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TUI Ein gutes Jahr, aber die Probleme bleiben

Der Touristikkonzern TUI hat überraschend gute Zahlen vorgelegt. Die wichtigsten Probleme sind allerdings nach wie vor ungelöst: Die teure Doppelstruktur mit der Konzernzentrale in Hannover und TUI Travel etwa.

Das erste Jahr als Vorstandsvorsitzender ist gut gelaufen für TUI-Chef Friedrich Joussen. Quelle: dpa

Das erste Jahr als Vorstandsvorsitzender ist gut gelaufen für TUI-Chef Friedrich Joussen. Er hat die Kosten des Konzerns gesenkt, zum ersten Mal seit 2007 zahlt der größte europäische Touristikkonzern seinen Aktionären wieder eine Dividende. Die wichtigsten Probleme sind allerdings nach wie vor ungelöst: Die teure Doppelstruktur mit der Konzernzentrale in Hannover und der britischen Tochter TUI Travel besteht weiter, auch für den Börsengang der noch von TUI gehaltenen Anteile an der Containerreederei Hapag-Lloyd gibt es noch keinen Termin.

Die größten Reiseportal-Betreiber
HLX - Start am 7. Dezember 2012 Quelle: Screenshot
Platz 10: Travelocity Europe Quelle: Screenshot
Platz 9: Travix (BCD) Quelle: Screenshot
Platz 8: RTK-Gruppe Quelle: Screenshot
Platz 7: Comvel - Weg.de Quelle: Screenshot
Platz 6: TUI Deutschland Quelle: dpa
Platz 5: Holidaycheck

Zuerst die gute Nachricht: Die TUI zahlt ihren seit Jahren an Frust gewöhnten Aktionären wieder eine Dividende. Die schlechte: Gerade mal 15 Cent bekommen die Anteilseigner an Europas größten Touristikkonzern für jede Aktie. Damit hat der seit Februar als Vorstandschef agierende frühere Vodafone-Boss Friedrich Joussen sein nach den ersten 100 Tagen gegebenen Versprechen, die TUI wieder Dividenden-fähig zu machen, eingelöst.

Auch die vorgelegten Zahlen über die Geschäftsentwicklung sind ordentlich. Der Umsatz stieg minimal von 18,3 auf 18,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis von 746 auf 762 Millionen Euro, was einer Umsatzrendite von gut 4 Prozent entspricht. Angesichts der Einmalbelastungen durch das Effizienzprogramm oneTUI, mit dem der neue Chef sich der von seinem Vorgänger Michael Frenzel hinterlassenen Altlasten entledigen will, ist das in Ordnung.

Auch die weiteren Aussichten sind gut: Im kommenden Jahr soll der Umsatz um zwei bis vier Prozent steigen, beim operativen Ergebnis hat Joussen sich ein Plus von sechs bis zwölf Prozent vorgenommen.

Was die Bilanz auch deutlich macht: Die TUI trägt weiterhin schwer am Frenzel-Erbe, und es wird noch lange dauern, bis die notwendigen Aufräumarbeiten beendet sind. Einige öffentlichkeitswirksame Entscheidungen hat Joussen sehr schnell umgesetzt: Der teure Firmenflieger, mit dem Frenzel gern mit Gattin und engstem Gefolge einschwebte zu Verbandstagungen einschwebte, wurde verkauft, die vielen Sponsorenverträge zum Teil gekündigt. Aus dem mit vielen Vorschusslorbeeren versehenen Toskana-Projekt Castelfalfi, wo ein ganzes Dorf zu einer Luxusferienanlage umgebaut werden sollte, hat die TUI sich zurückgezogen, für die Schrumpfung der Konzernzentrale in Hannover steht der Sozialplan.

