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TUI Friedrich Joussen wird TUI-Chef

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Bestens vernetzt

Michael Frenzel - der scheidende TUI-Chef gilt als Überlebenskünstler. Quelle: dapd

Zwei Jahre später wurde die Firmengruppe umbenannt, der Tui-Reisekonzern war geboren. Allerdings blieben eine Menge Schulden, die das Unternehmen zum Teil bis heute belasten. Im Frühjahr 2011 hatte der Tui-Aufsichtsrat Frenzels Vertrag noch einmal verlängert. Eigentlich sollte er insgesamt bis März 2014 bleiben. Dass er womöglich nicht die volle Amtszeit leistet, hatte in Branchenkreisen jedoch schon die Runde gemacht. Großes Lob und vernichtende Kritik zogen sich Seite an Seite durch Frenzels Manager-Leben.

Mit dem Konzernumbau habe er Werte vernichtet, schimpften etliche Aktionäre. Auf Hauptversammlungen musste er Spott über sich ergehen lassen, mehrfache Strategiewechsel ernteten Unverständnis. Doch Frenzel war Überlebenskünstler. In Politik und Wirtschaft bestens vernetzt und nach außen hin meist betont locker, gelangen ihm stets überraschende Kehrtwendungen. Mag auch die Pauschalreise alter Prägung überholt sein - aus Frenzels Sicht gibt es viele Expansionschancen. Neue Märkte wie Russland, Indien, China und andere Schwellenländer nannte er - neue Hotels oder die Kreuzschifffahrt.

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Der Blick nach Osten brachte die Tui auch mit dem russischen Stahltycoon Alexej Mordaschow zusammen, der seine Anteile im September 2011 auf mehr als Viertel aufstockte. Zusammen mit dem Milliardär wollte Frenzel die Kundschaft der zahlungskräftigen Russen erschließen. Zuletzt soll Mordaschow nach einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ aber ebenfalls verlangt haben, dass deutlich mehr Geld verdient werden muss. Die komplizierte Struktur mit dem britischen Pauschalreisegeschäft von Tui Travel soll ebenfalls auf dem Prüfstand stehen.

Mit derlei Fragen habe die vorzeitige Ablösung Frenzels aber nichts zu tun, hieß es im Unternehmen: „Wir haben einen geordneten Übergang.“ Frenzel war als Sohn eines Schuhmachermeisters mit seiner Familie 1955 nach Westdeutschland gekommen. In Duisburg fand er eine neue Heimat und war in jungen Jahren stellvertretender SPD-Fraktionschef - bis heute soll er einen guten Draht zu Spitzengenossen wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder haben. Anfang der 1980er Jahre arbeitete er bei der Westdeutschen Landesbank und stieg 1986 unter deren Chef Friedel Neuber zum Direktor auf. Auch bei Volkswagen war Frenzel Kontrolleur. Seinen Posten gab er dort im April an die Ehefrau von VW-Patriarch Ferdinand Piëch, Ursula Piëch, ab.

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