Tarifstreit mit Karstadt Verdi erwartet nächste Woche erste Ergebnisse

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Die rund 1800 Beschäftigten der Luxus-Warenhäuser des Karstadt-Konzerns sollen schon in Kürze wieder nach Tarif bezahlt werden. Damit rechnet die Gewerkschaft Verdi, die seit Monaten mit dem Karstadt-Management über die Rückkehr in den Tarifvertrag des Einzelhandels verhandelt.

Verdi und das Karstadt-Management verhandeln kommenden Dienstag und Mittwoch darüber, ob für die 1800 Beschäftigten der Karstadt-Luxushäuser bald wieder der Tarifvertrag gilt. Quelle: dpa

Die nächsten Gespräche mit dem Management sind für kommenden Dienstag und Mittwoch angesetzt. „Ich erwarte, dass wir dann erste Fortschritte präsentieren können“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Zumindest für die Karstadt-Luxushäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München zeichnet sich ab, dass die rund 1800 Beschäftigten bald wieder nach Tarif bezahlt werden könnten“, so Peukes. „Für die Mitarbeiter hieße das: Ihr Gehalt steigt, sie erhalten wieder Urlaubs- und Weihnachtsgeld und sie profitieren von allen künftigen Tarifabschlüssen.“

Karstadts Krisen-Chronik

Komplizierter sei die Situation für die übrigen Beschäftigten. Peukes: „Bei den Warenhäusern und den Sport-Filialen ist die wirtschaftliche Lage schwieriger als bei den Luxushäusern. Das macht die Sache kompliziert.“ Dennoch wolle Verdi „in den kommenden Wochen Ergebnisse für alle Karstadt-Bereiche sehen“, so Peukes. Weitere Vertröstungen durch die Karstadt-Spitze lehne die Gewerkschaft ab. „Das funktioniert nicht. Nach unseren Berechnungen verdient jeder Karstadt-Beschäftigte im Schnitt 120 Euro pro Monat weniger als das, was ihm nach Tarif zusteht“, rechnet der Gewerkschafter vor. „Und der Abstand wächst. Alle Beschäftigten brauchen jetzt die Zusage, wieder Weihnachts- und Urlaubsgeld zu bekommen. Wir werden auch weitere Abstriche von den Tariflöhnen nicht akzeptieren.“

Sorge um Stellenabbau

Karstadt leide nicht wie vom Management behauptet unter zu hohen Löhnen, das Problem sei ein anderes, so Peukes: „Im Vergleich zum Wettbewerb leidet Karstadt unter zu hohen Mieten. Das nimmt den Häusern die Luft zum Atmen. Hier muss der neue Eigentümer, die österreichische Immobiliengruppe Signa, ran und alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen.“ Daher sieht Verdi den Stellenabbau mit Sorge. „Momentan werden 2400 Arbeitsplätze gestrichen. Dass solche Einschnitte an der Substanz eines Unternehmens zehren, das auf Service setzt, liegt auf der Hand. Wir wollen daher in den Verhandlungen mit dem Management mindestens für die kommenden zwei Jahre einen Bestandsschutz für die verbleibenden 81 Karstadt-Häuser durchsetzen“, sagte Peukes der WirtschaftsWoche. „Für diesen Zeitraum müssen alle Filialen die Chance bekommen, sich am Markt zu behaupten.“

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