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Touristikkonzern Friedrich Joussens Radikalkur für TUI

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Flotte: Flexibilität und hohe Kosten

Die schönsten Sonnen-Reiseziele im Winter
SüdafrikaDas Gastgeberland der Fußball-WM 2010 hat seine Aufgabe anscheinend mit Bravour bestanden: 83 Prozent der damaligen WM-Besucher gaben laut FIFA Marketing Research nach ihrer Reise an, Südafrika wieder besuchen zu wollen. Vergangenes Jahr nahm das Land 9,6 Milliarden Euro durch Touristen ein. Südafrika bietet seinen Besuchern eine atemberaubende Natur und Metropolen, wie Kapstadt und Johannesburg. Generell ins südliche Afrika führten laut ADAC-Reisemonitor vergangenes Jahr 1,1 Prozent der deutschen Fernreisen. Quelle: gms
MexikoAzteken-Tempel und Strandparadiese, wie Cancun, zogen 2011 rund 23,4 Millionen Touristen an. Der World Tourism Organisation nach ist Mexiko somit das zehntbeliebteste Reiseziel der Welt. Von deutschen Fernreisenden führte es 0,2 Prozent nach Mexiko. Quelle: REUTERS
SeychellenDie Seychellen im Indischen Ozean leben vom Fremdenverkehr. 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind hier beschäftigt und erwirtschaften 70 Prozent des Volkseinkommens. Investoren setzten in den vergangenen Jahren vor allem auf den Fünfsternebereich, wo Hotels neu- oder ausgebaut worden sind. Quelle: dpa
AustralienNatur-Highlights, wie das Great Barrier Reef und der Ayers Rock, sowie Millionenmetropolen, wie Sydney und Melbourne, locken jährlich zahlreiche Touristen nach Australien. Bei den deutschen Fernreisenden waren es laut ADAC Reise-Monitor vergangenes Jahr 0,2 Prozent (gemeinsam mit Neuseeland und der Südsee). Damit landet Australien auf Platz elf der beliebtesten Fernreiseziele der Deutschen 2011.   Quelle: gms
Karibische InselnDie Bahamas und die Antillen – allein die Namen klingen traumhaft. An den Stränden von Kuba bis Jamaika ließen es sich 2011 rund 0,8 Prozent der deutschen Fernreisenden gut gehen. Quelle: dpa
MalaysiaDer Staat im südchinesischen Meer lockte laut der World Tourism Organisation vergangenes Jahr 24,9 Millionen Besucher an. Damit war Malaysia das weltweit neuntbeliebteste Reiseland. Davor liegt Deutschland mit 28,4 Millionen Besuchern. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören außer Stränden und Tempeln die Petronas Towers in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Mit ihrer Höhe von 452 Metern hatten sie zweitweise den Status der höchsten Bürogebäude der Welt inne. Quelle: REUTERS
MauritiusDer Tourismus ist Hauptfaktor des mauritischen Wachstums. Rund 965.000 Touristen besuchten 2011 den Inselstaat im Indischen Ozean. Im Vorjahr waren es 935.000. Deutschland lag mit 5,65 Prozent der ausländischen Touristen an sechster Stelle. Das Land besticht vor allem durch seine Badestrände. Quelle: AP

Die 140 Flieger von TUI Fly schweben einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Flotte sichert der Konzerntochter TUI Travel zwar Flexibilität, weil der Flugplan an die Veranstalter-Bedürfnisse angepasst wird. Doch sie verursacht hohe Kosten. Selbst in Spitzenzeiten, wo Fluggesellschaften wie Air Berlin und Easyjet ihre Tickets zu Höchstpreisen verkaufen, fliegt die hauseigene Airline teilweise teurer als die zugekauften Tickets. Ohnehin stelle sich für einen Reiseveranstalter die Frage nach dem Sinn eigener Maschinen: Flüge würden das Urlaubsempfinden der Reisenden kaum beeinflussen. Ausschlaggebend seien hingegen Qualität und Atmosphäre der Hotels. Eine Reduzierung scheint realistisch.

