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Trotz Türkei-Krise Spartenverkauf beschert TUI Milliardengewinn

Mit dem Brexit-Votum und der angespannten Lage in der Türkei war 2016 ein schwieriges Jahr im Tourismus. Der Weltgrößte Reisekonzern TUI macht dennoch einen Milliardengewinn – weil er eine Sparte verkauft hat.

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Tuifly-Piloten kämpfen um Privilegien
Der erbitterte Widerstand der Tuifly-Belegschaft gegen eine Verschmelzung mit Teilen der Air Berlin ist ein Abwehrkampf gegen schlechtere Arbeitsbedingungen. Während der Mutterkonzern Tui beteuert, dass Tuifly als eigenständige, deutsche Airline erhalten bleiben soll, trauen Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal den Versprechungen nicht und bangen um ihre Besitzstände, denn bei anvisierten Partnern wird deutlich weniger gezahlt. Die Faszination des Fliegens ist zwar immer noch stark, aber Pilot ist längst kein Traumjob mehr. Die wichtigsten Probleme. Quelle: dpa
Viel KonkurrenzWurden vor nicht allzu langer Zeit die Piloten noch handverlesen, gibt es auf dem Arbeitsmarkt inzwischen ein Überangebot. Nach Branchenschätzungen kommen allein in Deutschland zu den rund 10.000 aktiven Verkehrspiloten noch mehr als 1000 arbeitslose Flugzeugführer. Die europäische Pilotenvereinigung ECA geht sogar von 16 Prozent arbeitslosen Piloten in Europa aus. Im internationalisierten Arbeitsmarkt konkurrieren sie zunehmend mit Crews aus Asien, in deren Heimatmärkten weit geringere Gehaltsniveaus herrschen. Luftverkehrswachstum findet vor allem im asiatischen Raum und in der Golfregion statt. Quelle: dpa
Starkes GehaltsgefälleIn der Luftfahrt gibt es ein enormes Gehaltsgefälle. Bei der von Etihad/Air Berlin und Tui geplanten gemeinsamen Ferienflugholding würden die Extreme aufeinandertreffen, denn Tuifly-Piloten gehören zu den Spitzenverdienern im europäischen Vergleich. Kapitäne können dem Branchenportal „Pilotjobsnetwork“ zufolge in der Endstufe auf Jahresgehälter jenseits der 200 000 Euro kommen - so viel wird sonst nur noch bei ehemaligen Staatslinien wie Lufthansa oder Air France gezahlt. Bei der Air-Berlin-Tochter Niki wird bestenfalls ein Drittel gezahlt - das allein erklärt schon, warum die Tuifly-Piloten unter keinen Umständen mit den Österreichern verschmolzen werden wollen. Quelle: dpa
Wohlfühlbereiche geschlossenDer Zugang zu den lohnenden Pfründen ist Berufsanfängern versperrt. Die Lufthansa hat seit 2013 keinen einzigen Piloten mehr zu den Bedingungen des lukrativen und daher umstrittenen Konzerntarifvertrages eingestellt. Nach dem Vertragswerk wird ohnehin nur noch die Hälfte der Piloten in der Lufthansa-Gruppe bezahlt, für die übrigen etwa bei Swiss oder Austrian gelten niedrigere Gehaltstabellen. Die Folge ist ein interner Kostenwettlauf, den die Vereinigung Cockpit mit einer Ausweitung des KTV stoppen will. Doch genau das will die Lufthansa verhindern. Quelle: dpa
Atypische BeschäftigungsverhältnisseLeiharbeit und Scheinselbstständigkeit sind zwei Methoden, mit denen Fluggesellschaften die Personalkosten für ihre Piloten drücken. Laut einer EU-finanzierten Studie der Universität Gent geben rund 16 Prozent der europäischen Piloten an, atypisch beschäftigt zu sein. Sie sind entweder bei Personaldienstleistern angestellt oder werden von den Fluggesellschaften angehalten, mit einigen Kollegen eine eigene Dienstleistungsfirma zu gründen. Die Behörden sehen die Konstruktion kritisch: Der Zoll durchsuchte diesen Sommer Wohnungen und Diensträume von Piloten an sechs deutschen Ryanair-Standorten sowie zwei britische Personaldienstleister. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit sowie der Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben. Quelle: dpa/dpaweb
Ausbildung selbst bezahlenSelbst bei der Lufthansa sind die Zeiten vorbei, dass das Unternehmen den Großteil der Ausbildungskosten trägt. Der größte Luftverkehrskonzern Europas will seine komplette Ausbildung umstellen und zu „marktgerechten Bedingungen“ Piloten weit über den eigenen Bedarf ausbilden. Den Besten sollen dann Festanstellungen im Kranich-Konzern angeboten werden. Bis vor einigen Jahren war es so, dass die in einem scharfen Verfahren ausgewählten Flugschüler mit hoher Sicherheit auf einen Job in den Lufthansa-Cockpits rechnen konnten. An privaten Flugschulen kostet die Verkehrspilotenlizenz bis zu 120.000 Euro. Quelle: dpa
Pay to flyBei einigen Gesellschaften müssen unerfahrene Piloten sogar bezahlen, um überhaupt ins Cockpit zu gelangen. Nach Einschätzung der VC wird die Notlage junger Kollegen ausgenutzt, die noch nicht genug Flugstunden gesammelt haben, um auf dem freien Markt eine Anstellung zu finden. Für das so genannte „Line Training“ verlangten sie von den eigentlich schon fertigen Piloten zwischen 30.000 und 50.000 Euro, berichtet die europäische Pilotenvereinigung ECA. Diese Summen kämen beim Modell „Pay-to-Fly“ noch auf die ohnehin schon hohen Ausbildungskosten hinzu. Gegen die Praxis wurde eine europaweite Petition gestartet. Quelle: dpa

Der lukrative Verkauf seiner Tochter Hotelbeds hat dem weltgrößten Reisekonzern TUI im Jahr der Türkei-Krise einen kräftigen Gewinnsprung verschafft. Unter dem Strich stand im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September ein Gewinn von 1,04 Milliarden Euro und damit gut dreimal so viel wie ein Jahr zuvor, wie TUI am Donnerstag in Hannover mitteilte.

Auch das laufende Geschäft mit dem Urlaub warf trotz des Buchungseinbruchs bei Türkei-Reisen und des Wirbels nach dem Brexit-Votum mehr ab. Die Aktionäre sollen mit einer von 56 auf 63 Cent je Aktie erhöhten Dividende an dem Erfolg teilhaben. Vorstandschef Fritz Joussen erwartet, dass der Konzern sein Gewinnwachstum in den kommenden Jahren fortsetzen kann.

Der Traditionskonzern aus Hannover hatte die Gewinnprognose vor zwei Monaten wegen der plötzlich wiedererwachten Reiselust der Briten hochgesetzt und mit einem Gewinnanstieg von zwölf bis 13 Prozent gerechnet – am Ende legte das operative Ergebnis (bereinigt um Wechselkursschwankungen) sogar um 14,5 Prozent zu.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste TUI im fortgeführten Geschäft infolge des Einbruchs des britischen Pfunds einen Umsatzrückgang um zwei Prozent auf 17,2 Milliarden Euro hinnehmen. Der bereinigte operative Gewinn stieg dennoch um fünf Prozent auf 1,0 Milliarden Euro, wobei TUI neben dem verkauften Bettengroßhändler Hotelbeds auch die zum Verkauf stehende Spezialreise-Sparte Travelopia herausgerechnet hat.

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