Transfers nach Saudi-Arabien: Die Fußballmillionen der Saudis sind nur eine teure PR-Show

Cristiano Ronaldo war der erste prominente Profifußballer, der in die Saudi Profi League gewechselt ist.
Foto: WirtschaftsWocheDie Einkäufer des saudi-arabischen Profifußballs haben wieder zugeschlagen: Mit 80 Millionen Euro konnten sie nach Ronaldo (200 Millionen), Benzema (200 Millionen) und Mané nun auch den Brasilianer Neymar in die Wüste locken. Warum auch nicht? Agieren die Spieler doch bloß im Sinne des wirtschaftlichen Profitmaximierers, wie es unter Managern völlig üblich ist: Sie gehen dahin, wo sie am meisten Geld verdienen. Dem finanzkräftigen Ruf der Saudis sind in diesem Sommer schließlich etliche Stars aus den europäischen Top-Ligen gefolgt. N‘Golo Kanté, Ruben Neves, Roberto Firmino und Jordan Henderson sind nur einige von ihnen. Kurz nach dem Neymar-Transfer wechselte auch Aleksandar Mitrovic aus der Premier League in die Saudi Pro-League.
Moralisch ist der Unterschied ohnehin nicht mehr groß, ob Mann nun für die Saudi Pro League antritt oder für einen Club der englischen Premier League spielt, den die Öl-Scheichs querfinanzieren.
Trotzdem: Es bleibt ein Störgefühl. Schließlich sind die spektakulären Fußball-Transfers ein Ablenkungsmanöver. Während die Welt sich fragt, von welchem sportlichen Wert die Spiele bei unbekannten Vereinen wie Al-Nassr oder Al-Ittihad sein mögen, redet niemand mehr über den Fall Jamal Khashoggi. Der Journalist war im Oktober 2018 brutal von einem saudi-arabischen Kommando ermordet worden.
Es redet niemand über Hinrichtungen und gängige unmenschliche Strafen wie 1000 Stockhiebe oder Amputationen. Oder darüber, dass Frauen unter Vormundschaft stehen und keine eigenen Entscheidungen treffen dürfen.
Die Diskussion um die Millionengehälter betrifft nur ganz wenige Sportler.
In anderen Sportarten und auch im Frauenfußball müssen sie um ein vernünftiges Gehalt kämpfen. Das zeigt auch eine nicht repräsentative Umfrage der Sportschau, die nach dem Wunsch-Mindestlohn der Bundesliga-Spielerinnen gefragt hat. Das Ergebnis: Mit durchschnittlich 2800 Euro brutto im Monat wären sie zufrieden. Dann müssten sie neben dem Fußball nicht mehr Vollzeit arbeiten. Diese sympathische Bodenständigkeit dürfte bei Fans besser ankommen als der Homo oeconomics athleticus à la Neymar.
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