WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Systemgastronom Burger King - der Bulettenkrieg eskaliert

Seite 5/5

Zahl der Franchisenehmer wird reduziert

Investor Behn jedenfalls fühlt sich an das Ende der DDR erinnert, seit die Heuschrecken am Ruder seien: "Vorne wird große Propaganda gemacht, und hinten bricht alles zusammen." Er wundere sich, dass Burger King nicht einmal bei seinem leer stehenden Restaurant die Logos abschraubt. "Es ist erschreckend, wie nachlässig mit der Marke umgegangen wird", sagt Behn.

Andere Investoren schimpfen genauso – wie Hans von Stosch. Wenn der Hamburger Immobilienhändler an seinem Schreibtisch sitzt, die Hände über dem Bauch und den Hosenträgern mit Hufeisenmuster verschränkt, wirkt er wie ein pensionierter Sheriff. Stosch spricht auch so, schnell fallen Worte wie "Gangster" oder "Schweinebande", wenn es um Burger King geht. Vier Restaurants in Norddeutschland hat Stosch finanziert. 2012 hat Burger King seinem Franchisenehmer Willi-Otto Andresen gekündigt, nachdem die Läden bei Qualitätsprüfungen durchgefallen waren. Für Stosch nur ein Vorwand. Eigentlich gehe es um eine "Flurbereinigung", heißt es in der Klageschrift, die Stosch beim Landgericht München eingereicht hat. Franchiseverträge würden nach willkürlichen Überprüfungen aufgelöst, um weniger Franchisenehmer mit jeweils mehr Filialen zu haben. "Die diskutieren lieber mit 5 als mit 50 Leuten", sagt Stosch. Laut Burger King wurde "eine Reduktion der Zahl der Franchisenehmer in den vergangenen Jahren nicht forciert".

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Lappalien als Grund für Kündigungen

Doch andere Franchisenehmer berichten von ähnlichen Vorfällen. Bei einem Hamburger Betreiber waren im Frühjahr 2012 mehrere Qualitätskontrollen durchgeführt worden. Burger King kündigte, da die "Gesundheit der Gäste leichtfertig und fortgesetzt aufs Spiel gesetzt worden sei".

Das Landgericht Hamburg konnte die Vorwürfe zum Großteil nicht nachvollziehen. Im Detail wurde etwa über die Temperatur des Salates gestritten, die sechs Grad nicht übersteigen darf. Der Prüfer hatte 7,3 und 7,7 Grad gemessen, Burger King konnte allerdings nicht nachweisen, dass die Messung direkt nach der Entnahme des Salats erfolgte – nach Angaben des Franchisenehmers lag er minutenlang in der warmen Küche. Der Fast-Food-Konzern bemängelte auch, dass Tomaten vom nicht genehmigten Lieferanten kämen. Der belieferte aber über Jahre auch firmeneigene Burger Kings. So blieben von den Mängellisten Lappalien: Einmal wurde regelwidrig ein Tomatenendstück auf den Burger gelegt, eine Servicestation hatte kaum noch Salz, auf dem Grundstück waren Kaugummis. "Kein ausreichender Grund für eine außerordentliche Kündigung", so die Richter.

Sie erklärten gar noch mehrere Regelungen des Franchisevertrages für unwirksam. Da schon ein unbedeutender Verstoß als Kündigungsgrund reiche, würden Franchisenehmer unangemessen benachteiligt.

Die ersten Restaurants sind wieder zu

Die Klage von Stosch hat das Landgericht München dagegen vor zwei Wochen abgewiesen: Verstöße gegen die Kleiderordnung würden die Kündigung rechtfertigen. Doch Stosch will wohl in Berufung gehen: "Der Krieg geht weiter."

Wo Burger Kings neuer Weg enden könnte, lässt sich in Berlin beobachten. In der Hauptstadt hatte der Konzern 1976 sein erstes deutsches Restaurant eröffnet und war damit sieben Jahre schneller als McDonald’s. Jahrelang war Burger King die Nummer eins und öffnete nach dem Mauerfall auch im Ostteil schneller. Doch die ersten Restaurants sind wieder zu.

Im Westteil sieht es nicht besser aus. Vor drei Jahren verkaufte Burger King seine eigenen Läden in der Hauptstadt, die erste Filiale am Ku’damm wurde 2009 dichtgemacht. Nur einige Blocks von dem einstigen Prachtboulevard entfernt sitzt heute der wichtigste Burger-King-Manager in der Hauptstadt: Torsten Martini, Insolvenzverwalter von der Kanzlei Leonhardt.

Denn Franchisenehmer Christian Groenke, der Burger King die etwa 20 Restaurants in Berlin und Brandenburg abgekauft hatte, meldete im vergangenen Oktober Insolvenz an. Martini sucht neue Betreiber. Einige Interessenten habe er abgelehnt, da sie durch die schlechte Behandlung der Mitarbeiter und Löhne unter Tarif Schlagzeilen gemacht hätten. "Bei den Gehältern kann man nicht viel machen, wir bewegen uns teilweise schon am unteren Ende", sagt Martini.

Derzeit verhandelt er mit einem Interessenten und hofft auf eine Lösung bis Ende August. "Der Knackpunkt sind die Mieten", sagt der Insolvenzverwalter. Die ließen sich jedoch nicht so leicht von bis zu 30 Prozent des Umsatzes auf unter 10 Prozent drücken. Derzeit habe er günstigere Konditionen ausgehandelt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Zwei Filialen musste Martini jedoch schließen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%