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Systemgastronom Burger King - der Bulettenkrieg eskaliert

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"Stoppt Burger King"

Auch andere Investoren und Franchisenehmer fühlen sich geschädigt und gehen juristisch gegen Burger King vor. Zudem zogen in den vergangenen Wochen zahlreiche Mitarbeiter vor Arbeitsgerichte.

Denn seit der Fast-Food-Konzern im Mai alle 91 firmeneigenen Restaurants in Deutschland an die Yi-Ko Holding GmbH mit Sitz in Stade bei Hamburg verkauft hat, stehen Mitarbeiter und insbesondere Betriebsräte unter Druck. Aus Protest verteilte die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) vor einer Filiale in Dortmund schon "Stoppt Burger King"-Flyer. Selbst die Münchner Zentrale, die die Franchisegebühren einstreicht und für das Marketing verantwortlich ist, sorgt sich inzwischen über das Vorgehen.

Investor und Spirituosenfabrikant Behn hat eine Milliarde Euro verloren Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Dabei ist der Verkauf Teil eines globalen Strategiewechsels. Seit dem Börsengang vor einem Jahr kappt Burger King Kosten. In den USA hat der Konzern alle eigenen Restaurants abgestoßen und bis Ende 2013 weltweit als Ziel ein "fast 100 Prozent Franchisemodell" ausgegeben. Inzwischen sind es 97 Prozent. Nach erfüllter Mission wechselte Burger-King-Chef Bernardo Hees zum Ketchup-Riesen Heinz. Nachfolger wurde Finanzchef Daniel Schwartz.

Der Gewinn steigt, der Umsatz sinkt

In den letzten Quartalszahlen schlug sich der Verkauf der 752 US-Läden bereits nieder: Der Umsatz sank von 570 auf 328 Millionen Dollar, da statt der Gesamteinnahmen nur noch zehn Prozent Franchisegebühr in die Kassen des Mutterkonzerns fließen. Dafür fallen Kosten weg, und der Gewinn stieg um 150 Prozent.

Wachsender Abstand. Imagewerte der Fast-Food-Ketten in Deutschland

In Deutschland greifen die neuen Herren von Yi-Ko nun durch. Sie heißen Ergün Yildiz und Alexander Kolobov. Letzterer hat in Russland binnen drei Jahren fast 100 Burger-King-Filialen eröffnet, Yildiz war einer von vielen Franchisenehmern, der einige Burger Kings in Norddeutschland betrieb. Seine Erfolge sind überschaubar: Der Umsatz seines bisherigen Unternehmens sank von 3,8 Millionen Euro 2010 auf 2,75 Millionen Euro in 2012.

Durch den Kauf steigt Yildiz als Geschäftsführer auf einen Schlag zum größten Burger-King-Franchisenehmer hierzulande auf: Er ist nun Herr über fast 100 Läden. Etwa 100 Millionen Euro soll Yi-Ko laut Unternehmenskennern bezahlt haben. Zudem verpflichteten sich die Käufer zu weiteren Investitionen: Sie müssen das Restaurantnetz "signifikant ausbauen" und fast zwei Drittel der Läden modernisieren.

6,50 Euro für neue Mitarbeiter

Dabei liefen die nun verkauften Filialen alles andere als erfolgreich. Laut zuletzt veröffentlichter Bilanz verbuchte die Burger King GmbH 2011 einen Verlust von rund 5,87 Millionen Euro. Um eine mögliche Überschuldung der deutschen Beteiligungsholding abzuwenden, musste der Konzern 15 Millionen Euro nach München überweisen und verpflichtete sich zur Zahlung weiterer Millionensummen, um im Zweifel das Geschäft zu stützen.

Durch den Verkauf der Filialen steigen dort zudem die Kosten, denn es werden nun zehn Prozent des Umsatzes als Franchise- und Werbegebühr für den Mutterkonzern fällig. Gleich in einem ersten Rundschreiben machte Yildiz daher klar, wo er sparen will: Alle Betriebsvereinbarungen wurden gekündigt, der Urlaub von sechs auf vier Wochen gekürzt. Den laut Tarifvertrag für die Systemgastronomie seit Juni geltenden Stundenlohn von 7,71 Euro wollte Yildiz nicht zahlen, neue Mitarbeiter sollten teils 6,50 Euro erhalten. "Es gibt keine Gruppierung mehr bei uns! Keine Tariferhöhung", ließ er per Mail mitteilen. Zudem "werden keine Betriebsratssitzungen mehr gestempelt", und die Umkleidezeit durfte nicht mehr abgerechnet werden. Viele der Maßnahmen verstoßen gegen geltendes Recht. In einem Dutzend Fälle siegten Burger-King-Mitarbeiter vor Arbeitsgerichten.

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