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Trifft es nach Air Berlin die nächste Fluglinie? Warum Germania so schwer zu retten ist

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Germania: „Wir sind in Deutschland die einzige Alternative“

Auch wenn führende Manager des Unternehmens jeden Vergleich mit Air Berlin weit von sich weisen, gibt es ein paar unbequeme Parallelen. Germania ist wie der insolvente Ex-Nachbar trotz seiner geringen Größe mit 37 Flugzeugen in mindestens drei Geschäftsfeldern tätig: Städteverbindungen, Urlaubsverkehr und Flüge im Auftrag von Reiseveranstaltern. Als ergänzendes Mini-Modell betreibt Germania seit 2011 den Werksverkehr des Flugzeugherstellers Airbus zwischen Hamburg und der Zentrale im südfranzösischen Toulouse.

Die Städteflüge und die Vollcharter genannten Dienste für einen Reiseveranstalter erscheinen noch vielversprechend. „Da sind ein paar schlaue Routen dabei“, sagt Luftfahrtexperte Großbongardt. Dazu zählen vor allem Verbindungen in schwer erreichbare Städte im Mittleren Osten, für die Passagiere auch mal höhere Preise zahlen. Allerdings hat die Zahl der möglichen Ziele abgenommen, weil einst sehr profitable Routen wie nach Syrien oder den Norden von Iran und Irak wegen der politischen Spannungen und kriegerischen Konflikte in der Region aufgegeben werden mussten.

Damit stieg der Anteil von Urlaubsflügen zu weniger profitablen Zielen, die auch andere im Programm haben. Germania versucht die Schwäche wettzumachen, indem sie wie Air Berlin in ihrer Glanzzeit statt von großen Flughäfen wie Düsseldorf abseits der Ballungsräume in Erfurt, Dresden oder Bremen startet. „Hier sind zwar die Kosten durch den vergleichsweise hohen Verwaltungsaufwand etwas höher als in den Metropolen. Doch dafür ist es den Kunden dort einen Aufpreis wert, nicht zu einem Groß-Airport wie Frankfurt, Hamburg oder München reisen zu müssen“, so ein führender Manager eines Konkurrenten. Doch am Ende ist die Zahl der Flüge zu klein, so dass Germania auch in den Großflughäfen gegen die überlegenen Konkurrenten antreten muss.

Zur Last wird für Germania insgesamt der im Augenblick extrem hohe Wettbewerb der Branche. Mochten im vorigen Jahr Flugzeuge auch knapp gewesen sein, in diesem Jahr gibt es eher zu viele Maschinen. Dafür sorgen zum einen die vielen neuen Jets, die Analyst Daniel Roeska vom New Yorker Brokerhaus Bernstein als „Flut an Flugzeugen“ bezeichnet. Zudem lassen sich viele ältere Maschinen heute fast so günstig wie neues Gerät betreiben. Denn deren im Vergleich recht hohe Finanzierungskosten machen den Vorteil beim niedrigeren Verbrauch mehr als wett. Das sorgt für teilweise abenteuerliche Preise. So berichtet Gerald Kassner, Chef des Duisburger Veranstalters Schauinsland, dass Ryanair den Reiseunternehmen die Sitze teilweise für neun Euro für Flüge anbietet und das sogar auf die Kanarischen Inseln, wo allein die reinen Betriebskosten pro Passagier bei gut 100 Euro liegen. Selbst wer Ryanair nicht stärken wolle, müsse da zugreifen, so Kassner. „Denn sonst sichert sich ein Konkurrent die Kontingente und unterbietet uns.“

Nun droht Germania in eine Abwärtsspirale zu geraten. Zwar betont die Linie in ihrer Krisenmeldung: „Beim Flugbetrieb gibt es keine Einschränkung, alle Germania-Flüge finden planmäßig statt.“ Doch das gilt nur, wenn die Kunden weiter Tickets kaufen. Hier versichern Unternehmensinsider, dass die Vorausbuchungen über dem Vorjahr seien und auch Veranstalter Treue geschworen haben. Ob das von Dauer ist, bleibt fraglich. „Wenn erste Kunden zweifeln, kann sich die Stimmung schnell ändern“, sagt ein führender Touristiker.

Wie genau es weiter geht, dazu will sich das Unternehmen angesichts der unklaren Lage nicht äußern. Man glaube aber fest daran, weitermachen zu können. „Unsere Gespräche mit potentiellen Investoren, die uns finanziell unterstützen wollen, verlaufen positiv“, zitiert die Touristik-Fachzeitschrift „fvw“ am Donnerstag aus einem Schreiben von Germania-Chef Karsten Balke von Mittwochabend an die Mitarbeiter.

Die Führung um Eigentümer Balke hofft offenbar auf eine Rettung – etwa durch Investments der Tourismusunternehmen. Immerhin hatte Schauinsland-Chef Kassner die Linie zuletzt als „guten, zuverlässigen Partner“ bezeichnet. DER-Touristik-Flugeinkäufer Jörgen Bongartz bezeichnete die Linie gegenüber der Fachzeitschrift FVW als „wichtig für Randflughäfen.“

„Wir sind in Deutschland der letzte Mittelständler und die einzige Alternative zu Billiglinien wie Ryanair oder Konzerngesellschaften wie Eurowings oder Tuifly“, sagt ein Insider. „Wollen besonders die kleinen Veranstalter sich wirklich von denen abhängig machen oder dass wir für etwas mehr Konkurrenz sorgen?“

Einen Verbündeten hat Balke jedenfalls in der FDP-Fraktion im Berliner Senat. Die forderte, Germania in der Hauptstadt zu halten. Die Fehler von 2017, als Air Berlin von Regierungschef Michael Müller (SPD) vorschnell der Lufthansa angedient worden sei, dürften nicht wiederholt werden.

Ob das am Ende zu einer Staatshilfe führt, ist keineswegs sicher.

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