Teures Fast-Food Imbissbuden wandeln sich zu Gourmettempeln

Fettiges Fast-Food, schnell und billig? Immer mehr Imbisse setzen auf einen anderen Trend: Qualität, frische Zutaten und schickes Ambiente. Natürlich ist das entsprechend teurer, aber die Kunden zahlen gern. Warum, das wird bei den Zutaten klar.

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Fast-Food gibt es nicht mehr nur im Straßenimbiss oder bei McDonalds. Der schnelle Happen ist im Restaurant angekommen. Quelle: dpa

Matschige Burger und fettige Currywurst waren gestern. Heute erobern neue, hochglanzpolierte Snackbars die Fast-Food-Kultur und machen McDonalds und Burger King den Markt streitig – mit einem ganz anderen Konzept. Die Burger sind hier mindestens neun bis zehnmal so teuer, die Currywurst wird mit Trüffel und Blattgold serviert. Fast-Food ist salonfähig geworden.

1,10 Euro kostet sie, die gute alte Currywurst. Die Currywurst ist das ursprünglichste an Fast-Food was es gibt, ein einfacher Happen am Imbissstand für zwischendurch. Serviert in Pappkarton und Plastikgabel. Kaufen, essen, weitergehen – ein Happen für Fußballfans, Arbeiter und Schnellesser. Eigentlich.

Mittlerweile sind aber auch andere auf den Geschmack gekommen. In modernen Imbissbars wird Fast-Food im Restaurantstil angeboten. Die Currywurst erlebt eine Renaissance - und wandert vom unteren Preissegment in höhere Klassen zu Beef-Steak oder Meeresfrüchten. Im Berliner High-Class-Hotel Adlon lassen sich die Gäste so eine Luxus-Wurst rund 17 Euro kosten. In anderen Restaurants wie dem Münchener "Cosmogrill" ist der Preis mit knapp sieben Euro zwar nicht ganz so hoch, aber immer noch üppig – und das hat seinen Grund: Das Bratfleisch stammt von von freilaufenden, handmassierten Wagyu Rindern, die Beilagen sind Trüffel oder handgeschnittene Pommes Frites aus Süßkartoffeln. Obenauf wird hauchzartes Blattgoldpuder gestreut, dazu ein Glas Rotwein oder Sekt im exklusiven Ambiente gereicht. So wird die Currywurst zum Luxusdinner und der Imbissbesuch zum Freizeitevent.

Die Neugierde der Kunden

Wie die Currywurst entwickeln sich auch andere klassische Fast-Food-Gerichte zum Luxus-Schmaus. Richard Nicolaus vom Düsseldorfer "Richie N´Rose" erkennt auch beim klassischen Burger die Tendenz von billigen „To-Go-Burgern“ zu hochwertigen Edelprodukten: "Der Trend in der Gesellschaft geht einfach dahin gesünder und mit ruhigerem Gewissen essen zu können. Und die Leute wollen Abwechslung. Hier kaufen sogar die Männer Ladies-Burger - einfach weil sie magerer und weniger fettig sind als die klassischen Beef-Burger", sagt Richard Nicolaus. Allein in Düsseldorf gibt es vier gehobene Burger-Bars die auf die neue Strategie setzen, zwei davon eröffneten erst diesen Sommer. In Berlin sind es an die 50 Nobel-Burger-Schuppen. Das Konzept ist bei allen gleich: Qualität vor Quantität. Die Restaurants setzen auf Bio-Produkte, nachhaltige Herstellung, frische, regionale Erzeugnisse und Transparenz bei Produktion und Transport der Zutaten.

Die verrücktesten Restaurants der Welt
Im Hörnchen oder im Becher? Quelle: Pressebild
Das Restaurant Hospitalis in Riga Quelle: Pressebild
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Gib ihm Zucker Quelle: Pressebild

Das spiegelt sich auch in den Preisen wieder. In der Regel kosten die Edel-Burger acht Euro und mehr – zuzüglich weiterer Beilagen und Getränke. Den Grund dafür sieht der Nahrungsmittel- und Gaststättenverband Dehoga in einer veränderten Kundenhaltung: Nach etlichen Lebensmittelskandalen und Filmen wie „Super Size Me“ ist denen der Appetit auf „Schnell und Billig“ vergangen. Das ist auch im Düsseldorfer Richie N´Rose so. "Natürlich ist es teurer als bei McDonalds, aber dafür bekommen die Leute auch einen Burger, der sich so nennen darf", sagt Richard Nicolaus. Dazu sind die Kunden bereit mehr Geld auszugeben, erwarten dafür aber dementsprechend auch besseres Ambiente, hochwertigere Qualität und größeren Komfort.

