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Taxi-Konkurrent So läuft die Fahrerprüfung bei Uber

Der Fahrdienstvermittler aus San Francisco rekrutiert hierzulande in großem Stil Chauffeure. In einem Schnellkurs bekommen die Taxi-Neulinge das nötige Rüstzeug für die Straße. Ein Ortstermin.

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App von Uber auf einem Smartphone Quelle: dpa

Cornelius trägt rote Turnschuhe, einen buschigen schwarzen Bart und das rot-weiß karierte Hemd lässig über der Jeans. „Schön, dass ihr da seid“, lacht er in die Runde. Die Runde, das sind vier Männer mittleren Alters und eine junge Frau. Über das Internetportal von Uber haben sie sich als Fahrer beworben. Jetzt sitzen sie auf Barhockern in einem schicken Münchner Büro. Auf den Tischen steht viel Red Bull, dazu Glasschüsseln mit Twix, Bounty, Milky Way und Gummibärchen.

„Georg erklärt euch gleich die App, mit der ihr später die Fahrgäste vermittelt bekommt“, erläutert Cornelius der Gruppe. Georg und Cornelius sind zwei von vier Uber-Angestellten in München. Ein- bis zweimal in der Woche testen die beiden die Tauglichkeit von Bewerbern aus der Region, die für den amerikanischen Fahrdienstvermittler arbeiten wollen. Außerdem erklären sie ihnen die Grundregeln des Uber-Geschäfts. Sehr lange dauert das meist nicht: In zwei Stunden ist das Programm meist geschafft.

Warum Uber so umstritten ist

Cornelius erläutert nochmal den Ablauf des Nachmittags. „Wir installieren die App auf euren Smartphones“, sagt er, „und schauen uns danach Eure Autos an.“ Ab und zu, fügt er süffisant lächelnd hinzu, müsse da ja nochmal durchgesaugt werden. „Und dann könnt ihr auch schon los düsen.“ Wer an der Uber-Schulung teilnehmen will, muss vorher ein ganzes Paket persönlicher Dokumente bei Cornelius und Georg einreichen: ein polizeiliches Führungszeugnis gehört dazu, ein Auszug aus der Flensburger Punktekartei, Kopien von Personalausweis, Führerschein sowie Fahrzeugzulassung und ein Nachweis der Kfz-Versicherung. Nach dem Crashkurs und der Auto-Abnahme setzt sich das Uber-Team nochmal zusammen und entscheidet, wer schließlich den 11-seitigen Uber-Vertrag zur Unterschrift vorgelegt bekommt.

