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Taxi-Konkurrent So läuft die Fahrerprüfung bei Uber

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Keine Namen nennen

Auffällig allerdings, dass weder die Schulungsteilnehmer noch mehrere Fahrer, die bereits länger für Uber fahren, gegenüber Medien ihren vollen Namen nennen wollen. Stolz, für den innovativen digitalen Fahrdienstleister aus Amerika zu arbeiten, sieht anders aus. Samuel K. etwa studiert Betriebswirtschaftslehre an der Fernuniversität Hagen. Da bleibt Zeit, sich bei Uber etwas dazuzuverdienen. In einem Podcast-Beitrag hat der Münchner vor fünf Monaten das erste Mal von dem Unternehmen aus den USA gehört und war gleich Feuer und Flamme. Seitdem fährt er in seinem 1er BMW durch München und kutschiert Fahrgäste, oft zwischen Innenstad und Flughafen.

„Anfangs bin ich fast nur tagsüber gefahren“, erzählt Samuel K., „da fährt man dann auch mal zwei Stunden leer durch die Gegend.“ Inzwischen fährt der Münchner meist abends, oft von 19 Uhr bis morgens um vier. „Das läuft richtig gut.“ Sobald man einen Fahrgast abgesetzt habe, meldet sich über die App schon der nächste, erzählt Samuel K. In den Semesterferien ist er zuletzt 40 Stunden in der Woche durch Münchens Straßen kutschiert.

Angst vor den deutschen Behörden ist wohl ein Motiv, warum die meisten Uber-Fahrer gegenüber den Medien anonym bleiben wollen. Denn Uber bewegt sich in Deutschland in einer juristischen Grauzone, manche sagen: in der Illegalität.

Personenbeförderungsschein

Denn wer hierzulande Fahrgäste motorisiert befördern will, braucht einen Personenbeförderungsschein. So schreibt es das Personenbeförderungsgesetz von 1961 vor.   Kaum einer der Uber-Fahrer besitzt das Papier. „Wir sind auch kein Personenbeförderer, sondern ein Fahrdienstvermittler“, argumentiert Nestmann und verweist auf fehlende gesetzliche Regelungen für Anbieter wie seinen. Ein Fahrdienst muss in Deutschland „fernmündlich“ bestellt werden; auch das regelt das 54 Jahre alte Gesetz. „Was heißt denn das im Zeitalter von Apps und Smartphones“, echauffiert sich Nestmann.

Die etablierten Taxiunternehmen wehren sich vehement gegen den Vorstoß der Amerikaner nach Deutschland. Nestmann erinnert das stark an die am Ende verzweifelten Versuche der Deutschen Bahn, die Liberalisierung des Marktes für Fernbusse zu verhindern. Demnächst will ein Frankfurter Gericht über den Fall Uber urteilen. Doch damit dürfte es nicht getan sein. Am Ende ist der Gesetzgeber gefordert. Nestmann und seine Kollegen von Uber Deutschland sind denn auch oft bei Politikern in Berlin und in den Kommunen, um Lobbyarbeit für ihr Unternehmen zu machen.

In Arbeit
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Ein bisschen Druck muss trotz der coolen Startup-Atmosphäre sein

Uber will in Deutschland schnell expandieren, und Cornelius und Georg leisten ihren Teil dazu. Im Schnelldurchgang erklären sie den angehenden Fahrern die Benutzung der Uber-App und schärfen ihnen ein: „Wenn ihre eure App online geschaltet habt, erwarten wir, dass ihr die meisten Fahrten, die euch angeboten werden, annehmt.“ Ein bisschen Druck muss trotz der coolen Startup-Atmosphäre sein. Außerdem gibt es noch ein paar Tipps für den Münchner Uber-Nachwuchs. „Stellt euch ein paar Flaschen Mineralwasser ins Auto, fragt die Gäste nach Musikwünschen und der bevorzugten Route“, sagt Cornelius, „aber das ist alles kein Hexenwerk“. En passant wirft er den Interessenten noch zu, dass sie das Geld, das sie mit den Uber-Fahrten verdienen, natürlich versteuern müssen: „Klärt das am besten mit eurem Steuerberater.“

Auch die Besichtigung der Autos bringen Cornelius und Georg zügig hinter sich. Auf der Straße vor dem Uber-Büro laufen sie mit den verbliebenen vier Anwärtern zwischen  deren Autos umher. Einer der künftigen Fahrer, ein hochgewachsener Mann mit blonden Locken und sympathischem Lachen, öffnet den Kofferraum seines VW Tiguan. Eine Kiste mit mehreren Flaschen Putzmittel und ein paar Lappen steht da. Cornelius beugt sich über den Kofferraum. „Das ist jetzt hier nicht super sauber aber okay“, findet er und geht nach vorne. „Der Fußraum könnte mal wieder gesaugt werden“, moniert Cornelius und schaut den Eigentümer an. Den leeren Burger-King-Becher in der Beifahrertür findet der Uber-Mann gar nicht gut.

Für die Außenwäsche, erklärt das Uber-Duo den vier Interessenten, könnten sie in München zwei Shell-Waschanlagen nutzen. „Statt sieben Euro zahlt ihr dort für die einfache Wagenwäsche nur 4,50 Euro, wenn ihr Uber-Fahrer seid.“

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