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  4. Lufthansa & Verdi: Die aktuelle Tarifrunde ist eine Farce

Tarifeinigung von Lufthansa und VerdiEine fast unwürdige Show

Der schnelle Abschluss nach einem letztlich überflüssigen Streik lässt die aktuelle Tarifrunde endgültig wie eine Farce erscheinen. Das Ergebnis wäre einfacher, billiger und vor allem ohne Ärger für die Kunden möglich gewesen. Künftig muss vor allem Lufthansa geschickter agieren. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Rüdiger Kiani-Kreß 05.08.2022 - 16:06 Uhr

Streikender beim Lufthansaausstand in der vorigen Woche. 

Foto: dpa

Wahrscheinlich wollte die Lufthansa einfach nur sicher gehen, dass jeder die Nachricht in allen Teilen auch wirklich ernst nimmt. Nachdem die Fluglinie bereits gestern Abend um 21.30 Uhr gemeldet hatte, dass sie sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifvertrag für das Bodenpersonal geeinigt hat, gab es heute Morgen um 7.30 Uhr nochmal eine fast wortgleiche Bestätigung – von der Investor Relations genannten Aktionärsbetreuung.

Kein Wunder. Wer die Details mit dem Angebotspaket Mitte Juli vergleicht, das die Gewerkschaft als unzureichend zurückwies, erkennt keinen gewaltigen Unterschied. Und es gibt schon gar keine Abweichung, die den gut 26 Stunden langen Streik in der vorigen Woche rechtfertigen würde. Trotzdem kam der Ausstand und hat fast 140.000 zahlende Kunden verärgert. Dazu hat er die Lufthansa-Kasse mit offiziell knapp 40 Millionen Euro belastet, tatsächlich aber wohl das Dreifache gekostet inklusive aller Nebenausgaben wie verlorene Buchungen oder Entschädigungszahlungen für die Passagiere. Das wäre laut Kennern der Materie mehr als auf die Fluglinie nun an Mehrkosten durch das verbesserte Angebot zukommt.

Damit wäre ein nachgebessertes Angebot – und damit die Einigung auch ohne Streik – also einfacher, billiger sowie vor allem ohne Ärger für die Kunden möglich gewesen. Zumal die Gewerkschaften sich vor dem Ausstand fast für die Aktion entschuldigten. Da stellt sich die Frage: Geht‘s noch – und warum nicht gleich so?

Stille Gehaltsrunde mit Hintergedanken

Condors Lohnplus ärgert Lufthansa

Obwohl keine Tarifverhandlungen anstanden, hat Condor mit der Belegschaft eine Gehaltsrunde von bis zu neun Prozent vereinbart. Das erspart Streiks und schlechte Stimmung – ein Seitenhieb auf Rivale Lufthansa.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Streik als Brauchtum

Der Grund wirkt ein wenig wie Kindergarten. Beide Seiten brauchten den Streik als Ritual, quasi als ein reinigendes Gewitter. Verdi musste dringend den Ärger ihrer Mitglieder mindern und ein Zeichen setzen gegen die unglückliche Personalpolitik der Lufthansa, die sie zu vielen schmerzlichen Kompromissen zwang. Und der Streik erleichterte es der Gewerkschaft auch, unter dem Ursprungsziel des raschen Inflationsausgleichs für alle zu bleiben.

Lufthansa hingegen kann nun ihren geplagten Investoren gegenüber leichter begründen, warum sie trotz Sparprogrammen und Verzicht auf Dividenden die Gehälter des Bodenpersonals und wohl bald auch die der Crews an Bord relativ üppig erhöht. Denn wenn ein Streik weitere Ausstände verhindert, war er am Ende sogar ein gutes Geschäft.

Doch auch wenn diese Rituale fester Teil des Brauchtums sein mögen bei Tarifverhandlungen, weil sie signalisieren „Mehr war halt nicht drin“: Es ist eine unwürdige Show, erst recht jetzt in einem Sommer mit nie da gewesenem Flugchaos. Das sollte sich nicht wiederholen, wenn es eigentlich keine Differenzen gibt.

Wie es besser geht, zeigt ein Wettbewerber in Neu-Isenburg, keine zehn Kilometer von der Lufthansa-Konzernzentrale am Frankfurter Flughafen. Der Ferienflieger Condor und sein Chef Ralf Teckentrup haben nicht nur in der Krise weit mehr auf Kooperation und weniger auf Konfrontation gesetzt als Lufthansa. Jetzt bietet sie ihren 4000 Mitarbeitern eine spürbare Erhöhung in der Größenordnung der aktuellen Inflationsrate, obwohl bei Deutschlands zweitgrößter Airline derzeit keine Gehaltsverhandlungen anstehen.

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