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Systemgastronom Burger King - der Bulettenkrieg eskaliert

Mit rabiaten Methoden will der Burgerbrater Boden gegenüber McDonald’s gutmachen. Dabei riskiert das Unternehmen Qualitätsverluste und Imageschäden.

Von Burger King zu Virginia Burger

Waldemar Behn steht vor dem schlechtesten Deal seines Lebens. Das Burger-King-Restaurant liegt im belebten Gewerbegebiet des Ostseebades Eckernförde, auf der Bundesstraße 203 brausen drei Lastwagen mit dem Logo des Partyschnapses "Kleiner Feigling" vorbei, die Fahrer winken Behn zu. "Moin, Henning", ruft er zurück. Das eigentliche Geschäft läuft gut: Die Behn Getränke GmbH verkauft Feigling oder Küstennebel für 19 Millionen Euro im Jahr.

Mit seinem Burger King hat Behn dagegen seit zwei Jahren keinen Cent verdient. "Hier halten jeden Tag Leute an", sagt Behn. Doch wenn die aussteigen, ist die Tür mit einer dicken Eisenkette verschlossen. Ein Aushang verweist die hungrigen Kunden an "unsere Anderen Fialien" [sic] in Kiel und zwei weiteren Orten der Gegend. Dort wartet möglicherweise die nächste Enttäuschung, denn auch von diesen Restaurants ist eins schon lange zu.

Riskanter Sparkurs

Auch in anderen Städten stehen Burger-King-Filialen leer, in vielen geöffneten Restaurants bilden die Kunden dagegen Schlangen. Grund für die paradoxe Situation ist nicht die große Nachfrage nach Whopper & Co., sondern ein riskanter Sparkurs. Burger King hat seine deutschen Filialen verkauft, die neuen Besitzer reduzieren das Personal. Die Folgen sind längere Wartezeiten, schmutzigere Läden und frustrierte Kunden. Mitarbeiter protestieren zudem gegen Lohnkürzungen und andere Anordnungen der neuen Herren.

Das Erfolgsrezept von McDonald's
"Golden Arches" Quelle: dapd
Ray Kroc Quelle: dpa
Der McDonalds-Clown Quelle: AP
McDonald's in Deutschland
McDrive Quelle: AP
Günter Wallraff Quelle: dapd
McCafé Quelle: REUTERS

Fast verzweifelt versucht Burger King, mit der Sparstrategie Boden gegenüber Marktführer McDonald’s gutzumachen. Der ist weit enteilt, doch der ewige Zweite hat im Heimatland des Hamburgers sogar diese Position verloren. 2012 verkaufte Konkurrent Wendy’s erstmals mehr Burger und Pommes als der Möchtegernkönig aus Florida, so US-Marktforscher Technomic.

Dabei hatte Burger King vor zehn Jahren große Expansionspläne und eine vermeintlich tolle Idee: Anders als McDonald’s, das viele Filialen selbst besitzt und an Franchisenehmer verpachtet, suchte sich Burger King auch Investoren für Grundstücke und Läden – eine Art doppeltes Franchising. Auch bei Behn meldete sich ein Makler: Burger King expandiere, eine Freifläche auf seinem Firmengelände sei da ideal. Die Umsatzprognosen klangen gut, und mit so einem renommierten Mieter könne ja nichts passieren, dachte Behn.

Auf der Suche nach neuen Franchisenehmern

Er hat sich getäuscht. Auf mindestens eine Million Euro beziffert der Kaufmann den Schaden durch die Fehlinvestition und entgangene Mieteinnahmen. Denn der Franchisenehmer, der mehrere Burger King betrieben hatte, ging 2011 pleite.

Seitdem versucht Behn, einen neuen Franchisenehmer zu finden. Das geht nur mit Zustimmung und Hilfe von Burger King. "Gleich nachdem die Filiale geschlossen wurde, habe ich an die Geschäftsführung geschrieben", sagt Behn. "Da ist aber niemand ansprechbar." Monatelang versuchte er, mit den zuständigen Managern in München ins Gespräch zu kommen, doch Mails wurden über Wochen nicht beantwortet, oder er wurde vertröstet. "So geht man mit Geschäftspartnern nicht um", schimpft Behn. Burger King erklärt, man führe Gespräche zu einer Fortführung des Standorts. Doch Behn hat solche Aussagen schon zu oft gehört: "Wir werden auf Schadensersatz klagen."