Die zehn teuersten Taxistädte
Platz 10: MelbourneIm australischen Melbourne kostet eine drei Kilometer lange Taxifahrt 6,26 Euro. Damit landet die Metropole auf dem zehnten Platz der Städte mit den teuersten Taxifahrten und liegt unter dem Städte-Durchschnitt von 6,83 Euro. Dies hat die Strategieberatung Simon-Kucher & Partners anhand der Grund- und Kilometerpreise in 18 Städten ohne Berücksichtigung der Wartezeiten ermittelt. Die dabei herausgekommenen Preise für eine Drei-Kilometer-Fahrt hat sie außerdem mit den Kosten für eine Einzelfahrt im öffentlichen Nahverkehr verglichen. In Melbourne kostet eine Taxifahrt etwa zweieinhalb mal so viel, wie eine Fahrt mit Bus und Bahn. Damit gehört Melbourne zu den günstigeren Städten: Im weltweiten Durchschnitt sind Fahrgäste im Taxi drei mal teurerer unterwegs. Quelle: dpa
Platz 9: SydneyTeurer sind Taxifahrgäste in Sydney unterwegs: Hier müssen sie umgerechnet 7,02 Euro zahlen, um drei Kilometer voran zu kommen. Damit übersteigt Australiens größte Stadt den weltweiten Durchschnitt von 6,83 Euro. Taxifahrgäste zahlen hier das 2,63-fache einer Einzelfahrt mit Bus und Bahn. Quelle: REUTERS
Platz 8: FrankfurtDie erste deutsche Stadt im Ranking ist Frankfurt. Fahrgäste, die hier drei Kilometer zurücklegen wollen, zahlen im Taxi 8,05 Euro und damit 3,1 mal mehr als im öffentlichen Nahverkehr. Allerdings geht es in Deutschland auch deutlich teurer, wie die weiteren Platzierungen zeigen. Quelle: dpa
Platz 7: WienMit einem Cent sind Taxifahrgäste in Wien minimal teurer unterwegs als in Frankfurt: 8,06 kostet hier eine Fahrt. Das sind 3,66 mal so viel, wie im öffentlichen Nahverkehr. Damit liegt Wien deutlich über dem weltweiten Durchschnitt vom dreifachen Aufschlag bei Taxifahrten. Quelle: dpa
Platz 6: BerlinEinen deutlichen Sprung gegenüber Wien, legt die deutsche Bundeshauptstadt hin. Drei Kilometer im Taxi kosten in Berlin 8,66 Euro, also das 3,37-fache einer Einzelfahrt mit Bus und Bahn. Eine andere deutsche Stadt ist allerdings noch teurer. Quelle: dpa
Platz 4: Stockholm8,81 Euro müssen Fahrgäste in Stockholm für drei Kilometer im Taxi hinlegen. Auch der öffentliche Nahverkehr ist in Schwedens Hauptstadt verhältnismäßig teuer. Die Kosten machen das 2,36-fache der Bus- und Bahnpreise aus. Da haben andere Städte mit hohen Taxipreise einen deutlich höheren Taxiaufschlag. Quelle: AP
Platz 4: LondonDie typischen schwarzen Taxis im Londoner Stadtbild versprühen einen Flair, den sich Fahrgäste etwas kosten lassen müssen. 8,88 Euro kostet eine drei Kilometer lange Taxifahrt umgerechnet in der britischen Hauptstadt. Günstiger und genau so typisch sind die roten Doppeldecker-Busse. Der Londoner Taxipreis entspricht dem 3,2-fachen Wert einer Fahrt im öffentlichen Nahverkehr. Quelle: dpa

Die Verkehrsprobleme der Welt lösen?

Cornelius und Georg stehen an der Stirnseite des lang gezogenen Büros und bearbeiten die Tastaturen ihrer MacBooks. An der Wand hängt ein mächtiger Bildschirm, auf dem ein gut aussehender blonder Mann in hellbrauner Lederjacke die Vorzüge des amerikanischen Fahrdienstvermittlers preist. Die Verkehrsprobleme in den großen Städten der Welt werde Uber lösen, schwärmt der schlanke Fahrer in dem Video; die Möglichkeiten, die das 2009 gegründete Unternehmen mit einem geschätzten Umsatz von zuletzt gut 200 Millionen US-Dollar böte, seien schier grenzenlos. In dem animierten Filmchen werden aus verstopften Verkehrsadern in Sekunden Straßen mit flüssigem Verkehr. Cornelius versorgt die fünf Münchner Bewerber mit Zahlen: In weltweit mehr als 300 Städten habe Uber inzwischen Autos auf den Straßen. In Deutschland, wo Uber 2013 startete, führen 43 Millionen private Pkw, doch jeder werde im Durchschnitt nur 45 Minuten am Tag bewegt. „Genau da setzen wir mit unserem Konzept an“, beschwört Cornelius die Gruppe. In Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und München haben die Amerikaner mittlerweile Fahrer in Diensten. Wie viele, darüber schweigt sich das Unternehmen allerdings aus.

Der Enthusiasmus bei den fünf Münchner Anwärtern hält sich in Grenzen. Zwei von ihnen haben das Kinn in die Hände gestützt und blicken gelangweilt auf den Bildschirm an der Wand. Ein anderer macht sich über Red Bull und Schokolade her. Der Mann ist vielleicht Anfang 50, trägt eine braune Cordhose und einen abgetragenen dunkelgrünen Pulli. Nach der Einführung wird er die Schulung früher verlassen – der Mann hat ein altes Handy und kein Smartphone und kann deshalb die Uber-App nicht installieren.