Zuversicht in der deutschen Wirtschaft - Tui überrascht mit schwarzen Zahlen

Allerdings hat Joussen auch noch eine ganze Reihe noch offener Großbaustellen. Die wichtigste: die aufwändige Doppelstruktur des Konzerns mit der Holding in Hannover, zu der die Hotelbeteiligungen, die Kreuzfahrtaktivitäten, die Anteile an Hapag-Lloyd und – als wertvollstes Asset – die 54-Prozent-Beteiligung an der britischen TUI Travel gehören. Bei TUI Travel wiederum sind sämtliche Veranstalteraktivitäten, also das Kerngeschäft der TUI gebündelt, auch deren größte Ländergesellschaft TUI Deutschland.

Die Probleme sind lösbar

Europas Reise-Riesen im Rausch
Nach schwierigen Jahren hat die Touristik-Branche nicht zuletzt in der zweiten Jahreshälfte wieder kräftig zugelegt. Die Deutschen sind und bleiben nun mal Reiseweltmeister. Die 64 größten Veranstalter verkauften hierzulande über 30 Millionen Reisen. Das sind fünf Prozent mehr als im Krisenjahr, weil Veranstalter und Hoteliers die zuvor erlahmte Reiselust mit Drehungen an der Preisschraube stimulierten. Quelle: ap
Steffi und Lisa am Strand von Ahlbeck auf der Insel Usedom: Deutschland ist und bleibt Reiseland Nummer eins. Dann folgt Spanien, der größte Gewinner war 2010 die Türkei mit einem Plus von neun Prozent. Es folgen die größten Reiseveranstalter Europas … Quelle: dpa
Tui TravelEuropas größter Reiseveranstalter Tui musste wegen der Auseinandersetzungen in Ägypten und Tunesien einen Verlust von 80 Millionen Euro einbüßen. Trotzdem hat Tui im abgelaufenen Jahr in seiner Touristiksparte profitiert. Insgesamt stieg der Umsatz im September beendeten Geschäftsjahr 2010/11 um 7 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Tui TravelAber bei den Beschäftigten der Tui geht seit spätestens Anfang Februar die Angst um: Denn hier kündigte der Reisekonzern an, seine Gewinne im Touristik-Geschäft in Deutschland mit einem Wachstums- und Sparprogramm steigern zu wollen. Ansonsten will Tui – ähnlich wie Konkurrent Thomas Cook – vor allem bei Pauschalreisen nicht mehr (nur) über den Preis Kunden gewinnen, sondern durch die Exklusivität der Hotels. Quelle: gms
Thomas CookÄhnlich sieht es auch Thomas Cook, Europas Nummer zwei der Reiseveranstalter. „Einfach nur noch Flug und ein x-beliebieges Hotel zusammenzupacken, das funktioniert nicht mehr“, sagt Michael Tenzer, Geschäftsführer Touristik bei Thomas Cook dem Handelsblatt. Gerade die anspruchsvollen, reiseerfahrenen Gäste haben einen klaren Hang zur Marke. Quelle: dpa
Thomas CookThomas Cook hat 2010 in Deutschland 6,6 Millionen Menschen auf die Reise geschickt. Der Umsatz lag hierzulande bei 2,85 Milliarden Euro. Das bedeutet für den deutschen Markt nur Rang drei hinter Rewe Touristik. In Europa ist Thomas Cook aber mit einem Umsatz von 10,2 Milliarden Euro deutlich größer als Rewe. Quelle: dpa
ReweIn Europa die Nummer drei – aber in Deutschland konnte Rewe Touristik den Konkurrenten Thomas Cook erstmals überholen - ganz zur Freude von Rewe-Chef Alain Caparros. Der Marktanteil liegt bei 14 Prozent, der von Thomas Cook beträgt 13,4 Prozent. Das gelang Rewe nicht zuletzt wegen ihrer erfolgreichen "Baustein"-Tochter Dertour, die individuelle Reisen statt der Pauschalpakete für den klassischen Urlauber vermarktet. 6,6 Millionen Menschen hat die Gruppe 2010 in Deutschland befördert bei einem Umsatz von 3,0 Milliarden Euro. Quelle: ap

Das Problem: Die komplizierte Doppelkonstruktion wurde einzig und allein aus der Not geboren - Frenzel fehlte im Frühjahr 2007 schlicht das Geld, um alle Anteile von TUI Travel zu übernehmen.  Andererseits ist das Konstrukt einer der Hauptgründe dafür, dass die TUI AG bei der Bewertung durch Analysten seit Jahren nicht besonders gut abschneidet und gemessen am Börsenwert weniger auf die Waage bringt, als die Tochter TUI Travel. Schon unter Frenzel wurde darum mehrfach darüber spekuliert, wie Mutter und Tochter zusammengeführt werden könnten.