"Stoppt Burger King"

Auch andere Investoren und Franchisenehmer fühlen sich geschädigt und gehen juristisch gegen Burger King vor. Zudem zogen in den vergangenen Wochen zahlreiche Mitarbeiter vor Arbeitsgerichte.

Denn seit der Fast-Food-Konzern im Mai alle 91 firmeneigenen Restaurants in Deutschland an die Yi-Ko Holding GmbH mit Sitz in Stade bei Hamburg verkauft hat, stehen Mitarbeiter und insbesondere Betriebsräte unter Druck. Aus Protest verteilte die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) vor einer Filiale in Dortmund schon "Stoppt Burger King"-Flyer. Selbst die Münchner Zentrale, die die Franchisegebühren einstreicht und für das Marketing verantwortlich ist, sorgt sich inzwischen über das Vorgehen.

Investor und Spirituosenfabrikant Behn hat eine Milliarde Euro verloren Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Dabei ist der Verkauf Teil eines globalen Strategiewechsels. Seit dem Börsengang vor einem Jahr kappt Burger King Kosten. In den USA hat der Konzern alle eigenen Restaurants abgestoßen und bis Ende 2013 weltweit als Ziel ein "fast 100 Prozent Franchisemodell" ausgegeben. Inzwischen sind es 97 Prozent. Nach erfüllter Mission wechselte Burger-King-Chef Bernardo Hees zum Ketchup-Riesen Heinz. Nachfolger wurde Finanzchef Daniel Schwartz.

Der Gewinn steigt, der Umsatz sinkt

In den letzten Quartalszahlen schlug sich der Verkauf der 752 US-Läden bereits nieder: Der Umsatz sank von 570 auf 328 Millionen Dollar, da statt der Gesamteinnahmen nur noch zehn Prozent Franchisegebühr in die Kassen des Mutterkonzerns fließen. Dafür fallen Kosten weg, und der Gewinn stieg um 150 Prozent.

Wachsender Abstand. Imagewerte der Fast-Food-Ketten in Deutschland

In Deutschland greifen die neuen Herren von Yi-Ko nun durch. Sie heißen Ergün Yildiz und Alexander Kolobov. Letzterer hat in Russland binnen drei Jahren fast 100 Burger-King-Filialen eröffnet, Yildiz war einer von vielen Franchisenehmern, der einige Burger Kings in Norddeutschland betrieb. Seine Erfolge sind überschaubar: Der Umsatz seines bisherigen Unternehmens sank von 3,8 Millionen Euro 2010 auf 2,75 Millionen Euro in 2012.

Durch den Kauf steigt Yildiz als Geschäftsführer auf einen Schlag zum größten Burger-King-Franchisenehmer hierzulande auf: Er ist nun Herr über fast 100 Läden. Etwa 100 Millionen Euro soll Yi-Ko laut Unternehmenskennern bezahlt haben. Zudem verpflichteten sich die Käufer zu weiteren Investitionen: Sie müssen das Restaurantnetz "signifikant ausbauen" und fast zwei Drittel der Läden modernisieren.

6,50 Euro für neue Mitarbeiter

Dabei liefen die nun verkauften Filialen alles andere als erfolgreich. Laut zuletzt veröffentlichter Bilanz verbuchte die Burger King GmbH 2011 einen Verlust von rund 5,87 Millionen Euro. Um eine mögliche Überschuldung der deutschen Beteiligungsholding abzuwenden, musste der Konzern 15 Millionen Euro nach München überweisen und verpflichtete sich zur Zahlung weiterer Millionensummen, um im Zweifel das Geschäft zu stützen.

