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Tauwetter im Cockpit Wie die Lufthansa aus der Streik-Krise kommt

Während der Arbeitskampf der Lokführergewerkschaft GDL eskaliert, bröckeln im Tarifstreit bei der Lufthansa die Fronten. Was denn Wandel bewirkte und worauf es nun ankommt.

Blick ins Cockpit einer Lufthansa-Maschine Quelle: dpa

Der 7. Deutsche Verkehrspilotentag Ende April in Frankfurt war auch für engagierte Flugzeugführer keine allzu spannende Sache. Bis Ilja Schulz das Wort ergriff. Denn der unauffällige Präsident des Pilotenverbands Vereinigung Cockpit (VC) versteckte in für seine Verhältnisse recht emotionalen Worten zum Absturz der Germanwings-Maschine im März eine faustdicke Überraschung. „Wir sehen die Chance, einmal neu über die Sachen nachzudenken“, sagte Schulz.

„Die Sachen“ sind das wohl dringendste Problem von Schulz’ Arbeitgeber Lufthansa (LH): der Tarifstreit um den Ausbau des Billigfluggeschäfts und die Übergangszahlungen, falls Piloten vorzeitig in Rente gehen müssen. Hier sieht der oberste Pilotenvertreter nach 14 Streiks mit Millionen verärgerter Kunden und gut 300 Millionen Euro Kosten nun die Chance einer Lösung.

Die wichtigsten Kennzahlen der Lufthansa

Das Angebot nahm Lufthansa-Chef Carsten Spohr gern auf. Auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch bot er an, alle offenen Fragen im Rahmen einer Gesamtschlichtung quasi in einem Abwasch zu klären. Dagegen hatte sich Spohr lange gewehrt, vor allem, weil er sich von den Piloten ungern in die Planung seines Billiggeschäfts reinreden lassen wollte. „Mitte Mai könnte die erste offizielle Runde starten“, erwartet ein Gewerkschafter.

Das Tauwetter rührt zum einen aus dem Germanwings-Absturz. „Da erkannten alle: Es gibt größere Probleme als den alten Tarifzwist“, heißt es in VC-Kreisen. Denn trotz aller Sparprogramme drückt die wachsende Konkurrenz die Lufthansa-Gewinne so stark, dass der Aufsichtsrat Flugzeug-Abbestellungen diskutiert hat.

Hinzu kam der Schwenk bei Cockpit. „Die Diskussion zur Tarifeinheit sowie die wachsende Distanz der LH-Kollegen und der Öffentlichkeit setzte die VC unter Druck“, sagt Gerd Pontius von der Hamburger Beratung Prologis. Der VC-Vorstand hat seit voriger Woche zwei als weniger kampflustig geltende neue Mitglieder. Und der als Hardliner bekannte Thomas von Sturm will das Gremium für die Tarifverhandlungen verlassen.

Das erleichtert auch dem Lufthansa-Chef ein Entgegenkommen. „Waren die Alphatiere Spohr und von Sturm in einem Raum, gingen die sich umgehend verbal an die Gurgel“, erzählt ein Insider.

Bis zu einer Einigung ist es aber noch ein steiniger Weg. „Die Streitpunkte sind ja nicht aus der Welt, wir sehen sie nur milder“, heißt es in Pilotenkreisen. „Da müssen beide Seiten Opfer bringen.“

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