Tabus: Beleidigung, sexuelle Belästigung, Fahrt gegen Bargeld

Cornelius erläutert den angehenden Uber-Fahrern die absoluten Tabus des Geschäfts. Hinter ihm auf dem Bildschirm baut sich eine Liste mit Stichpunkten auf. Beleidigung des Fahrgastes steht da, sexuelle Belästigung, auch die Fahrt gegen Bargeld ist verboten. Bezahlen darf der Gast nur über die Uber App, bei der eine Kreditkarte hinterlegt ist. Hinter jedem der Stichpunkte an der Wand befindet sich ein dickes rotes Kreuz. Probleme bekommt ein Fahrer auch, wenn er bei mehr als 50 Bewertungen durch die Fahrgäste im Schnitt nur 4,5 Sterne hat. Fahrgäste können ihrem Fahrer mit Hilfe ihrer App zwischen einem und fünf Sterne geben.

Plakate, Blockaden und ein Stein gegen Taxi-Apps
Unterwegs im Auftrag von Uber? In Madrid umrunden die demonstrierenden Taxifahrer, die gegen die neuartige Konkurrenz protestieren, diese Limousine. Die Polizei eilt heran, um Auto und Fahrer zu schützen. Quelle: AP
Der Stein des Anstoßes: Die Handy-App Uber vermittelt zwischen eigenständigen Fahrern und Fahrgästen. Die Taxifahrer befürchten, dass diese neue, weitgehend unregulierte Konkurrenz ihr Geschäftsmodell zerstört. Quelle: dpa
Drastische Worte: „Sie wollen uns umbringen“, meint dieser spanische Taxifahrer, niedergeschrieben auf einem Sargimitat. In Madrid streikten fast alle Taxifahrer den ganzen Tag. Einige griffen auch zu drastischen Mitteln... Quelle: AP
Während der Demonstration in Madrid ist dieses Auto beschädigt worden – offenbar hielten es einige Krawallmacher für eine privat vermietete Limousine. Quelle: AP
Proteste auch in Italien: Diese Taxifahrer blockierten in Neapel eine Straße, um auf sich aufmerksam zu machen. In einigen italienischen Städten gab es Behinderungen. Quelle: dpa
In Paris verabredeten sich Fahrer zu Schleichfahrten und blockierten den Verkehr. Ein gelbes Band zeigt an, dass das Taxi an den Protesten teilnimmt. Quelle: Reuters
Die Demonstrationen gegen Taxi-Apps hatten in Frankreichs Hauptstadt weitreichende Verkehrsbehinderungen zur Folge. Quelle: dpa

Uber versucht nach Kräften den verbreiteten Eindruck zu zerstreuen, für das Unternehmen führen vor allem zwielichtige Gestalten. Unter Münchner Taxifahrern kursiert beispielsweise das Gerücht, ein Uber-Fahrer habe in seinem Wagen unlängst eine Frau vergewaltigt.

Fabien Nestmann sitzt in einem weitläufigen Büro zwei Stockwerke über dem Schulungsraum. Die Einrichtung ist hauptsächlich in der Farbe der Uber-Logos gehalten: schwarz. Nestmann ist München-Chef bei Uber. „Es stimmt einfach nicht, dass für Uber in erster Linie Leute fahren, die keine Arbeit haben“, behauptet er. Vom Dacia bis zum Audi Q7 sei hierzulande unter den Uber-Fahrzeugen alles dabei. Überhaupt sei ihm bisher unter den Uber-Fahrern nur ein schwarzes Schaf begegnet: ein Mann, der kaum Deutsch sprach, die Stadt nicht kannte und gegenüber den Fahrgästen schnell pampig wurde. Nestmann feuerte den Mann schließlich.

Keine Namen nennen

Auffällig allerdings, dass weder die Schulungsteilnehmer noch mehrere Fahrer, die bereits länger für Uber fahren, gegenüber Medien ihren vollen Namen nennen wollen. Stolz, für den innovativen digitalen Fahrdienstleister aus Amerika zu arbeiten, sieht anders aus. Samuel K. etwa studiert Betriebswirtschaftslehre an der Fernuniversität Hagen. Da bleibt Zeit, sich bei Uber etwas dazuzuverdienen. In einem Podcast-Beitrag hat der Münchner vor fünf Monaten das erste Mal von dem Unternehmen aus den USA gehört und war gleich Feuer und Flamme. Seitdem fährt er in seinem 1er BMW durch München und kutschiert Fahrgäste, oft zwischen Innenstad und Flughafen.