Durch den Verkauf der Filialen steigen dort zudem die Kosten, denn es werden nun zehn Prozent des Umsatzes als Franchise- und Werbegebühr für den Mutterkonzern fällig. Gleich in einem ersten Rundschreiben machte Yildiz daher klar, wo er sparen will: Alle Betriebsvereinbarungen wurden gekündigt, der Urlaub von sechs auf vier Wochen gekürzt. Den laut Tarifvertrag für die Systemgastronomie seit Juni geltenden Stundenlohn von 7,71 Euro wollte Yildiz nicht zahlen, neue Mitarbeiter sollten teils 6,50 Euro erhalten. "Es gibt keine Gruppierung mehr bei uns! Keine Tariferhöhung", ließ er per Mail mitteilen. Zudem "werden keine Betriebsratssitzungen mehr gestempelt", und die Umkleidezeit durfte nicht mehr abgerechnet werden. Viele der Maßnahmen verstoßen gegen geltendes Recht. In einem Dutzend Fälle siegten Burger-King-Mitarbeiter vor Arbeitsgerichten.

Beschwerden häufen sich

Die Folgen des Sparkurses sind trotzdem spürbar, denn auch an anderen Stellen kürzt Yi-Ko beim Personal. "Das ist im Moment eine totale Kostenschinderei", sagt Mesut Okan (Name von der Redaktion geändert), der seit mehreren Jahren in einer Filiale im Ruhrgebiet arbeitet. So hat der verantwortliche Schichtleiter permanent die Payroll im Blick. Yildiz hat nach der Übernahme für Personalkosten einen Anteil von 13 Prozent am Umsatz vorgegeben, bislang waren eher 17 oder 18 Prozent die Regel, sagten mehrere Burger-King-Mitarbeiter.

Daher werden die Dienstpläne knapper kalkuliert. Waren in einer Filiale vor dem Verkauf im Schnitt sechs Mitarbeiter pro Schicht eingeteilt, seien es jetzt noch vier. Würden die vorgegebenen Personalkosten trotzdem nicht eingehalten, schickten die Schichtführer häufiger einzelne Mitarbeiter früher nach Hause. Auch die Personalplanung wurde geändert: "Statt einer Kraft für acht Stunden werden lieber zwei Leute für vier Stunden eingeteilt", sagt Okan. Denn nach fünf Stunden lassen Schnelligkeit und Konzentration nach.

Wer am meisten Kasse macht
Platz 20: Metro Group (Konzerngastronomie) Quelle: Presse
Roland Kuffler Quelle: dpa Picture-Alliance/Schellneg
Screenshot Marché Quelle: Screenshot
Deutsche Bahn Quelle: Creative Commons-Lizenz
Joey’s Pizza Service Quelle: Presse
Starbucks Quelle: REUTERS
LeBuffet Restaurant & Café Quelle: Presse

Weiterverkaufen was in den Müll gehört

Dennoch bekommen die Kunden den Sparkurs zu spüren. "Die Wartezeiten sind länger, und die Beschwerden häufen sich", sagt Dilek Korkmaz*, Mitarbeiterin eines hessischen Burger Kings. "Wir kommen auch kaum noch zum Saubermachen." Andere Mitarbeiter bestätigen das.

Noch gravierender ist eine andere Anordnung von Yildiz: "Folgende Kennziffern sind ab sofort einzuhalten: Waste 0,2 %", heißt es in dem Schreiben, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Soll heißen: Pro 1000 verkaufte Burger dürfen nur noch zwei entsorgt werden. Mitarbeiter nennen die Vorgabe unrealistisch. Wie hoch der Waste-Anteil im Schnitt 2012 war, konnte Burger King auf Anfrage nicht mitteilen. "Wir müssten weiterverkaufen, was eigentlich im Müll hätte landen müssen", sagt Okan. Labberige Burger beispielsweise, die länger als die zulässigen zehn Minuten in der Durchreiche gelegen haben.

Auch der Druck auf die Restaurantmanager ist gestiegen. Sie müssen fehlendes Personal ausgleichen und selbst mehr mit anpacken. Viele mussten ihre Dienstwagen abgeben. Wegrationalisiert wurde auch der Sicherheitsdienst, der die Tageseinnahmen abgeholt hat. Von Juli an müssen die Restaurantleiter selbst die Einnahmen zur Bank bringen. Dabei empfiehlt Burger King Sicherheitsfirmen, "um möglichen Überfällen vorzubeugen".