Die in Hannover favorisierte Lösung: Die Mutter übernimmt auch die restlichen rund 45 Prozent an der Tochter. Der Haken: Der Mutter fehlt für diese Option das Geld. Bleibt als Alternative die umgekehrte Lösung, ein sogenannter Reverse-Takeover,  bei dem die Tochter die Mutter kauft. Die Mittel dazu hätte TUI Travel – sie würde mit der Holding aber nicht nur die lukrativen Hotelbeteiligungen und die rund 160 Jets umfassenden Konzern-eigenen Airlines übernehmen, sondern auch die nicht in allen Bereichen rund laufenden Kreuzfahrtaktivitäten, die teuren Pensionsverpflichtungen der Mutter und die immer noch Verluste schreibende Containerreedereibeteiligung an Hapag-Lloyd.

Was die Kreuzfahrtaktivitäten der TUI angeht, ist das Bild gespalten. Während die alten Thomson-Dampfer der britischen TUI Travel und die zusammen mit der US-Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises betriebenen, demnächst drei Schiffe von TUI Cruises Geld verdienen, leidet der vollständig zum Konzern gehörende Luxus-Ableger Hapag-Lloyd Kreuzfahrten an seinem Neubau Europa 2. Zwar bekommt das Schiff von Kreuzfahrtexperten nur beste Noten, nur zögert das Klientel noch, sich dort einzubuchen. Immerhin scheinen die Probleme lösbar.

An den Pensionsverpflichtungen, die Frenzel seinem Nachfolger hinterlassen hat, lässt sich dagegen kaum etwas drehen. Für die Hapag-Lloyd-Beteiligung gab es zwar immer mal wieder Pläne für einen Börsengang, aber so lange die Containerschiffe nur rote Zahlen einfahren, wird das kaum gelingen. Eine Lösung hätte die Fusion von Hapag-Lloyd mit der zu Oetker gehörenden Reederei Hamburg-Süd sein können, weil die daraus entstehende Großreederei mit den mächtigen Mitbewerbern aus Asien hätte mithalten können. Aber der Wunschpartner ziert sich immer noch.

