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Tote Hosen Punk und Profit in Tagen wie diesen

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Ausgeschlafene Unternehmer

Die Bandmitglieder der Toten Hosen Andreas von Holst, Campino, Michael Breitkopf und Andreas Meurer Quelle: dpa

„Wenn man von einer Band lernen kann, wie man sich am besten selbst vermarktet, um unabhängig von Plattenfirmen, Medien und Konzertagenturen agieren zu können, dann von den Toten Hosen“, schreibt der renommierte Musikexperte Hollow Skai in seinem Buch „Die Toten Hosen“.

So unkonventionell die ruppigen Rheinländer nach außen wirken, hinter den Kulissen sind Andreas Frege (alias Campino), Andreas von Holst (Kuddel), Andreas Meurer (Andi), Michael Breitkopf (Breiti) und Stephen Ritchie (Vom) ausgeschlafene Musikunternehmer.

Vielgliedrigen Gewinnmaschine

Wirtschaftlicher Kopf der lautstarken Veranstaltung ist Jochen Hülder, der Manager der Band. Der 54-Jährige gründete für die Kultpunker in der Vergangenheit fast ein Dutzend Firmen und, beschäftigte insgesamt bis zu ca. 50 Mitarbeiter. Derzeit sind fünf Firmen aktiv, die Mitarbeiterzahl hat sich deutlich verringert. Sie setzen im Jahr bis zu 15 Millionen Euro um. Die vor Selbstironie triefenden Unternehmensnamen haben nichts mit dem hartem Geschäft gemein, repräsentieren aber die zentralen Zahnräder der vielgliedrigen Gewinnmaschine.

Das Unternehmensreich der Toten Hosen Quelle: Creditreform, Hoppenstedt

Die CDs der Band werden zum Beispiel komplett von JKP hergestellt: von der Studioaufnahme über die Pressung bis zur verkaufsfördernden Promotion und PR. Die drei Buchstaben stehen für „Jochens Kleine Plattenfirma“. Die Firma mit dem Emblem der Band, dem Totenkopf, sitzt im Düsseldorfer Medienhafen und gehört laut Creditreform zu gleichen Teilen der Band und deren Manager Hülder.

Für die Devotionalien der Toten Hosen dagegen zeichnet eine Kauf Mich GmbH im bayrischen Trostberg verantwortlich. Auch hier herrschen ähnliche Beteiligungsverhältnisse. Einzige Ausnahme: Geschäftsführer Wolfgang Huber, ein Altpunker aus dem Freistaat, kommt als gleichrangiger Gesellschafter hinzu.

Die Lizenz- und Verlagsrechte wiederum sind in verschiedenen rechtlich eigenständigen Musikverlagen gebündelt, darunter PKM, die Abkürzung steht für „Patricks Kleiner Musikverlag“. Patrick Orth, Geschäftsführer des Plattenlabels JKP, stand bei der Namensgebung Pate. Zwar gingen im März dieses Jahres die Rechte fast aller Songs der Band, die seit 1996 erschienen sind, an die Bertelsmann-Tochter BMG. Doch die Werke aus den besonders erfolgreichen Anfangsjahren bleiben in den Händen der Düsseldorfer.

Die Konzerte der Toten Hosen organisiert KKT, ausgeschrieben: Kikis Kleiner Tourneeservice, mit Sitz in Berlin. Von hier aus lenkt Kiki Ressler, ein alter Freund der Band, das Veranstaltungsgeschäft, ist aber nicht an dem Unternehmen beteiligt.

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