Joussen ist Markenfetischist, doch das TUI-Portfolio aus 200 unterschiedlichen Marken ist ihm zu unübersichtlich. Auf den Fluren der Konzernzentrale stellt er die Frage, ob Kunden eigentlich wüssten, was sich hinter Berge & Meer, First Choice oder Sensimar verberge? Ungläubig äußert er sich über die Farbwahl der rot-gelben TUI-Fly-Flieger, obwohl die TUI-Hausfarbe rot auf blau ist. Joussen wird die Marken daher straffen und bündeln. Vorstellbar ist etwa, dass er Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und TUI Cruises zusammenlegt. Erfolgreiche Marken wie die Robinson Clubs dagegen tastet er wohl nicht an.

In seinen ersten vier Monaten hat sich Joussen vor allem den Heimatmarkt der TUI in Deutschland angeschaut. Die Umsatzrendite der Landesgesellschaft ist mit zwei Prozent vergleichsweise niedrig. Der Marktanteil sank von 23 Prozent 2007 auf heute 18 Prozent. Grund sind Mittelständler wie Alltours, FTI und Schauinsland, die günstiger sind, aber ähnliche Qualität bieten.

Mit TUI-Deutschland-Chef Christian Clemens trifft sich Joussen daher regelmäßig. Der Schwede, der seit einem Jahr das deutschsprachige TUI-Reisegeschäft steuert, soll an die Leistungen der Töchter in Großbritannien (sechs Prozent Rendite) und Skandinavien (neun Prozent) herankommen.

Die Treffen mit Clemens entlarven das eigentliche Dilemma der TUI: Clemens berichtet nicht an Joussen, sondern an Peter Long, Chef der TUI Travel in Crawley, 50 Kilometer südlich von London. Das Touristik-Urgestein hält die Hand über sämtliche Veranstalteraktivitäten der TUI. Joussen gibt über das Kontrollgremium der TUI Travel zwar die Strategie vor. Die operativen Entscheidungen aber trifft Long.

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Joussen will daher bald in England mitregieren. Jüngste Gespräche über eine Fusion von TUI und TUI Travel in Form eines Aktientauschs scheiterten aber. Für einen Barkauf fehlt Hannover das Geld. Selbst eine Übernahme der TUI AG durch TUI Travel wurde durchgespielt – damit stünde plötzlich auch die Standortfrage zur Debatte. Die Beteiligten brachen die Verhandlungen ab; britisches Aktienrecht schließt eine Fusion sechs Monate lang aus. Die Synergien wären immens. Allein die Schließung eines Standortes würde umgerechnet 50 Millionen Euro sparen, rechnet Jamie Rollo vor, Analyst bei der Investmentbank Morgan Stanley. Hinzu kämen Steuerersparnisse sowie Umsatzsteigerungen durch bessere Hotelvermarktung. Alles in allem dürfte eine Fusion den Unternehmenswert der TUI um rund eine Milliarde Euro steigern, schätzt Morgan Stanley.

Will Joussen die Hoheit über den Fusionsprozess behalten, muss er zunächst den Aktienkurs der TUI AG nach oben treiben. Ansonsten würde er gegenüber Kontrahent Long Hausmacht einbüßen. TUI-Großaktionäre wie der Russe Alexej Mordaschow würden den Deal daher derzeit kaum durchwinken. Ein Kursplus von 30 Prozent bis zum nächsten Übernahmeversuch soll TUI wieder in eine bessere Verhandlungsposition bringen.

Eilig hat Joussen es nicht. Schon einmal hat er bewiesen, dass er geduldig auf einen guten Deal warten kann. Als Deutschland-Chef von Vodafone kaufte er 2008 den Festnetzanbieter Arcor – nach zwei Jahren Warterei.

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