Uber Neue Konzepte für Deutschland

Dem Fahrdienst-Vermittler Uber wurde in London die Lizenz entzogen. Auch in Deutschland darf der Konzern keine Privatfahrer an Kunden vermitteln – deshalb arbeitet das US-Unternehmen an neuen Konzepten.

Uber will in Deutschland expandieren Quelle: dpa

Die Aufruhr in London ist groß: Am Freitag wurde bekannt, dass die Lizenz des Fahrdienstvermittler Uber in London nicht verlängert wird. Nach Angaben des Unternehmens buchen in London rund 3,5 Millionen Menschen Fahrten über die App. Etwa 40.000 Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren. Eine Petition an den Londoner Bürgermeister soll das Verbot abwenden.

Die Londoner Behörden meinen, das Unternehmen Uber sei nicht „fähig und geeignet“, um eine Verlängerung der Lizenz zu erhalten. Die zuständige Behörde Transport of London teilte mit, dass Uber nicht genug Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Fahrgastsicherheit zeige. Dabei handelt es sich bei den englischen Fahrern um lizensierte Fahrer, keine Privatpersonen.

In Deutschland ist das Unternehmen mit seiner alten Strategie gescheitert: Ende 2013 versuchte Uber den Fahrdienst UberPop auf dem deutschen Markt zu starten. Das Konzept ist einfach: Privatleute bieten mit dem eigenen Auto Fahrten an. Kunden buchen und bezahlen die Fahrt über eine App. Die Fahrten kosten meist deutlich weniger als eine normale Taxifahrt. Aber das deutsche Personenbeförderungsgesetz erlaubt UberPop nicht. Ohne Personenbeförderungserlaubnis, darf in Deutschland niemand Personen gewerblich transportieren.

Das Wichtigste zu Uber

Deshalb gab es 2015 einen Gerichtsbeschluss des Landgerichts Frankfurt, der das kommerzielle Mitnehmen bundesweit verbot. Ein Jahr später wurde das Urteil nochmals bestätigt, nachdem Uber Berufung einlegte.

Nach dem Verbot von UberPop ist der Konzern nur noch in Berlin und München aktiv. Das Unternehmen bietet nur noch eine Taxi-App mit zwei verschiedenen Optionen. UberTaxi vermittelt 1500 Berliner Taxis an Kunden, der Marktanteil liegt bei 20 Prozent. Die andere Option heißt UberX. Sie vermittelt Kunden aber auch nicht an Privatpersonen, sondern an Mietwagenunternehmen. Der Konzern überprüft, ob die Mitwagenfahrer die nötigen Genehmigungen haben. In Berlin ist UberX etwa 20 bis 30 Prozent günstiger als ein gewöhnliches Taxi.

„Wir haben mit UberX ein Konzept erarbeitet, das funktioniert und gesetzeskonform ist", sagt Uber-Sprecher Ali Yeganeh Azimi. In Zukunft will das Unternehmen auch wieder in anderen deutschen Städte seine Dienstleistung anbieten. Die Nachfrage würde vermutlich bestehen, Uber müsse nur genug Mietwagenunternehmen als Partner gewinnen. In welche Stadt es als nächstes geht, ist noch nicht klar. Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf gelten als aussichtsreich.

Carpooling in Berlin

UberX Berlin soll der Grundstein sein, für das, was noch kommt. Das neue Konzept heißt UberPool. Dabei werden mehrere Fahrten kombiniert, die in die gleiche Richtung gehen. Die Fahrgäste teilen sich den Fahrpreis, die Fahrer haben immer mindestens einen Fahrgast im Auto sitzen und verdienen bei mehr Mitfahrern dazu. Zudem soll UberPool die Verkehrs- und Parkplatzsituation in Berlin entlasten. Da sich mehrere Leute ein Fahrzeug teilen, gibt es weniger Fahrzeuge in der Innenstadt. In den USA läuft das Konzept bereits sehr erfolgreich, in San Francisco ist jede zweite Uber-Fahrt eine geteilte Fahrt.

Doch auch hier gibt es Probleme. In Deutschland ist Carpooling, also das Teilen von Fahrzeugen, verboten. Städte vergeben in wenigen Fällen Ausnahmegenehmigungen, aber nur für wenige Fahrzeuge. „Dass das Pooling gerade im Mobilitätsland Deutschland nicht möglich ist, ist bemerkenswert“, sagt Azimi.
Deshalb warb Uber-Chef Christoph Weigler auch vor der Bundestagswahl für eine Deregulierung des Personenbeförderungsgesetzes in Deutschland. Viele Regeln seien veraltet, unter ihnen das Carpooling-Verbot. Das Unternehmen betreibt Lobbyarbeit und spricht mit Behörden und Politikern, um die Gesetze zu lockern. „Nachdem wir uns vor gut drei Jahren mit UberPOP einiges an Wohlwollen kaputt gemacht hatten, sind wir heute wieder ein gern gesehener Gast, wenn es in Debatten um die Zukunft der Mobilität geht“, sagt Azimi.

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