Tarifkonflikt Piloten kommen Lufthansa entgegen

Die Vereinigung Cockpit geht im Tarifkonflikt erneut auf die Lufthansa zu und bietet eine Einigung bis Anfang September an. Zudem zeigt sich die Piloten-Gewerkschaft offen für einen neuen Vergütungstarifvertrag.

Die Piloten legten die Lufthansa seit Frühjahr 2014 insgesamt zwölf Mal lahm. Quelle: dpa

Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa gehen die Piloten auf den Vorstand zu. "Die Vereinigung Cockpit bietet dem Lufthansa-Management ein umfassendes Gesamtpaket im Wert von über 400 Millionen Euro an und kommt so dem Arbeitgeber in vielen seiner Forderungen entgegen", erklärte die Pilotengewerkschaft am Freitag. Das Angebot umfasse unter anderem das Anheben des durchschnittlichen Ruhestandsalters.

Die Lufthansa begrüßte den Vorstoß und kündigte an, die Vorschläge zu prüfen. Dann werde man Gesprächstermine anbieten, sagte ein Konzernsprecher. Damit scheinen Streiks vorerst vom Tisch. Die Piloten legten die Lufthansa seit Frühjahr 2014 zwölf Mal lahm.

Was Piloten bei Lufthansa, Condor & Co. verdienen
Pilot müsste man sein: Die ganze Welt sehen und dafür noch ordentlich Geld bekommen. Doch Pilot ist nicht gleich Pilot. Zwischen den einzelnen Fluggesellschaften gibt es ein deutliches Preisgefälle. Laut Pilotenvereinigung Cockpit bekommt ein Erster Offizier oder Kopilot anfangs ein Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto. „Ein Kapitän – das wird man nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhält je nach Luftverkehrsgesellschaft ein Anfangsgehalt zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro“, so die Gewerkschaft. Quelle: dpa, Handelsblatt, Unternehmen Quelle: dpa
RyanairDie Piloten des irischen Billigfliegers gehören im Vergleich eher zu den Niedrigverdienern der Branche. 25.000 Euro bezahlt Ryanair seinen Kopiloten zu Beginn. Flugkapitäne ab dem 12. Berufsjahr erhalten anfangs 53.000 Euro. Ihr Maximalgehalt beläuft sich auf 85.000 Euro. Quelle: dpa
Air BerlinDie zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zahlt seinen Kopiloten zum Einstieg 45.000 Euro. Piloten bekommen bei Air Berlin zu Beginn 80.000 und in der Spitze bis zu 115.000 Euro. Quelle: dpa
Condor5050 Euro bekommt ein Condor-Kopilot zum Einstieg im Monat. Das macht eine jährliche Gesamtvergütung von 60.600 Euro. Ein Kapitän verdient zunächst 8700 Euro im Monat beziehungsweise 104.400 Euro im Jahr. In der Spitze kann sein Gehalt auf 135.600 Euro klettern. Quelle: dpa
British AirwaysDas Einstiegsgehalt der BA-Co-Piloten liegt bei 61.000 Euro. Piloten ab dem 12. Berufsjahr erhalten zunächst 77.000 Euro im Jahr. Im Laufe der Zeit kann ihr Gehalt auf bis zu 181.000 Euro steigen. Quelle: REUTERS
LufthansaLufthansa-Kapitäne gehören zu den Bestverdienern und können in der Spitze ein Jahresgehalt von bis zu 255.000 Euro bekommen – Zulagen inklusive. Schon zum Einstieg verdient ein Erster Offizier / Kopilot rund 55.500 Euro, mit Zulagen bis zu 73.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Flugkapitäns ab dem 12. Berufsjahr beträgt 120.000 Euro. Quelle: dpa

In dem Tarifkonflikt geht es um die betriebsinterne Frührente für 5400 Piloten und die Konzernstrategie. Anfang Juli war eine Schlichtung bereits in der Vorbereitung gescheitert. Nun boten die Piloten an, ein vom Vorstand angebotenes Bündnis für Wachstum und Beschäftigung mitzutragen.

So sei die Vereinigung Cockpit (VC) bereit, für die Zeit einer gemeinsamen Marktanalyse die Forderungen zu einem neuen Vergütungstarifvertrag auszusetzen. "Im Gegenzug für diesen deutlichen Schritt fordert die VC, dass Lufthansa die Arbeitsplatzperspektiven für alle in Deutschland bei Lufthansa angestellten Piloten garantiert und umgehend die Vorbereitungen zum Ausflaggen der heutigen Cockpitarbeitsplätze stoppt", erklärte die Gewerkschaft.

Mit diesem Punkt jedoch macht VC gegen Pläne der Konzernspitze mobil, wonach Piloten der Lufthansa-Billigtochter Eurowings künftig geringer bezahlt werden sollen als Flugzeugführer der Kernmarke. "Das könnte ein Knackpunkt bei den Verhandlungen sein", sagte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Aus Sicht der Lufthansa ist der rasche Ausbau von Eurowings überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu stoppen. Eurowings soll zu etwa 40 Prozent niedrigeren Kosten fliegen als die Lufthansa selbst.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die Arbeitsniederlegungen der Piloten kommen die Lufthansa teuer zu stehen: Im ersten Halbjahr 2015 dürften sich die dadurch verursachten Gewinneinbußen auf 100 Millionen Euro summieren, hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr gesagt. Bereits 2014 beliefen sich die Belastungen auf 230 Millionen Euro.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%