Ticketverkauf Kartellamt ermittelt gegen Deutsche Bahn

Die Wettbewerbshüter fordern neue Regeln für den Vertrieb von Fahrkarten. Selbst das Logo der Deutschen Bahn benachteiligt Konkurrenten des Staatskonzerns.

Die spektakulärsten Kartellfälle
Verdacht verbotener Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln Quelle: dpa
Jemand fährt Fahrrad auf einem gepflasterten Weg Quelle: dpa/dpaweb
Magna Quelle: AP
Anna Kurnikova Quelle: dpa
U-Bahn Quelle: AP
Schriftzug von Villeroy und Boch Quelle: dpa
Bratwürste Quelle: dpa
Logo von Thyssen-Krupp Quelle: dpa
Firmengelände von Dow Chemical Quelle: AP
Jemand hält eine Kartoffel Quelle: dpa
Fahne von Eni Quelle: AP
Hersteller von Kugellagern für die Autoindustrie stehen unter dem Verdacht illegale Preisabsprachen getroffen zu haben Quelle: AP
Jemand kratzt Eis von einer Scheibe Quelle: dpa
Logo von Intel Quelle: dapd
Kaffeetasse Quelle: dpa
Gasflammen Quelle: dpa/dpaweb
Rolltreppen Quelle: ZB
Gemüse Quelle: AP
Leute stoßen mit Bier an Quelle: dpa
Zementsäcke von HeidelbergCement Quelle: dpa/dpaweb

Die Deutsche Bahn bekommt Ärger mit dem Bundeskartellamt. Die Behörde mit Sitz in Bonn hat gegen die Deutsche Bahn ein Verfahren wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung beim Vertrieb von Fahrkarten für den Schienenpersonenverkehr eingeleitet. „Wettbewerber beklagen, dass sie allenfalls einen eingeschränkten Zugang zu den Vertriebskanälen der Deutschen Bahn haben“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Wir werden der Frage nachgehen, warum Wettbewerber der Deutschen Bahn ihre Fahrkarten nicht an den Bahnhöfen verkaufen können.“

Das Vorgehen des Kartellamts kommt nicht überraschend. Der Vertrieb von Fahrkarten steht seit Jahren in der Kritik. Der Konzern betreibt in den großen Bahnhöfen Deutschlands Reisezentren, in denen er Tickets für den Nah- und Fernverkehr verkauft. Während die Deutsche Bahn sämtliche Nahverkehrstickets verkaufen muss, ist sie dazu im Fernverkehr nicht verpflichtet. Tickets für den Thalys, der die Städte Essen, Düsseldorf und Köln mit Brüssel und Paris verbindet, können so zum Beispiel nicht in den Reisezentren erworben werden. Auch Tickets des Wettbewerbers Hamburg-Köln-Express (HKX) sucht man dort vergebens.

Die Konkurrenten der DB sind daher gezwungen, eigene Vertriebskanäle aufzubauen. Thalys leistet sich neben dem Internetverkauf beispielsweise ein Büro außerhalb des Kölner Bahnhofs. Dort können Reisende Tickets kaufen und die Thalys-Lounge nutzen. Der HKX verzichtet auf einen eigenen Schalter und fokussiert den Vertrieb aufs Internet. Zwar wäre HKX berechtigt, einen Fahrkartenautomaten im Bahnhof aufzustellen. Doch die Einnahmen über den Ticketverkauf würden die Wartungs- und Mietkosten kaum decken. Für junge Bahnkonkurrenten, die gegen den Platzhirschen DB Fernverkehr anfahren, ist der Vertrieb daher ein großer Wettbewerbsnachteil. HKX fordert seit langem, Tickets auch in den Reisezentren der Deutschen Bahn mit angemessener Provision verkaufen zu können. Die Deutsche Bahn weigert sich. Das Vorgehen des Staatskonzerns ist aus unternehmerischer Sicht zwar nachvollziehbar, aus Wettbewerbssicht sollte es die Politik allerdings zum Handeln auffordern. Eine Lösung könnte das britische Modell sein. In Großbritannien müssen in zentralen Verkaufsbüros an Bahnhöfen sämtliche Tickets angeboten werden.

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