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Thor übernimmt Hymer US-Wohnmobilbauer schluckt Hymer für 2 Milliarden Euro

Der deutsche Wohnmobilhersteller Hymer wird bald von Thor übernommen Quelle: imago images

Der US-Wohnmobilhersteller Thor übernimmt für 2,1 Milliarden Euro die deutsche Erwin Hymer Group. Hymer erhofft sich einen schnelleren Ausbau seiner Aktivitäten in Nordamerika.

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Der schwäbische Wohnmobil-Hersteller Hymer wird komplett an den US-Rivalen Thor Industries verkauft. Die Amerikaner zahlen rund 2,1 Milliarden Euro für die Erwin Hymer Group (EHG), wie Thor am Dienstag mitteilte. Davon bekommt die Eigentümerfamilie knapp 200 Millionen Euro in Form von Thor-Aktien.

Zu dem Konzern aus Bad Waldsee in Baden-Württemberg gehören neben Bürstner und Dethleffs noch 23 weitere Marken. „Wir schaffen einen weltweiten Marktführer“, sagte Thor-Vorstandschef Robert Martin der Nachrichtenagentur Reuters. „Hymer ist eine Gelegenheit, wie man sie einmal im Leben bekommt. Das ist der stärkste Hersteller in ganz Europa.“ Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Hymer-Chef Martin Brandt geht aber davon aus, dass das bis Ende des Jahres erfolgen wird.

Thor werde die Tradition von Hymer wahren, sagte Martin. Die Familie hatte eigentlich nur einen Minderheitsaktionär gesucht, um die Expansion in die USA zu finanzieren, sich aber später mit einem Verkauf der Mehrheit abgefunden. Ein geplanter Börsengang wurde verworfen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Freitag berichtet, dass sich Thor im Ringen um Hymer gegen den Finanzinvestor Centerbridge durchgesetzt hat.

Die Neuheiten auf dem Caravan Salon
Da sage noch mal einer, die Caravaning-Branche sei nicht innovativ. Die zur Erwin-Hymer-Gruppe gehörende Traditionsmarke Dethleffs, die sich selbst als „Erfinder des Caravans“ bezeichnet, zeigt auf dem 57. Caravan-Salon in Düsseldorf (bis 2. September) ihren neuen Loft-Caravan Coco als revolutionäre e-Home-Studie: Das ist der erste Wohnanhänger mit eigenem Antrieb. Denn wie soll ein Elektroauto einen schweren Caravan ziehen, ohne dass ihm in Rekordzeit der Saft ausgeht? Die Antwort auf diese Frage gibt Dethleffs mit dem Coco, der selbst elektrisch angetrieben wird. Foto: Dethleffs
Der e-Coco ist mit Hochleistungsbatterien, zwei Elektromotoren an der Radnabe und einer elektronischen Steuereinheit ausgestattet. Das gemeinsam mit dem Antriebs- und Fahrwerks-Spezialisten ZF Friedrichshafen entwickelte, intelligente System unterstützt durch seinen eigenen Antrieb das Zugfahrzeug. Durch dieses „Mitfahren“ könnten beispielsweise schwere Wohnanhänger auch von kleineren Autos gezogen werden, oder mit dem Blick in die Zukunft auch Gespanne mit Elektro-Pkws noch praxisgerechte Reise-Reichweiten erreichen. Foto: Dethleffs
Dethleffs Wohnwagen Innovation Coco Quelle: Dethleffs Gmbh & Co.KG
Der Allgäuer Hersteller Dethleffs, Pionier des Caravan-Baus, hat den im Vorjahr noch als Studie gezeigten „Coco“ in nur einem Jahr in die Serie umgesetzt. Quelle: Dethleffs Gmbh & Co.KG
Dethleffs Coco Lounge Quelle: Dethleffs Gmbh & Co.KG
Dethleffs führt die neue Pulse-Baureihe (ab 66.000 Euro) mit „mehr Wohlfühlambiente“ ein
Nicht ganz so extrem, aber ebenfalls ungewöhnlich präsentiert sich der neue Adria Adora 673 PK. Die Slowenen, die im vergangenen Jahr von der Trigano-Gruppe übernommen wurden und den französischen Konzern damit noch vor der Erwin-Hymer-Gruppe zur neuen Nummer eins in Europa gemacht haben, wenden sich dabei gezielt an Familien, die mit ihren Teenager-Kindern in Urlaub fahren. Denn: Dieser Caravan hat zwei Türen und zwei getrennte Eingänge zum vorderen und hinteren Bereich des 6,75 Meter langen Aufbaus. Bild: Adria

Aus Thor und Hymer entstehe der weltgrößte Hersteller von Freizeitfahrzeugen, erklärte der neue Eigentümer. Die Amerikaner schaffen mit der Übernahme den Sprung nach Europa. Hymer-Chef Brandt, der im Amt bleiben soll, erhofft sich von Thor Unterstützung bei dem Plan, stärker auf dem nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen. „Mit Thor bekommen wir einen Eigentümer, der unsere Branche aus dem Effeff kennt“, sagte Brandt.
Thor-Chef Martin schloss im Gespräch mit Reuters Stellenstreichungen oder die Schließung von Werken aus. Synergien ließen sich etwa im Einkauf von Teilen erreichen. „Wir suchen nach Wegen, das Geschäft auszubauen und dafür zu sorgen, dass die Belegschaft zufrieden bleibt“, sagte er.

Hymer rechnete für das Geschäftsjahr 2017/18 (Ende August) mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) sollte 250 Millionen Euro erreichen und im laufenden Geschäftsjahr auf rund 300 Millionen steigen. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 6000 Mitarbeiter. Der Markt für Wohnwagen und Caravans wächst derzeit in Europa stark.

Zusammen stehen Thor und die Hymer-Gruppe künftig für 42 Campingwagen- und Wohnmobilmarken mit zusammen mehr als 25.000 Mitarbeitern. Beide Gruppen machen gemeinsam fast zehn Milliarden US-Dollar (gut 8,5 Milliarden Euro) Umsatz. Zum US-Unternehmen Thor gehört unter anderem die Marke Airstream.

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