Und gerade da erkennen die Edel-Imbiss-Gastronomen ihre Chance. Es gilt, den Kunden altbekanntes wieder schmackhaft zu machen und die kulinarische Neugier aufs Neue anzuregen: Hamburger kennt jeder – aber wer hat schon mal einen Bio-Thunfisch-Filet-Premiumburger mit Avocado und Jalapenjos probiert? Durch ausgefallene Speisekarten, exklusive Saucenkombinationen oder Tischbestellungen per I-Pad wie im Richie´n Rose in Düsseldorf versuchen die Gastlokale ihrem Publikum ständig neue Reize zu bieten - und möglichst das, was die Konkurrenz nicht hat.

Die Hauptstadt der Fast-Food-Delikatessen

Wer am meisten Kasse macht
Platz 20: Metro Group (Konzerngastronomie) Quelle: Presse
Roland Kuffler Quelle: dpa Picture-Alliance/Schellneg
Screenshot Marché Quelle: Screenshot
Deutsche Bahn Quelle: Creative Commons-Lizenz
Joey’s Pizza Service Quelle: Presse
Starbucks Quelle: REUTERS
LeBuffet Restaurant & Café Quelle: Presse

Der Schlüssel zum Erfolg für die Nobel-Gaststätten ist die Zeit, die die Kunden im Lokal verbringen. Dazu muss das Ambiente stimmen, mit einfachen Stehtischen und schnödem Plastikmobiliar ist es nicht mehr getan. Vorbild für dieses Konzept war ursprünglich die amerikanische Kaffeekette „Starbucks“, die Elemente aus dem klassischen „To-Go“ und „Self-Service“ mit hohen Qualitätsansprüchen und ansprechendem Ambiente kombinierte. Dazu zählen gemütliche Sitzgelegenheiten, verlockende Gerüche nach frisch gemahlenen Kaffeebohnen und ein einheitlicher, heller Look in warmen Holztönen. Das Ergebnis: die Kunden kommen, bleiben länger und konsumieren auch mehr.

Längst  haben auch andere Restaurants diese Strategie für sich entdeckt und auf ihre Kundschaft zugeschnitten. Aufgrund der multikulturellen Vielfalt der Essenskultur in den Städten haben zahlungskräftigen Gäste mehr Auswahlmöglichkeiten denn je. Als Folge suchen die Gastronomen ihre eigene Nische, spezialisieren und individualisieren ihr Angebot. „Mit dem innovativen Gastronomiekonzept verspricht „Stier Royal“ ein attraktiver Düsseldorfer Szenetreff zu werden“, hofft auch Peter Kapfer, Partner des neuen Edel-Burger-Lokals auf den Fast-Food-Deluxe-Trend.

Aber gutes Essen allein reicht den Gästen nicht mehr: Diese wollen sich nicht nur wohlfühlen und dinieren – sondern auch unterhalten werden. Deswegen inszenieren Edel-Fast-Food-Tempel die Herstellung des Burgers mittels „Frontcooking“ immer häufiger zur Show. Dabei befinden sich die Köche nicht mehr hinter verschlossenen Türen, sondern bereiten das Essen "live" zu - vom Tomaten schneiden bis zum Buletten-Braten können die Gäste jeden Kochschritt hautnah mitverfolgen. Dadurch erhoffen sich die Gastronomen eine engere Beziehung zu den Gästen und damit eine intensivere Kundenbindung an das Lokal.

New Yorker High-End-Burger

Aber nicht überall ist Kundenbindung das oberste Gebot. Manchmal geht es nur um den einen einzigen verkauften Burger. Fleisch für 350 Euro pro Kilo, Wachteleier, Safrankreationen und diamantene Zahnstocher: In New York werden für Burger Preise bis zu 230 Euro bezahlt, für Nachtischkreationen 975 Euro und Kaviar-Pizzen für 1000 Euro in den Ofen geschoben.

Bei manchen „Fast-Food“-Gerichten macht der Preis aber sogar Sinn: sämtliche Einnahmen des 230-Euro-Burgers kommen der gemeinnützigen Organisation „Bowery Mission“ zu Gute. Die Organisation finanziert damit eine Armenspeisung für Obdachlose. Vielleicht sogar ein paar Hundert Currywürste.

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