Leerstand. Bei Burger King bleiben vermehrt die Kunden weg Quelle: Laif

Mitarbeiter sind skeptisch

Yildiz wollte sich am Telefon nicht äußern, schriftliche Fragen blieben unbeantwortet. Inzwischen ist er aber etwas zurückgerudert. Mitte Juni erhielten alle Restaurants eine "Information der Geschäftsführung": Alle Mitarbeiter würden nach Tarif bezahlt, Umkleidezeiten und Betriebsratsarbeit ebenfalls entgolten. "Etwas Gegenteiliges habe ich – persönlich – nie behauptet", schreibt Yildiz.

Die Mitarbeiter sind trotzdem skeptisch. Auch in der Zentrale sorgte man sich über Yildiz’ Methoden, zumal sich Franchisenehmer kritisch über mögliche Imageschäden äußerten. "Faire Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung sind uns sehr wichtig", teilte Burger King im Juni mit. Das Management um Deutschland-Chef Andreas Bork führe "aktuell intensive Gespräche mit der Yi-Ko Holding GmbH, um die gegenwärtigen Vorwürfe aufzuklären".

Angst um die Betriebsräte

Daran hat anscheinend Yildiz’ Schreiben nichts geändert. Denn auch eine Woche danach heißt es von Burger King, die Verhandlungen mit Yi-Ko liefen weiter.

Auch die Gewerkschaft bleibt skeptisch, Grund ist eine zweite Bekanntmachung, die parallel aus Stade verschickt wurde. "Unsere Wirtschaftsprüfer haben festgestellt, dass Mitarbeiter bei der Burger King GmbH schlimmen Missbrauch betrieben haben", teilt die Yi-Ko-Geschäftsführung mit. Sie habe den Hamburger Rechtsanwalt Helmut Naujoks eingeschaltet, "um gegen diese Mitarbeiter vorzugehen".

Es soll laut Yildiz um Mobbing gehen, die NGG fürchtet hingegen, dass gezielt Betriebsräte rausgemobbt werden sollen. Denn Naujoks wurde durch das Buch "Kündigung der Unkündbaren" bekannt. Zwei Kündigungsversuche gibt es bereits. "Das eskaliert zum Großkonflikt", sagt Guido Zeitler, Referatsleiter Gastgewerbe bei der NGG. Er kündigt Protestaktionen an: "Wir werden vor den Restaurants auftauchen."

Ungleiche Gegner: Mc Donald's und Burger King im Vergleich (zum Vergrößern bitte anklicken).

Man schlage die gleichen Schlachten wie vor 20 Jahren mit Mäkkes, sagt Torsten Gebehart, der für die NGG die Region Ruhr betreut. McDonald’s war lange das Symbol für die schlechte Behandlung von Mitarbeitern. Seit Günter Wallraff in seinem 1985 erschienenen Buch "Ganz unten" die Arbeitsverhältnisse bei dem Burgerbrater beschrieben hatte, stand McJob für die Ausbeutung von Mitarbeitern. Doch McDonald’s streifte in den letzten Jahren mit cleverem Marketing und neuen Produkten wie Salaten das Schmuddelimage ab.

Das Image leidet sehr

Burger King hinkt da hinterher und riskiert nun durch das Vorgehen auf seinem zweitgrößten Markt, zum neuen McJob-Symbol zu werden. Selbst das einzige Plus gegenüber McDonald’s, der laut Burger-King-Fans bessere Geschmack, wird durch den schlechteren Service aufs Spiel gesetzt.

So beschweren sich auf der Facebook-Seite von Burger King fast täglich Kunden. Ein Ärgernis sind auch Rabattaktionen, wie Gratis-Burger für Käufer von Pringles-Chips. Die Gutscheine gelten aber "nur in teilnehmenden Restaurants", und die sind anscheinend rar, zeigen viele Beschwerden. Auf Kundenfragen, welche Filialen teilnehmen, erklärt Burger King nur: Da jedes Restaurant individuell entscheiden kann, "können wir hier leider nicht weiterhelfen". Auf Anfrage erklärt Burger King, es nehme "die große Mehrheit der Franchisepartner" teil. Das alles schadet dem Image, zeigt eine Analyse des Kölner Marktforschers YouGov für die WirtschaftsWoche.