Immer noch einen Berg von Arbeit

Die trendigsten Reiseziele in Europa und der ganzen Welt
Platz 10 (europaweit): LiverpoolDie Geburtsstadt der Beatles im Nordwesten Englands steht dieses Jahr bei den Nutzern des Reiseportals TripAdvisor hoch im Kurs: Wohl auch dank der nach wie vor lebendigen Musikszene der Stadt wählten die Reisenden Liverpool in die Top 10 der Travellers' Choice Trend-Destinationen in Europa. Quelle: Tripadvisor
Platz 9 (europaweit): ValenciaDie spanische Millionenstadt mit zahlreichen Museen und kulturellen Angeboten ist bei Reisenden sehr beliebt. Bekannt ist die Stadt durch die jährlich stattfindenden Fallas. Die Fallas sind Feiern der Stadtvierteln zu Ehren von Josef, dem Zimmermann. Dabei stellen die einzelnen Stadtviertel übergroße Figuren aus Holz und Pappmaché aus, die „fallas“. Die fallas karikieren herausragende Ereignisse aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben auf satirische Art. Quelle: Tripadvisor
Platz 8 (europaweit): Belfast1912 lief die in der Belfaster Werft Harland & Wolff gebaute Titanic von hier zu ihrer ersten Fahrt aus. Dieses Jahr wurde in der nordirischen Hauptstadt ein großes Titanic-Zentrum eröffnet. Es liegt auf dem Gelände der früheren Werft und bildet das Zentrum eines neuen Stadtviertels, des Titanic Quarter. Ein empfehlenswertes Reiseziel, meinen die TripAdvisor-Nutzer. Quelle: Tripadvisor
Platz 7 (europaweit): ManchesterDie englische Arbeiterstadt ist die Heimat und Gründungsort vieler bekannter Musikgruppen, darunter Oasis, New Order, The Smiths oder Take That. Durch seine lebendige Musikszene bekam die Stadt den Spitznamen „Madchester“ verliehen. Insbesondere in den 1980ern und den 1990ern wurde die Stadt zu einem Zentrum der Subkultur. Laut Travellers' Choice von TripAdvisor immer noch eine Reise wert. Quelle: Tripadvisor
Platz 6 (europaweit): GlasgowBritische Städte stehen bei TripAdvisor-Nutzern hoch im Kurs. Glasgow gilt zwar im Gegensatz zur schottischen Hauptstadt Edinburgh als „Arbeiterstadt“, aber solche Labels scheinen im Ranking keine Rolle zu spielen. Edinburgh ist anders als Glasgow überhaupt nicht in den Top Ten vertreten. Quelle: Tripadvisor
Platz 5 (europaweit): NeapelEine von zwei italienischen Städten, die im TripAdvisor-Ranking vertreten sind. Weite Teile des Stadtbilds von Neapel werden von historischen Bauten und Kulturdenkmälern dominiert. Das zieht Reisende an. Quelle: Tripadvisor
Platz 4 (europaweit): St. PetersburgDie historische Innenstadt mit 2300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern ist Weltkulturerbe der Unesco. In dieser Hinsicht wird St. Petersburg weltweit nur noch von Venedig übertroffen. Die Stadt gehört laut Unesco zu den zehn sehenswertesten Orten der Welt. Quelle: Tripadvisor

Joussen weiß, dass sein Spielraum bei diesen beiden besonders großen Altlasten begrenzt ist. So widmet er sich anderen Dingen, die einfacher zu verwirklichen sind – nach allem Ermessen aber auch weniger bringen. Dazu gehört die organisatorische und markentechnische Zusammenführung der Konzern-Airlines und eine Bereinigung der kaum noch überschaubaren Markenvielfalt bei Veranstaltern und Hotels.

Was den Job des TUI-Chefs nicht unbedingt einfacher macht, sind die unterschiedlichen und teilweise schwer durchschaubaren Interessen der beiden Großaktionäre Alexei Mordaschow und John Fredriksen.

Der gut 25 Prozent haltende Russe galt in der Vergangenheit vor allem als Stütze des früheren Konzernchefs Frenzel, wenn der sich wieder mal gegen andere Großaktionäre und deren Unzufriedenheit mit seiner Performance wehren musste. Darüber hinaus hat Mordaschow strategische Interessen, gilt Russland doch nach wie vor als kommender Massenmarkt für das Touristikgeschäft. Dennoch ist schwer absehbar, welche Rolle die TUI-Beteiligung für ihn in Zukunft noch spielt.

In Arbeit
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Das gleiche gilt für den Norweger Fredriksen, früher Frenzels größter und wortgewaltigster Widersacher. Der Großreeder mit zypriotischen Pass und Wohnsitz in London ist zwar ruhiger geworden und lässt Joussen in Ruhe seinen Job machen, aber ob das so bleibt, weiß kein Mensch. Immer mal wieder wird darüber spekuliert, dass der Tankerkönig vor allem ein Interesse an Hapag-Lloyd hat. In welcher Hinsicht auch immer.

Fazit: Joussen hat noch einen Berg von Arbeit vor sich, bevor aus der TUI ein richtig lukratives Unternehmen wird, das ihren Eigentümern genauso viel Spaß bringt, wie den Urlaubern, die bei einem der Konzernveranstalter die schönsten Wochen des Jahres gebucht haben.

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