„Anfangs bin ich fast nur tagsüber gefahren“, erzählt Samuel K., „da fährt man dann auch mal zwei Stunden leer durch die Gegend.“ Inzwischen fährt der Münchner meist abends, oft von 19 Uhr bis morgens um vier. „Das läuft richtig gut.“ Sobald man einen Fahrgast abgesetzt habe, meldet sich über die App schon der nächste, erzählt Samuel K. In den Semesterferien ist er zuletzt 40 Stunden in der Woche durch Münchens Straßen kutschiert.

Angst vor den deutschen Behörden ist wohl ein Motiv, warum die meisten Uber-Fahrer gegenüber den Medien anonym bleiben wollen. Denn Uber bewegt sich in Deutschland in einer juristischen Grauzone, manche sagen: in der Illegalität.

Personenbeförderungsschein

Denn wer hierzulande Fahrgäste motorisiert befördern will, braucht einen Personenbeförderungsschein. So schreibt es das Personenbeförderungsgesetz von 1961 vor.   Kaum einer der Uber-Fahrer besitzt das Papier. „Wir sind auch kein Personenbeförderer, sondern ein Fahrdienstvermittler“, argumentiert Nestmann und verweist auf fehlende gesetzliche Regelungen für Anbieter wie seinen. Ein Fahrdienst muss in Deutschland „fernmündlich“ bestellt werden; auch das regelt das 54 Jahre alte Gesetz. „Was heißt denn das im Zeitalter von Apps und Smartphones“, echauffiert sich Nestmann.

Die etablierten Taxiunternehmen wehren sich vehement gegen den Vorstoß der Amerikaner nach Deutschland. Nestmann erinnert das stark an die am Ende verzweifelten Versuche der Deutschen Bahn, die Liberalisierung des Marktes für Fernbusse zu verhindern. Demnächst will ein Frankfurter Gericht über den Fall Uber urteilen. Doch damit dürfte es nicht getan sein. Am Ende ist der Gesetzgeber gefordert. Nestmann und seine Kollegen von Uber Deutschland sind denn auch oft bei Politikern in Berlin und in den Kommunen, um Lobbyarbeit für ihr Unternehmen zu machen.

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Ein bisschen Druck muss trotz der coolen Startup-Atmosphäre sein

Uber will in Deutschland schnell expandieren, und Cornelius und Georg leisten ihren Teil dazu. Im Schnelldurchgang erklären sie den angehenden Fahrern die Benutzung der Uber-App und schärfen ihnen ein: „Wenn ihre eure App online geschaltet habt, erwarten wir, dass ihr die meisten Fahrten, die euch angeboten werden, annehmt.“ Ein bisschen Druck muss trotz der coolen Startup-Atmosphäre sein. Außerdem gibt es noch ein paar Tipps für den Münchner Uber-Nachwuchs. „Stellt euch ein paar Flaschen Mineralwasser ins Auto, fragt die Gäste nach Musikwünschen und der bevorzugten Route“, sagt Cornelius, „aber das ist alles kein Hexenwerk“. En passant wirft er den Interessenten noch zu, dass sie das Geld, das sie mit den Uber-Fahrten verdienen, natürlich versteuern müssen: „Klärt das am besten mit eurem Steuerberater.“

Auch die Besichtigung der Autos bringen Cornelius und Georg zügig hinter sich. Auf der Straße vor dem Uber-Büro laufen sie mit den verbliebenen vier Anwärtern zwischen  deren Autos umher. Einer der künftigen Fahrer, ein hochgewachsener Mann mit blonden Locken und sympathischem Lachen, öffnet den Kofferraum seines VW Tiguan. Eine Kiste mit mehreren Flaschen Putzmittel und ein paar Lappen steht da. Cornelius beugt sich über den Kofferraum. „Das ist jetzt hier nicht super sauber aber okay“, findet er und geht nach vorne. „Der Fußraum könnte mal wieder gesaugt werden“, moniert Cornelius und schaut den Eigentümer an. Den leeren Burger-King-Becher in der Beifahrertür findet der Uber-Mann gar nicht gut.

Für die Außenwäsche, erklärt das Uber-Duo den vier Interessenten, könnten sie in München zwei Shell-Waschanlagen nutzen. „Statt sieben Euro zahlt ihr dort für die einfache Wagenwäsche nur 4,50 Euro, wenn ihr Uber-Fahrer seid.“

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