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The Players' Tribune Wie Gerard Piqué die Welt der Sportmedien umkrempelt

Spaniens WM-Star Gerard Piqué Quelle: REUTERS

Ein spanischer WM-Star, eine US-Baseball-Legende und ein illustrer Kreis von Silicon-Valley-Investoren hebeln mit „The Players' Tribune“ derzeit die Regeln des Sport-Journalismus aus. Die ersten Erfolge sind beachtlich.

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Neymar, Buffon, James, Lewandowski, Schmeichel – wenn Gerard Piqué Fußballgrößen zum Interview bittet, folgen die bekanntesten Köpfe des Bälle-Business seinem Ruf. Tatsächlich gehen sie lieber zu ihm als sich von kritischen Sportjournalisten befragen zu lassen. Das liegt schlicht an zwei Dingen: seinem Status und seiner Ehefrau. Denn Piqué ist weder Reporter noch Journalist. Ihn betrachten die Weltstars als den, der er ist: einer von ihnen.

Piqué kickte bis zum verlorenen Elfmeterschießen gegen den Gastgeber mit der spanischen Nationalelf bei der WM in Russland. Im Brotberuf ist er Abwehrchef beim FC Barcelona. Dazu kommt, dass er spätestens seit seiner Ehe mit Popstar Shakira nicht nur in die Kategorie „verdienter Sportler“ fällt, sondern auch in die Schublade „Promi“. Das reizt die Kollegen und verschafft ihm in den Kreisen der Kicker-Millionäre zusätzlich Anerkennung.

Beides nutzt der clevere Piqué, um schon während seiner aktiven Laufbahn die Karriere nach dem aktiven Sport anzuschieben. Während deutsche Kicker Döner-Läden und Eisdielen betreiben wie Lukas Podolski oder in Sixtus-Fußsalbe und die Reformhausmarke Schneekoppe investieren wie Philipp Lahm, arbeitet ihr spanischer Kollege mit daran, die Welt der Sportmedien umzukrempeln.

Derek Jeter von „The Players' Tribune“ Quelle: AP

Dazu hat sich Piqué vor kurzem mit einer Legende des US-Sports, dem einstigen Baseball-Superstar Derek Jeter, zusammengetan. Der frühere Profi der New York Yankees betreibt mit inzwischen gut 100 Mitarbeitern in Manhattan die Sport-Digital-Plattform „The Players' Tribune“ – kurz TPT. Die von prominenten Silicon-Valley-Investoren unterstützte Seite ist eine Kreuzung aus Online-Poesiealbum, in dem bis heute an die 2000 bekannte Fußballer, Basketballer, Baseballspieler ihre persönliche Geschichten erzählen, und Marketingvehikel.

Die Webseite, die im Monat mehr als drei Millionen Leser anlockt, wird bereits von zahlreichen hochkarätigen Werbekunden von Procter & Gamble, über Adidas, die Bank of America, Budweiser und Samsung bis New Balance genutzt, die bis zu siebenstellige Summen in einen Auftritt stecken. Läuft das Geschäft in den USA bereits, soll Fußball-Profi Piqué es nun auch in Europa ankurbeln. In Barcelona und London hat TPT bereits Büros eröffnet und sucht nach Mitarbeitern, im Vorfeld der WM interviewte Piqué selbst die versammelten Kollegen.

Genau das war die Idee hinter dem Online-Medium, als Jeter es 2014 direkt nach dem Ende seiner Baseball-Karriere aus der Taufe hob: Profi-Sportlern eine Plattform bieten, auf der sie ungestört von kritischen Nachfragen ihre Sicht der Dinge schildern können. Dass ausgerechnet Jeter solch eine Seite startete, überraschte vor vier Jahren viele Beobachter. Als Spieler galt er als eher maulfaul; wenn Jeter doch einmal mit Journalisten sprach, gab er möglichst wenig von sich preis. Doch als Jeter TPT startete, lieferte er eine neue Interpretation seines Verhaltens: „Die Leute sagen, ich hätte immer dieselben Antworten gegeben – tatsächlich bekam ich immer dieselben Fragen gestellt.“

Diese Erfahrung habe ihn schließlich auf die Idee TPT gebracht, um „einen Platz für Sportler zu schaffen, um ihre Interessen und Überzeugungen auch außerhalb des Sportplatzes mitzuteilen.“

Was zunächst wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einen verdienten Ex-Profi klang, hat inzwischen in drei Finanzierungsrunden ein halbes Dutzend hochkarätige Investoren überzeugt. Insgesamt 58 Millionen Dollar konnte Jeter inzwischen einsammeln, unter anderem bei Google Ventures, dem Investmentarm des Suchmaschinen-Konzerns, aber auch bei Häusern wie IVP, dem Investor unter anderem bei Netflix, Snap, und Twitter, sowie NEA (unter anderem Buzzfeed, Groupon, Tivo).

Aber auch bei befreundeten Sportlern wie dem Basketballstar Kobe Bryant landete Jeter mit seiner Idee. Bryant beteiligte sich über seine Firma Bryant Stibel Investments an dem Start-up. Und puschte die Mini-Firma gleichzeitig kräftig: Als er, der 20 Jahre lang für die Los Angeles Lakers spielte, 2016 seinen Rücktritt bekannt gab, ging Bryant nicht etwa in einer Zeitung oder bei einem der zahlreichen Sport-Sender an die Öffentlichkeit. Stattdessen schrieb er einen Beitrag für TPT. Als sich die Neuigkeit von Bryants Abschied verbreitete, brach der Server des kleinen Unternehmens unter dem Ansturm der Fans zusammen. Das sorgte dafür, dass die Bekanntheit der Tribune stieg. In der Folge erkannten auch weitere Profis, dass sie TPT praktisch wie ihre Hauszeitung nutzen konnten, um einen direkten Draht zu ihren Anhängern herzustellen – ohne lästige Umwege über mitunter kritische Presse.

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