Tui vor neuen Herausforderungen Was Joussen nach dem Rekordjahr anpacken muss

Tui hat im vergangenen Jahr viel geschafft: Der Reisekonzern hat erstmals mehr als eine Milliarde Euro verdient. Doch die Terror-Angst und ein Richtungsschwenk in Deutschland stellen Tui vor Herausforderungen.

Ein Tui-Hotel in Mallorca: Weil viele Urlauber nach den Terroranschlägen in Ägypten und Tunesien verunsichert sind, setzt Tui in diesem Jahr auf Spanien und Griechenland. Quelle: dpa

Fritz Joussen ist stolz, dass er seine Versprechen halten konnte. Vor drei Jahren hat der ehemalige Vodafone-Chef die Leitung des Reisekonzerns von seinem Vorgänger Michael Frenzel übernommen. Seit dem arbeitete Joussen an einem harten Sanierungsplan, damit der Tourismusriese endlich auch bei seinen Aktionären Urlaubsstimmung auslösen kann.

Im vergangenen Geschäftsjahr, das für den Reisekonzern im Oktober endete, zeigten sich die Ergebnisse: Endlich ist die lang geplante Vereinigung mit der britischen Tochter Tui Travel abgeschlossen. Und zum ersten Mal hat der Reisekonzern mehr als eine Milliarde Euro verdient.

Trotz aller Turbulenzen war das vergangene Jahr damit das erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. 20 Milliarden Euro hat Tui mit seinen Pauschalreisen, Ressortanlagen, Kreuzfahrten und Flugzeugen umgesetzt, das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gut liefen die Geschäfte mit den eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg sogar um beinahe 23 Prozent auf insgesamt 1,07 Milliarden Euro an.

Diese Nationen verreisen am meisten

Unter dem Strich schrieb das Unternehmen 340 Millionen Euro Überschuss. Der Reisekonzern feiert den Rekordgewinn, in dem er seinen Aktionären eine um 70 Prozent höhere Dividende von 56 Cent pro Aktie spendieren will. Der Aktienkurs des Pauschalspezialisten stieg daraufhin um sieben Prozent.

Tuis Probleme

Dabei war das Jahr für den Konzern durchaus turbulent: Im Juni erschütterte die Nachricht von einem Terror-Anschlag in Tunesien auf ein Hotel der Riu-Kette, an dem auch Tui beteiligt ist, die Zentrale in Hannover. Die Urlauber bleiben seit dem fern. Im November enttäuschte der stolpernde Börsengang der Reederei Hapag-Lloyd die Aktionäre, Tui musste deshalb fast 150 Millionen Euro abschreiben. Und in Deutschland, noch immer einer der wichtigsten Märkte für Tui, verkündete der neue Geschäftsführer Sebastian Ebel einen völligen Richtungsschwenk.

Vorstandschef Friedrich Joussen steht deshalb vor der nächsten Herausforderung: Er muss beweisen, dass seine Erfolge nachhaltig sein können. Im kommenden Geschäftsjahr will er den Gewinn noch einmal um zehn Prozent steigern, der Umsatz soll um drei Prozent zulegen. In Zeiten, in denen Terroristen immer öfter auf Urlaubsorte zielen, sind das ambitionierte Ziele.

Bisher immerhin liegen die Buchungszahlen für das neue Jahr im Plan. Die einzige Ausnahme bildet Ägypten mit dem Urlaubsort Sharm El Sheikh. 45 Hotels hat Tui in dem zuletzt von Anschlägen betroffenen Urlaubsland. Aus Tunesien hingegen hat sich der Reisekonzern schon weitgehend zurückgezogen. Der Anschlag auf den Hotelstrand hat Tui auch finanziell getroffen: Mit Stornierungen, Vertragskündigungen und Rückstellungen summiert sich der Schaden auf 52 Millionen Euro. Der Großteil der Verträge mit den Hotelpartnern vor Ort hat Tui aufgelöst, nur 14 gepachtete Hotels bleiben in der Gruppe.

Tui will Urlauber nun nach Spanien, Griechenland oder in die Karibik locken. Für den Reisekonzern hat das auch Vorteile: Im Vergleich zu wie Tunesien oder Ägypten sind die spanischen Ressorts deutlich teurer. „Die Durchschnittspreise steigen im Moment an", sagt Joussen. Für Tui ist das eine Chance, die Marge zu steigern.

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