TUI Gute Laune bei den Aktionären

Die Stimmung bei TUI hat sich gedreht: Auf der Hauptversammlung wurde deutlich, dass der Führungswechsel von Frenzel auf Joussen dem Unternehmen viel Gutes gebracht hat. TUI steht so gut da, wie lange nicht.

Der Tui-Vorstandsvorsitzende Friedrich Joussen bei der Hauptversammlung 2014 der TUI AG in Hannover. Quelle: dpa

Die TUI sieht sich selber gern als Gute-Laune-Konzern: Zu Recht - schließlich produziert das Unternehmen eine Dienstleistung für die schönsten Wochen des Jahres. Doch so positiv die Außenwirkung, so negativ war in der Vergangenheit häufig die Stimmung bei Aktionären und Mitarbeitern: Vor allem in den letzten Jahren unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel war die TUI eher zum Schlechte-Laune-Unternehmen verkommen.

Auf der Hauptversammlung des Reisekonzerns im Congress Centrum von Hannover wurde sichtbar, dass sich das im ersten Jahr des Frenzel-Nachfolgers und neuen Vorstandsvorsitzenden Friedrich Joussen deutlich geändert hat: War früher die Stimmung manchmal noch schlechter als die Lage, ist es heute eher umgekehrt - allein der Wechsel an der Spitze hat dazu geführt, dass der größte Touristikkonzern Europas heute so gut da steht, wie schon lange nicht mehr.

Tui setzt auf Kreuzfahrtschiffe


Joussens Vorgänger Frenzel hatte zum Schluss jede Akzeptanz verloren, sein Geschäftsmodell einer durchgehenden Wertschöpfungskette, bei dem die TUI mit eigenen Fluggesellschaften, eigenen Hotels, eigenen Dienstleistern in den touristischen Zielgebieten und eigenen Vertriebsorganisationen auf jeder Stufe mitverdienen wollte, allen Glanz verloren. Frenzels unglückliches Händchen mit der konzerneigenen Container-Reederei Hapag-Lloyd war da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Inzwischen sind die bleiernen Zeiten vorbei: "Mit Friedrich Joussen ist die TUI wieder auf dem richtigen Kurs, Kosten und Schulden gehen runter, die Erträge nach oben", freut sich Aktionär Bernd Günther, im Hauptberuf Vorstand der Hamburger Getreide-Lagerhaus Aktiengesellschaft. "Ich habe das genau nachgerechnet, Joussen hat uns einen Wertzuwachs von 1,1 Milliarden Euro gebracht." Denn genau um diesen Betrag hat der TUI-Börsenwert seit Joussens Amtsantritt vor gut einem Jahr zugelegt.


Das hat auch für eine Befriedung unter den Aktionären gesorgt, die feindselige Stimmung zwischen dem damaligen Vorstandschef Frenzel und seinem Widersacher, dem norwegischen Tankerreeder Frederiksen, der die TUI zerschlagen wollte, um Zugriff auf die Containertochter Hapag-Lloyd zu bekommen, ist Vergangenheit. Das kann dem Konzern nur gut tun. Joussen-Vorgänger Frenzel kümmerte sich in seinen letzten Jahren an der TUI-Spitze mehr um das Anwerben unterstützender Großaktionäre als um die Strategie des Unternehmens.

Tatsächlich partizipiert der frühere Vodafone-Chef im Moment vor allem noch vom Goodwill von Börse, Analysten und Aktionären. Er hat einiges erreicht, sein Fitness-Programm oneTUI trägt erste Früchte: Struktur und Kosten der Holding in Hannover wurden verbessert, die Schulden abgebaut, die britische Tochter TUI Travel verdient mehr. Umsatz und Ergebnis gehen auch im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres nach oben, das Kreuzfahrt-Joint-Venture TUI Cruises entwickelt sich weiter positiv, Frenzels Prestige-Projekt, in der Toskana ein ganzes Dorf zum Ferienclub umzubauen, wurde ad acta gelegt.

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