Was steckt in unserem Essen?
Gestreckter KaffeeUm mehr Geld zu verdienen kommt es immer wieder vor, dass Hersteller ihren Kaffee strecken. Dafür mischen sie laut einer NDR-Reportage den gemahlenen Bohnen zu etwa zehn Prozent den Stoff Maltodextrin bei. Dabei handelt es sich um eine Zuckerart, die in der Lebensmittelindustrie als günstiger Füllstoff eingesetzt wird. Auch Karamell wird zum Strecken verwendet. Kunden sollten im Supermarkt bei der Aufschrift "Melange" hellhörig werden. Auch im Kleingedruckten geben die Hersteller an, ob sie das Produkt gestreckt haben. Damit gibt es keine rechtlichen Konsequenzen. Quelle: dpa
Ewig frisches FleischSeit Tagen liegt das Hackfleisch im Kühlschrank und noch immer sieht es frisch aus. Die Lebensmittelindustrie macht es möglich, indem sie einfach ein Gasgemisch mit viel Sauerstoff in die Verpackung pumpt. Dadurch bleibt das Fleisch optisch frisch. Am Geschmack lässt sich das Alter dann aber doch erkennen. Das Max-Rubner-Institut hat herausgefunden, dass derartig behandelte Ware ranzig schmeckt. Außerdem soll das Gasgemisch das Wachstum bestimmter Bakterien fördern. Quelle: dpa
Gefärbte OlivenIm Handel werden sowohl schwarze als auch grüne Oliven vertrieben. Schwarze Oliven gelten dabei als besondere Delikatesse, da sie schon reif und damit vollmundiger im Geschmack sind. Die grünen Oliven sind noch sehr jung und damit eher herb und säuerlich im Geschmack. Weil sich die schwarzen Exemplare besser verkaufen lassen, sind findige Hersteller auf die Idee gekommen, grüne Oliven einfach schwarz zu färben. Rein optisch ist es sehr schwer die echten von den gefälschten schwarzen Oliven im Glas unterscheiden zu können. Wer wissen will, welche Oliven er kauft, muss einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Sind die Stabilisatoren Eisen-2-Gluconat oder Eisen-2-Lactat aufgelistet, handelt es sich um Trickserei. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Natürliche AromenVielen Verbrauchern ist es wichtig, dass in Produkten keine oder zumindest wenig Chemie enthalten ist. Wer aber darauf vertraut, dass in einer Erdbeermarmelade mit "natürlichen Aromen" nur Erdbeeren und Zucker enthalten sind, der kann sich täuschen. Natürliche Aromen können nämlich auch pflanzliche Öle sein, die dem Obstgeschmack nahe kommen. Quelle: dpa
PestoSo beklagt die Verbraucherorganisation Foodwatch, dass beispielsweise im Pesto Verde der Marke Bertolli (Unilever) Cashewnüsse, Pflanzenöl, Aroma und Säuerungsmittel enthalten sind. Dabei wirbt Unilever mit "original italienischer Rezeptur", "nur die besten Zutaten", "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkernen. Mehr als ein Fingerhut voll Olivenöl muss aber gar nicht drin sein und auch die teuren Pinienkernen müssen nur zu einem geringen Teil enthalten sein. Quelle: Fotolia
PuddingAuch im Pudding muss nicht drin sein, was draufsteht: So reicht es beispielsweise, wenn im Schokoladenpudding ein Prozent echtes Kakaopulver enthalten ist. Der Rest darf eine bunte Mischung aus Aromen, Zucker, Fett und Gelatine sein. Nur wenn weniger als ein Prozent Kakao - also Schokolade - im Schokopudding ist, muss das entsprechend deklariert werden. Quelle: dpa/dpaweb
FruchtsaftgetränkeAuch bei Fruchtsäften müssen Verbraucher aufmerksam sein. Nur, wenn auf der Packung "Fruchtsaft aus 100 Prozent Frucht" steht, ist tatsächlich nichts anderes drin. Die deutsche Fruchtsaftverordnung erlaubt allerdings auch die Verwendung von Fruchtsaftkonzentrat und 15 Gramm zusätzlichem Zucker pro Liter Saft. Saft aus Zitronen, Limetten, Bergamotten und schwarzen, roten oder weißen Johannisbeeren darf mehr Zucker zugesetzt werden. Beim Fruchtnektar handelt es sich dagegen um eine Mischung aus Fruchtsaft und/oder Fruchtmark, Wasser und Zucker. Der Fruchtanteil beträgt 25 bis 50 Prozent. Noch niedriger ist der Fruchtanteil bei Fruchtsaftgetränken: Bei Orangensaft liegt dieser bei sechs Prozent, bei Traubensaft und Apfelsaft bei 30 Prozent. Bei Eistees reicht es, wenn Obst auf der Packung abgebildet ist, enthalten sein muss keins. So beanstandet Foodwatch den Pfanner-Eistee "Zitrone-Physalis", in dem die Menge an Physalis ist so gering ist, dass sie nicht einmal deklariert werden muss. Im zwei-Liter-Karton sind außerdem enthalten: 44 Stück Würfelzucker, 15 Prozent gelber Tee, Aromen und E330 (Zitronensäure). Quelle: dapd

