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TUI Ein gutes Jahr, aber die Probleme bleiben

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Die Probleme sind lösbar

Europas Reise-Riesen im Rausch
Nach schwierigen Jahren hat die Touristik-Branche nicht zuletzt in der zweiten Jahreshälfte wieder kräftig zugelegt. Die Deutschen sind und bleiben nun mal Reiseweltmeister. Die 64 größten Veranstalter verkauften hierzulande über 30 Millionen Reisen. Das sind fünf Prozent mehr als im Krisenjahr, weil Veranstalter und Hoteliers die zuvor erlahmte Reiselust mit Drehungen an der Preisschraube stimulierten. Quelle: ap
Steffi und Lisa am Strand von Ahlbeck auf der Insel Usedom: Deutschland ist und bleibt Reiseland Nummer eins. Dann folgt Spanien, der größte Gewinner war 2010 die Türkei mit einem Plus von neun Prozent. Es folgen die größten Reiseveranstalter Europas … Quelle: dpa
Tui TravelEuropas größter Reiseveranstalter Tui musste wegen der Auseinandersetzungen in Ägypten und Tunesien einen Verlust von 80 Millionen Euro einbüßen. Trotzdem hat Tui im abgelaufenen Jahr in seiner Touristiksparte profitiert. Insgesamt stieg der Umsatz im September beendeten Geschäftsjahr 2010/11 um 7 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Tui TravelAber bei den Beschäftigten der Tui geht seit spätestens Anfang Februar die Angst um: Denn hier kündigte der Reisekonzern an, seine Gewinne im Touristik-Geschäft in Deutschland mit einem Wachstums- und Sparprogramm steigern zu wollen. Ansonsten will Tui – ähnlich wie Konkurrent Thomas Cook – vor allem bei Pauschalreisen nicht mehr (nur) über den Preis Kunden gewinnen, sondern durch die Exklusivität der Hotels. Quelle: gms
Thomas CookÄhnlich sieht es auch Thomas Cook, Europas Nummer zwei der Reiseveranstalter. „Einfach nur noch Flug und ein x-beliebieges Hotel zusammenzupacken, das funktioniert nicht mehr“, sagt Michael Tenzer, Geschäftsführer Touristik bei Thomas Cook dem Handelsblatt. Gerade die anspruchsvollen, reiseerfahrenen Gäste haben einen klaren Hang zur Marke. Quelle: dpa
Thomas CookThomas Cook hat 2010 in Deutschland 6,6 Millionen Menschen auf die Reise geschickt. Der Umsatz lag hierzulande bei 2,85 Milliarden Euro. Das bedeutet für den deutschen Markt nur Rang drei hinter Rewe Touristik. In Europa ist Thomas Cook aber mit einem Umsatz von 10,2 Milliarden Euro deutlich größer als Rewe. Quelle: dpa
ReweIn Europa die Nummer drei – aber in Deutschland konnte Rewe Touristik den Konkurrenten Thomas Cook erstmals überholen - ganz zur Freude von Rewe-Chef Alain Caparros. Der Marktanteil liegt bei 14 Prozent, der von Thomas Cook beträgt 13,4 Prozent. Das gelang Rewe nicht zuletzt wegen ihrer erfolgreichen "Baustein"-Tochter Dertour, die individuelle Reisen statt der Pauschalpakete für den klassischen Urlauber vermarktet. 6,6 Millionen Menschen hat die Gruppe 2010 in Deutschland befördert bei einem Umsatz von 3,0 Milliarden Euro. Quelle: ap

Das Problem: Die komplizierte Doppelkonstruktion wurde einzig und allein aus der Not geboren - Frenzel fehlte im Frühjahr 2007 schlicht das Geld, um alle Anteile von TUI Travel zu übernehmen.  Andererseits ist das Konstrukt einer der Hauptgründe dafür, dass die TUI AG bei der Bewertung durch Analysten seit Jahren nicht besonders gut abschneidet und gemessen am Börsenwert weniger auf die Waage bringt, als die Tochter TUI Travel. Schon unter Frenzel wurde darum mehrfach darüber spekuliert, wie Mutter und Tochter zusammengeführt werden könnten.

Die in Hannover favorisierte Lösung: Die Mutter übernimmt auch die restlichen rund 45 Prozent an der Tochter. Der Haken: Der Mutter fehlt für diese Option das Geld. Bleibt als Alternative die umgekehrte Lösung, ein sogenannter Reverse-Takeover,  bei dem die Tochter die Mutter kauft. Die Mittel dazu hätte TUI Travel – sie würde mit der Holding aber nicht nur die lukrativen Hotelbeteiligungen und die rund 160 Jets umfassenden Konzern-eigenen Airlines übernehmen, sondern auch die nicht in allen Bereichen rund laufenden Kreuzfahrtaktivitäten, die teuren Pensionsverpflichtungen der Mutter und die immer noch Verluste schreibende Containerreedereibeteiligung an Hapag-Lloyd.

Was die Kreuzfahrtaktivitäten der TUI angeht, ist das Bild gespalten. Während die alten Thomson-Dampfer der britischen TUI Travel und die zusammen mit der US-Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises betriebenen, demnächst drei Schiffe von TUI Cruises Geld verdienen, leidet der vollständig zum Konzern gehörende Luxus-Ableger Hapag-Lloyd Kreuzfahrten an seinem Neubau Europa 2. Zwar bekommt das Schiff von Kreuzfahrtexperten nur beste Noten, nur zögert das Klientel noch, sich dort einzubuchen. Immerhin scheinen die Probleme lösbar.

An den Pensionsverpflichtungen, die Frenzel seinem Nachfolger hinterlassen hat, lässt sich dagegen kaum etwas drehen. Für die Hapag-Lloyd-Beteiligung gab es zwar immer mal wieder Pläne für einen Börsengang, aber so lange die Containerschiffe nur rote Zahlen einfahren, wird das kaum gelingen. Eine Lösung hätte die Fusion von Hapag-Lloyd mit der zu Oetker gehörenden Reederei Hamburg-Süd sein können, weil die daraus entstehende Großreederei mit den mächtigen Mitbewerbern aus Asien hätte mithalten können. Aber der Wunschpartner ziert sich immer noch.

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