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Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port droht zum Flopp zu werden

Nach dem Flughafen Berlin droht nun auch der Tiefwasserhafen Wilhelmshaven – eines der großen deutschen Infrastrukturvorhaben – zur Blamage zu werden.

Baufahrzeuge schließen die Asphaltdecke auf einem weiteren Kajenabschnitt des JadeWeserPort Quelle: dpa

Auf den Tag genau, nach zwei Monaten Fahrtzeit, erreichte die Zhen Hua 24 aus China Wilhelmshaven. Alles sprach dafür, dass der Spezialfrachter die vier je 1750 Tonnen schweren Containerbrücken an Deck so schnell wie möglich abladen würde. Und je eher die 80 Meter hohen Stahlkolosse stünden, desto früher würden sie ihren Dienst aufnehmen und Containerschiffe entladen können.

Doch der Eindruck täuschte. Kurz vor der Hafeneinfahrt verweigerte die Versicherung des Hafens die Haftung für das Unterfangen – wegen zahlreicher Baumängel und brüchigen Fundaments der Kaimauer. Nur ein Machtwort von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode verhinderte, dass Zhen Hua 24 wieder abdrehte. Die landeseigene Hafengesellschaft, verfügte der Freidemokrat, werde für mögliche Schäden des riskanten Manövers aufkommen. Seitdem werden die gigantischen Kräne, die größten der Welt, behutsam aufgebaut.

Die größten Logistikkonzerne der Welt
Platz 10: China Railway (China) Der Güterverkehr von China Railway macht über zwei Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens aus. Hauptsächlich transportiert der Staatsbetrieb Kohle, Stahl, Erz und landwirtschaftliche Erzeugnisse. 2010 betrug der Logistik-Umsatz nach Angaben des Statistik-Portals Statista 14 Mrd. Euro. Daten für das Jahr 2011 sind noch nicht verfügbar.
Platz 9: CMA CGM (Frankreich) Auf Platz 9 des Rankings landet das größte französische Schifffahrtsunternehmen CMA CGM mit einem Logistik-Umsatz von 14,3 Mrd. Euro im Jahr 2010. Die Reederei wurde 1978 gegründet und ist an mehr als 650 Standorten in 150 Ländern vertreten. Auf dem Foto ist eines der größten Containerschiffe der Welt zu sehen, die CMA CGM Christoph Colomb, die bis zu 13.800 Standardcontainer transportieren kann. Quelle: dpa
Platz 8: Nippon Express (Japan) Der Konzern mit Sitz in Tokio wurde 1937 als halbstaatliches Transportunternehmen gegründet. Nippon Express verfügt über ein global gespanntes Transportnetz, dass mehr als 389 Orte in 37 Ländern miteinander verbindet. Spezialisiert ist das Unternehmen auf Dienstleistungen rund um den Transport von Waren, wie etwa IT-Technik, den Luft- und Seegüterverkehr sowie auf Spezialtransporte. 2010 betrug der Umsatz 15 Mrd. Euro.
Platz 7: Kühne + Nagel (Schweiz) 2010 war ein gutes Jahr für den Logistikdienstleister Kühne & Nagel aus der Schweiz. Der Frachtspezialist steigerte seinen Logistik-Umsatz auf 16,2 Mrd. Euro. Der Konzern will weiter wachsen: Kühne + Nagel plant das Transportgeschäft auf der Schiene auszubauen.
Platz 6: NYK Line (Japan) Die japanische NYK Line ist Teil des Mitsubishi-Konzerns und zählt zu den größten Reedereien der Welt. Seit 1968 ist das Unternehmen auch im Bereich der Containerschifffahrt etabliert - die einen Großteil des Gesamtgeschäfts ausmacht. Die Reederei betreibt auch den sogenannten Atlantic Express Shuttle (AES), das Waren zwischen Hamburg, Antwerpen und New York Waren verschiebt. 2010 erwirtschaftete der Konzern einen Logistik-Umsatz von 16,5 Mrd. Euro.
Platz 5: DB Schenker (Deutschland) Die Logistikgeschäfte der Deutschen Bahn, DB Schenker Logistics und DB Schenker Rail, sind unter dem Dach DB Schenker zusammengefasst. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 91.000 Mitarbeiter an etwa 130 Standorten. 2010 erwirtschaftete die DB Schenker einen Logistikumsatz von 18,5 Mrd. Euro.
Platz 4: Maersk (Dänemark) Das Jahr 2010 hatte nicht gut begonnen für A.P. Moeller Maersk. Vor allem durch die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Tochtergesellschaft Maersk, der größten Containerschiffsreederei der Welt, schrieb der dänische Mischkonzern erstmals in der Unternehmensgeschichte rote Zahlen. Doch dann zog die Konjunktur an und die Frachtraten für Containerschiffe legten kräftig zu. Das Ergebnis: 2010 lag der Logistik-Umsatz von Maersk bei 29, 1 Mrd. Euro - und das Unternehmen konnte einen Rekordgewinn, einen Nettoertrag von 3,8 Mrd. Euro, vermelden.

Eröffnung Ende September

Die eintägige Verzögerung Mitte Mai wäre kaum der Rede wert, wäre sie nicht symptomatisch für den Jade-Weser-Port (JWP) in Wilhelmshaven, mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro eines der großen deutschen Infrastrukturvorhaben nach dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und dem Flughafen Berlin-Brandenburg.

Mehr als 220 Risse haben sich inzwischen in die 1000 Meter lange neue Kaimauer gefressen, die einmal die größten Schiffe der Welt aufnehmen und der einzige Tiefwasserhafen Deutschlands werden soll. Statt demnächst riesige Containerschiffe zu empfangen und tonnenschwere Güter überall hin zu verfrachten, droht der deutschen Waterkant ein ähnlicher Flopp wie in der Bundeshauptstadt.

Umschlag und Kapazität der wichtigsten Nordseehäfen Quelle: Hafen Hamburg

Der Starttermin Anfang August ist bereits Makulatur. Vergangene Woche kündigte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) nach einem Krisentreffen mit allen Beteiligten an, der Hafen eröffne erst Ende September. Vorausgesetzt, die Unternehmensgruppe Bunte aus Papenburg, die für den Bau verantwortlich ist, übergibt bis August eine einwandfreie Kaimauer. Denn nur so sind die Planungen des Terminalbetreibers Eurogate zu halten, der mit einer Anlieferung der Containerbrücken schon im März gerechnet hatte und diese von Mitte Mai an testen wollte. „Für den Probebetrieb brauchen wir drei Monate“, heißt es bei Eurogate. Selbst der September-Termin wackelt daher gehörig.

Reedereien meiden den Hafen

Ob der Hafen danach durchstarten kann, ist aber weiterhin fraglich: „Reedereien schlagen aktuell noch einen Bogen um den Jade-Weser-Port“, sagt Jan Ninnemann, Professor für maritime Logistik an der HSBA Hamburg School of Business Administration. Ein Blick auf die Fahrpläne lasse keinen Rückschluss auf einen möglichen Anlauf von Wilhelmshaven zu. Die Reedereien hätten längst Speditionen als Kunden anwerben müssen: „Doch an der Vertriebsfront herrscht Stille.“

So gibt es bei den zwei großen deutschen Containerlinien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd derzeit „keine Pläne“ für einen Anlauf in Wilhelmshaven, heißt es offiziell aus den Unternehmenszentralen in Hamburg. Und auch die Schweizerische Reederei MSC, die weltweite Nummer zwei, hat laut Insidern keine Pläne, Wilhelmshaven in ihr Streckennetz aufzunehmen.

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