Schlusslicht beim Service

Cash auf Kosten der Qualität scheint auch in den USA die neue Strategie zu sein. Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer Studie zur Servicequalität des US-Fachmagazins "QSR" nahe. Darin bezeichneten mit Abstand die meisten Kunden Burger-King-Mitarbeiter als "unfreundlich". Beim Service ist die Kette damit Schlusslicht.

Der Imageabsturz zeigt sich auch in der Markenwert-Rangliste des US-Marktforschers Millward Brown. Während McDonald’s mit mehr als 90 Milliarden Dollar auf Platz vier liegt, schafft es Burger King nicht einmal unter die ersten 100.

Verantwortlich sind die Eigentümerwechsel der vergangenen Jahre. Als Schnapsproduzent Behn vor zehn Jahren sein Burger-King-Abenteuer begann, hatte der Spirituosenriese Diageo (Johnnie Walker, Smirnoff) die Kette gerade an drei Finanzinvestoren verkauft. Vier Jahre später kaufte Finanzinvestor 3G Capital die Kette, nahm sie von der Börse und brachte sie 2012 zurück aufs Parkett. Der Kurs stieg seither von 12 auf zuletzt 15 Dollar, ob das nachhaltig ist, muss sich zeigen.

Zahl der Franchisenehmer wird reduziert

Investor Behn jedenfalls fühlt sich an das Ende der DDR erinnert, seit die Heuschrecken am Ruder seien: "Vorne wird große Propaganda gemacht, und hinten bricht alles zusammen." Er wundere sich, dass Burger King nicht einmal bei seinem leer stehenden Restaurant die Logos abschraubt. "Es ist erschreckend, wie nachlässig mit der Marke umgegangen wird", sagt Behn.

Andere Investoren schimpfen genauso – wie Hans von Stosch. Wenn der Hamburger Immobilienhändler an seinem Schreibtisch sitzt, die Hände über dem Bauch und den Hosenträgern mit Hufeisenmuster verschränkt, wirkt er wie ein pensionierter Sheriff. Stosch spricht auch so, schnell fallen Worte wie "Gangster" oder "Schweinebande", wenn es um Burger King geht. Vier Restaurants in Norddeutschland hat Stosch finanziert. 2012 hat Burger King seinem Franchisenehmer Willi-Otto Andresen gekündigt, nachdem die Läden bei Qualitätsprüfungen durchgefallen waren. Für Stosch nur ein Vorwand. Eigentlich gehe es um eine "Flurbereinigung", heißt es in der Klageschrift, die Stosch beim Landgericht München eingereicht hat. Franchiseverträge würden nach willkürlichen Überprüfungen aufgelöst, um weniger Franchisenehmer mit jeweils mehr Filialen zu haben. "Die diskutieren lieber mit 5 als mit 50 Leuten", sagt Stosch. Laut Burger King wurde "eine Reduktion der Zahl der Franchisenehmer in den vergangenen Jahren nicht forciert".

