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TourismusSorry Tui, aber ihr werdet nie das neue Booking.com!

Selbst im Rekordjahr 2023 verdient Tui kaum Geld. Und ruft deshalb ein neues Ziel aus: Der Reiseveranstalter soll zur globalen Digital-Plattform werden. Das wird extrem schwer. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Rüdiger Kiani-Kreß 06.12.2023 - 13:34 Uhr

Tui

Foto: imago images

Für die Präsentation der Jahresbilanz hat sich Tui-Chef Sebastian Ebel ein Outfit angezogen, das zugleich ein Statement ist. Statt in typischer CEO-Uniform (dunkles Sakko, weißes Hemd), kommt er im Hoodie mit Tui-Logo. Die startupige Verkleidung soll zum neuen Ziel passen, dass Ebel ein paar Minuten später ausruft:

Europas Urlaubsmacher Nummer eins will zur hochprofitablen Vermittlungsplattform werden wie das Hotelportal Booking.com oder gar Amazon. Das Lächel-Logo der Hannoveraner sieht Ebel bereits als neue Weltmarke für Fernweh.

Ganz schön viel Selbstbewusstsein ist das angesichts der tristen Gegenwart: Obwohl Tui das Geschäftsjahr 2023 am 30. September mit Rekordumsatz beendete, blieben nur karge zwei Prozent vom Umsatz als Gewinn. Auch wenn man Ebels Entschuldigung von den hohen Zinsen herausrechnet, werden es keine fünf Prozent.

Umso ambitionierter wirkt da Ebels Blick nach vorn: Sicher, beim Urlaubserlebnisse genannten Geschäft um Hotels und Kreuzfahrten schafft Tui mit einem Drittel operativer Marge bereits eine Plattformrendite. Doch der Bereich liefert nur elf Prozent des Umsatzes. Fast 90 Prozent bringt das Veranstaltergeschäft. Und das hat auch im Rekordjahr nur ein Prozent Marge.

Zugleich sind die Aussichten höchst unsicher, wie Ebel zugibt. Um mehr Hotels und Schiffe an sich zu binden, muss er Investoren überzeugen, dass Tui aus deren Assets mehr macht als etwa Marriott Hotels oder Carnival Cruises. Derzeit sehen die das jedoch überwiegend umgekehrt: Der Börsenwert der Spezialisten ist jeweils rund doppelt so groß wie der Umsatz. Bei Tui ist es auch nach dem gewaltigen Kursanstieg heute nur ein Sechstel.

Beim Digitalisieren des Veranstaltergeschäfts ist Tui spät dran. Bei Trends wie dem „Dynamic Packaging“ genannten spontanen Kombinieren von Reiseteilen zum Tagespreis ist Tui Nachzügler. Hier führen IT-getriebene Anbieter wie Booking oder die KI-getriebenen Urlaubsprogramme von Fluglinien wie Easyjet oder Eurowings. Weltweit müsste sich Tui sogar gegen eine ganze Liste von digitalen Vorreitern durchsetzen, die alle ebenfalls komplette Urlaube vermitteln wollen wie Expedia, Marriott, Hilton oder auch Trip.com aus China. Zur Einordnung: Diesen Versuch haben sogar die Giganten Google oder Amazon rasch wieder aufgegeben.

Darum ist es Zeit für ein bisschen mehr Realismus: Tui wird mit seinem Umbau am Ende zwar wachsen und auch wieder solides Geld verdienen. Nur eine echte Plattform wird der Konzern wohl nie.

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