Tesla-Chef steigt massiv bei Twitter ein Elon Musk greift in ein Wespennest – ganz bewusst

Elon Musk und Twitter: Dass die reichsten Männer der Welt sich in Medienunternehmen einkaufen, hat schon Tradition. Quelle: Getty Images

Reichtum hat er genug. Jetzt hat sich Elon Musk mit seinem Einstieg bei Twitter noch mehr Einfluss gekauft. Warum er sich damit zur Zielscheibe macht. Ein Kommentar.

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Als Elon Musk vor knapp zwei Wochen seine neue Autofabrik in Deutschland einweihte und sich mit Politik-Prominenz wie Bundeskanzler Olaf Scholz ablichten ließ, wurde er als Elektroautopionier und Raumfahrtunternehmer gewürdigt. Dass er zu dem Zeitpunkt auch noch frisch gebackener Medienmogul war, behielt der derzeit reichste Mann der Welt für sich.

Rausgekommen ist es nun durch eine Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Schon am 14. März hat Musk demnach 9,2 Prozent an Twitter erworben, für etwas unter drei Milliarden US-Dollar. Damit ist er nicht nur größter Einzelaktionär, sondern auch noch der größte Anteilseigner.

Zum Vergleich: Twitter-Mitgründer Jack Dorsey hält noch 2,25 Prozent an dem Unternehmen. Rein finanziell hat sich der Einkauf für Musk schon gelohnt. Die Aktie legte bei der Eröffnung am Montag bis zu 25 Prozent zu, was allein für Musk einen Zuwachs von rund einer Milliarde Dollar ausmacht. Der Börsenwert liegt nun bei 39 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr lag er noch 20 Milliarden Dollar höher. Es ist also noch Luft drin. Die große Frage ist, was Musk aus seinem Investment macht. Klar ist nur: Reicher muss er nicht mehr werden. Seine Beteiligung ist als passiv gekennzeichnet, einen Sitz im Verwaltungsrat oder großartige Veränderungen hat Musk bisher nicht gefordert.

Sein Vermögen ist in Tesla und SpaceX konzentriert, sowie in dem von ihm aus der Taufe gehobenen Tunnelbohrer Boring und dem Gehirnprothesen-Start-up Neuralink. Eine der wenigen Ausnahmen für externe Investitionen ist der Zahlungsdienstleister Stripe, derzeit das wertvollste Start-up San Franciscos.

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Dass die reichsten Männer der Welt sich in Medienunternehmen einkaufen, hat allerdings schon Tradition. Warren Buffett legte sich eine ganze Kette an Zeitungsunternehmen zu, aus denen er inzwischen größtenteils wieder ausgestiegen ist. Amazon-Gründer Jeff Bezos hat sich die „Washington Post“ gekauft, als reine Privatinvestition wie er stets betonte. Beide Mogule haben sich jedoch nie ins Mediengeschäft eingemischt.

Buffett war vor allem vom Cash-Flow und dem Grundbesitz der Medienunternehmen angetan. Bezos hat mit seiner Expertise beim Online-Vermarkten die „Washington Post“ gestärkt, aber auf deren publizistische Linie nie Einfluss genommen. Auch wenn Donald Trump, der Bezos zu seinem Lieblingsfeind kürte, das ganz anders sah.

Musk ist hingegen dafür bekannt, sich aktiv einzumischen. Mit Twitter verbindet ihn seit 13 Jahren eine Hassliebe, mit 80 Millionen Followern liegt er unter den Top 10 der Prominenten weltweit. Mehrfach kündigte er an, sich aus dem Dienst zurückzuziehen, nur um wieder zurückzukehren. Denn Twitter ist auch seine wichtigste Verlautbarungsplattform, seit Tesla vor zwei Jahren seine eigene PR-Abteilung eingestellt hat. Dort wirbt er für Kryptowährungen, ereifert sich über Covid-Beschränkungen und macht Scherze. Sein Tweet vom Sommer 2018, in dem er mitteilte, die Finanzierung gesichert zu haben, um Tesla von der Börse zu nehmen, ist in die Geschichte eingegangen. Sie kostete ihm den Verwaltungsratsvorsitz von Twitter, verstärkte seinen Dauerärger mit der Börsenaufsicht SEC und sorgte dafür, dass er nun einen Anwalt an seiner Seite hat – der seine Tweets in Bezug auf Tesla freigeben muss.

Musk ist das Gegenteil von still. Und es deutet sich bereits an, in welche Richtung er mit seinem Twitter-Einstieg will. Vor ein paar Tagen fragte Musk die Twitter-Nutzer, ob der Dienst das Recht auf Redefreiheit beachte. Das Ergebnis der nichtrepräsentativen Umfrage: 70 Prozent denken, das tue Twitter nicht. Was allein schon daran liegt, dass Trump seit dem Umsturzversuch in Washington Auftrittsverbot bei Twitter hat, ebenso wie auf Facebook.

Musk findet das falsch. Und sinnierte darüber, ob er nicht sein eigenes soziales Netzwerk schaffen solle. Aber als erfahrener Internet-Stratege weiß er auch, dass das bewusste Schaffen eines Netzwerks in der Regel nicht funktioniert. Seine Nutzer entscheiden darüber. Deren Gunst sowie Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg grübelt immer noch darüber, wie direkt unter seiner Nase TikTok entstehen und so viel Einfluss gewinnen konnte.

Die Erfahrung macht gerade auch Ex-Präsident Trump mit seinem Netzwerk Truth Social, das nicht richtig vom Fleck kommt. Im Gegensatz zu Trump hat Musk jedoch eine Alternative: Er kann sich sein eigenes Netzwerk kaufen. Oder sich zumindest einkaufen, damit seine Stimme gehört wird.



Das hat er nun getan. Und greift damit ganz bewusst in ein Wespennest. Auch wenn er nur ein Aktionär ist und nicht im Management sitzt: Künftig werden alle Entscheidungen bei Twitter auch mit dem Namen Musk verbunden sein.

Wie sehr so ein Wagnis schmerzen kann, davon kann Mark Zuckerberg ein Lied singen. Die Milliarden-Profite durch Werbung nimmt der Facebook-Schöpfer gern mit. Die Verantwortung für die auf dem sozialen Netzwerk geäußerten Inhalte, inklusive der regelmäßigen Auftritte vor Untersuchungsausschüssen des US-Parlaments, sind ihm hingegen eine Last. In Washington ist man ohnehin der Meinung, dass Hightech-Milliardäre schon viel zu viel Einfluss haben. Elon Musk hat sich nun also auch zur Zielscheibe gemacht. Aber das ist er ja gewohnt.

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