahmen zur Bank bringen. Dabei empfiehlt Burger King Sicherheitsfirmen, "um möglichen Überfällen vorzubeugen".

Leerstand. Bei Burger King bleiben vermehrt die Kunden weg Quelle: Laif

Mitarbeiter sind skeptisch

Yildiz wollte sich am Telefon nicht äußern, schriftliche Fragen blieben unbeantwortet. Inzwischen ist er aber etwas zurückgerudert. Mitte Juni erhielten alle Restaurants eine "Information der Geschäftsführung": Alle Mitarbeiter würden nach Tarif bezahlt, Umkleidezeiten und Betriebsratsarbeit ebenfalls entgolten. "Etwas Gegenteiliges habe ich – persönlich – nie behauptet", schreibt Yildiz.

Die Mitarbeiter sind trotzdem skeptisch. Auch in der Zentrale sorgte man sich über Yildiz’ Methoden, zumal sich Franchisenehmer kritisch über mögliche Imageschäden äußerten. "Faire Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung sind uns sehr wichtig", teilte Burger King im Juni mit. Das Management um Deutschland-Chef Andreas Bork führe "aktuell intensive Gespräche mit der Yi-Ko Holding GmbH, um die gegenwärtigen Vorwürfe aufzuklären".

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%