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Lappalien als Grund für Kündigungen

Doch andere Franchisenehmer berichten von ähnlichen Vorfällen. Bei einem Hamburger Betreiber waren im Frühjahr 2012 mehrere Qualitätskontrollen durchgeführt worden. Burger King kündigte, da die "Gesundheit der Gäste leichtfertig und fortgesetzt aufs Spiel gesetzt worden sei".

Das Landgericht Hamburg konnte die Vorwürfe zum Großteil nicht nachvollziehen. Im Detail wurde etwa über die Temperatur des Salates gestritten, die sechs Grad nicht übersteigen darf. Der Prüfer hatte 7,3 und 7,7 Grad gemessen, Burger King konnte allerdings nicht nachweisen, dass die Messung direkt nach der Entnahme des Salats erfolgte – nach Angaben des Franchisenehmers lag er minutenlang in der warmen Küche. Der Fast-Food-Konzern bemängelte auch, dass Tomaten vom nicht genehmigten Lieferanten kämen. Der belieferte aber über Jahre auch firmeneigene Burger Kings. So blieben von den Mängellisten Lappalien: Einmal wurde regelwidrig ein Tomatenendstück auf den Burger gelegt, eine Servicestation hatte kaum noch Salz, auf dem Grundstück waren Kaugummis. "Kein ausreichender Grund für eine außerordentliche Kündigung", so die Richter.

Sie erklärten gar noch mehrere Regelungen des Franchisevertrages für unwirksam. Da schon ein unbedeutender Verstoß als Kündigungsgrund reiche, würden Franchisenehmer unangemessen benachteiligt.

Die ersten Restaurants sind wieder zu

Die Klage von Stosch hat das Landgericht München dagegen vor zwei Wochen abgewiesen: Verstöße gegen die Kleiderordnung würden die Kündigung rechtfertigen. Doch Stosch will wohl in Berufung gehen: "Der Krieg geht weiter."

Wo Burger Kings neuer Weg enden könnte, lässt sich in Berlin beobachten. In der Hauptstadt hatte der Konzern 1976 sein erstes deutsches Restaurant eröffnet und war damit sieben Jahre schneller als McDonald’s. Jahrelang war Burger King die Nummer eins und öffnete nach dem Mauerfall auch im Ostteil schneller. Doch die ersten Restaurants sind wieder zu.

Im Westteil sieht es nicht besser aus. Vor drei Jahren verkaufte Burger King seine eigenen Läden in der Hauptstadt, die erste Filiale am Ku’damm wurde 2009 dichtgemacht. Nur einige Blocks von dem einstigen Prachtboulevard entfernt sitzt heute der wichtigste Burger-King-Manager in der Hauptstadt: Torsten Martini, Insolvenzverwalter von der Kanzlei Leonhardt.

Denn Franchisenehmer Christian Groenke, der Burger King die etwa 20 Restaurants in Berlin und Brandenburg abgekauft hatte, meldete im vergangenen Oktober Insolvenz an. Martini sucht neue Betreiber. Einige Interessenten habe er abgelehnt, da sie durch die schlechte Behandlung der Mitarbeiter und Löhne unter Tarif Schlagzeilen gemacht hätten. "Bei den Gehältern kann man nicht viel machen, wir bewegen uns teilweise schon am unteren Ende", sagt Martini.

Derzeit verhandelt er mit einem Interessenten und hofft auf eine Lösung bis Ende August. "Der Knackpunkt sind die Mieten", sagt der Insolvenzverwalter. Die ließen sich jedoch nicht so leicht von bis zu 30 Prozent des Umsatzes auf unter 10 Prozent drücken. Derzeit habe er günstigere Konditionen ausgehandelt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Zwei Filialen musste Martini jedoch schließen.

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