Tarifkonflikt bei Lufthansa Kein Ende des Streiks in Sicht

Am Mittwoch kündigte die Vereinigung Cockpit weitere Arbeitsniederlegungen an, sofern die Lufthansa zu keinem Kompromiss bei der Vorruhestandsregelung bereit sei. Der Tarifstreit bei der Lufthansa nimmt kein Ende.

Im Tarifkonflikt der Lufthansa mit ihren Piloten ist ein Ende der Streiks nicht absehbar. Die Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Mittwoch weitere Arbeitsniederlegungen für den Fall an, dass die Fluglinie zu keinem Kompromiss bei der Vorruhestandsregelung für junge Piloten bereit sei. "Wir werden sicherlich nicht am Stück wochenlang streiken, aber wir werden den Druck auf das Management erhöhen müssen", sagte ein Gewerkschaftssprecher am Mittwoch. Die Airline warf der Pilotenvereinigung ihrerseits mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Nach einem deutschlandweiten Ausstand auf der Kurz- und Mittelstrecke am Mittwoch sollen am Donnerstag die Langstreckenflüge sowie Frachtflüge von Lufthansa Cargo bestreikt werden.

Was Piloten bei Lufthansa, Condor & Co. verdienen
Pilot müsste man sein: Die ganze Welt sehen und dafür noch ordentlich Geld bekommen. Doch Pilot ist nicht gleich Pilot. Zwischen den einzelnen Fluggesellschaften gibt es ein deutliches Preisgefälle. Laut Pilotenvereinigung Cockpit bekommt ein Erster Offizier oder Kopilot anfangs ein Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto. „Ein Kapitän – das wird man nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhält je nach Luftverkehrsgesellschaft ein Anfangsgehalt zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro“, so die Gewerkschaft. Quelle: dpa, Handelsblatt, Unternehmen Quelle: dpa
RyanairDie Piloten des irischen Billigfliegers gehören im Vergleich eher zu den Niedrigverdienern der Branche. 25.000 Euro bezahlt Ryanair seinen Kopiloten zu Beginn. Flugkapitäne ab dem 12. Berufsjahr erhalten anfangs 53.000 Euro. Ihr Maximalgehalt beläuft sich auf 85.000 Euro. Quelle: dpa
Air BerlinDie zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zahlt seinen Kopiloten zum Einstieg 45.000 Euro. Piloten bekommen bei Air Berlin zu Beginn 80.000 und in der Spitze bis zu 115.000 Euro. Quelle: dpa
Condor5050 Euro bekommt ein Condor-Kopilot zum Einstieg im Monat. Das macht eine jährliche Gesamtvergütung von 60.600 Euro. Ein Kapitän verdient zunächst 8700 Euro im Monat beziehungsweise 104.400 Euro im Jahr. In der Spitze kann sein Gehalt auf 135.600 Euro klettern. Quelle: dpa
British AirwaysDas Einstiegsgehalt der BA-Co-Piloten liegt bei 61.000 Euro. Piloten ab dem 12. Berufsjahr erhalten zunächst 77.000 Euro im Jahr. Im Laufe der Zeit kann ihr Gehalt auf bis zu 181.000 Euro steigen. Quelle: REUTERS
LufthansaLufthansa-Kapitäne gehören zu den Bestverdienern und können in der Spitze ein Jahresgehalt von bis zu 255.000 Euro bekommen – Zulagen inklusive. Schon zum Einstieg verdient ein Erster Offizier / Kopilot rund 55.500 Euro, mit Zulagen bis zu 73.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Flugkapitäns ab dem 12. Berufsjahr beträgt 120.000 Euro. Quelle: dpa

Die Lufthansa nannte die Ausweitung der Streiks vollends unverständlich. "Anstatt an tragfähigen Lösungen zu arbeiten, fügt die VC nun weltweit unseren Kunden Schaden zu", sagte ein Sprecher. Allein wegen des um Mitternacht begonnenen Streiks bei den Kurz- und Mittelstrecken fielen der Lufthansa zufolge am Mittwoch rund die Hälfte der 1400 geplanten Flüge aus, etwa 80.000 Passagiere seien betroffen.

Die Lufthansa forderte die Gewerkschaft erneut auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Pilotenvereinigung verlangte ihrerseits ein konkretes Angebot von der Lufthansa. Es handele sich um eine Grundsatz-Auseinandersetzung. "Wir sind nicht bereit, eine Tarifpolitik nach Gutsherrenart zu akzeptieren", sagte der Gewerkschaftssprecher. Einen neuen Gesprächstermin gibt es laut VC nicht.

Die Sparprogramme der Lufthansa

Bei der Lufthansa sind derzeit sechs Tarifverträge offen, darunter die Frage der Vergütung und der Altersvorsorge. Kern des Konflikts ist aber die sogenannte Übergangsversorgung, die die Frühverrentung der Piloten regelt. Die Gewerkschaft hält der Lufthansa vor, sich im Kernpunkt ihrer Forderung, der Vorruhestandsregelung für neue Mitarbeiter, seit mehr als einen Jahr nicht bewegt zu haben. Die Fluglinie argumentiert damit, auch für künftige Mitarbeiter sei ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Flugdienst möglich. Allerdings will das Unternehmen die Kosten dafür nicht weiter tragen. Die Beiträge dafür sollen die neueingestellten Mitarbeiter selbst zurückstellen. Die Gewerkschaft sieht darin eine Spaltung der Belegschaft.

Auch bei der Frühverrentung der übrigen Piloten will die Lufthansa sparen. Bislang konnten die Flugzeugführer mit 55 Jahren aufhören und gingen im Schnitt mit 59 Jahren in Pension. Das Management der Kranich-Airline will dieses Alter auf 61 erhöhen. Die Gewerkschaft fordert die Beibehaltungen der alten Regelung für die 5400 Lufthansa-Flugzeugführer. Sie betont zugleich ihre Bereitschaft, den Kostensantieg zu bremsen. Die Pilotenvereinigung schlägt ein Schlichtungsverfahren für alle Streitthemen vor, die derzeit auf dem Tisch liegen.

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Der Streit tobt bereits seit April vergangenen Jahres, der Schaden durch Streiks betrug 2014 rund 230 Million Euro. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge kommt die Lufthansa allerdings zunehmend mit den Folgen des Konflikts zurecht. Analysten sehen dies - zumindest für den laufenden Ausstand - ebenso: "Die Lufthansa ist ziemlich gut vorbereitet für diese zwei Streiks, die Kosten sollten niedriger als letztes Jahr sein", sagte Jochen Rothenbacher von Equinet. Er betonte, es sei sehr wichtig für die Lufthansa, die Kosten zu senken, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Hinter den Kulissen tobt noch ein weiterer Konflikt. Denn die selbstbewussten Piloten stemmen sich gegen den Ausbau von Lufthansa-Billigfliegern unter der Marke Eurowings auf der Kurz- und Langstrecke. Mit einem Ausbau des Sparpreis-Ablegers will sich die Airline gegen die wachsende Konkurrenz von Billigfliegern wie easyJet und Ryanair wappnen.

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