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Übernommener Bauriese Bei Hochtief regiert der Frust

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Folgen der Übernahme

Baustelle der Hamburger Elbphilharmonie - die Stadt Hamburg und Hochtief schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Quelle: dpa

Im ACS- und Hochtief-Reich müssten jetzt alle an einem Strang und in dieselbe Richtung ziehen. Doch davon ist Hochtief weit entfernt. Denn die negativen Folgen der Übernahme sind nicht ausgestanden. Selbst Top-Manager reden offen darüber.

Bernd Romanski, Vorstand und Arbeitsdirektor der fürs europäische Bau- und Dienstleistungsgeschäft zuständigen Hochtief Solutions, beschrieb in der März-Ausgabe der Hochtief-Mitarbeiterzeitschrift „Baubude“ die miese Stimmung: „Durch die Personalabgänge auf Vorstandsebene ist in Teilen die Verunsicherung bei den Mitarbeitern nach wie vor groß.“ Es falle vielen schwer, „die Schockstarre zu überwinden und zur Tagesordnung zurückzukehren“. Alle früheren Konzernvorstände und zwei hoch angesehene Solutions-Chefs haben 2011 gekündigt.

Wer Hochtief bereits verlassen hat

Romanski, der seine Lehre bei Hochtief machte und 2004 als Manager für Facility Management zurückkehrte, blieb an Bord. Den schon acht hochrangigen und spektakulären Abgängen folgen untere Chargen. „Solche Eigenkündigungen sind für Hochtief eine relativ neue Erfahrung“, sagt Romanski der „Baubude“ und fürchtet: „Wenn mehrere Headhunter im Unternehmen einmal erfolgreich waren, dann bohren sie es weiter auf.“ Romanski weiß, dass es „schwer gebeutelte Bereiche gibt, bei denen ich ein hohes Maß an Verständnis habe, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen“. Und er bekennt, dass Rekrutierer des Arbeitgebers Hochtief heute „auf dem Markt teilweise Schwierigkeiten haben, neue Leute zu bekommen“.

Erst Prinz, dann Frosch

Zur „allgemeinen Unsicherheit“ (Romanski) tragen verschlechterte Geschäftsaussichten bei. Rund 100 Jobs hat Romanski 2011 gestrichen. Weiterer Abbau sei bei Hochtief Solutions 2012 auch in Deutschland „leider unvermeidbar“, sagt er. Denn „fast sicher geglaubte Aufträge“ im Ausland, im Facility Management und bei öffentlichen Projekten seien Solutions entgangen. Nach Romanskis Einschätzung haben dabei „Presseberichte über mögliche Pläne von ACS eine Rolle gespielt“.

ACS habe Hochtief bisher nicht genutzt, resümiert ein Aufsichtsrat: „Es ist nichts besser, sicherer, aussichtsreicher geworden.“ Umgekehrt hat Hochtief nicht annähernd die Erwartungen von ACS erfüllt. Es war wie im Märchen, nur umgekehrt: Als die Spanier ihren deutschen Bau-Prinzen endlich küssten, wurde er zum Frosch.

2011 machte Hochtief Verlust und zahlte keine Dividende, mit der ACS aber gerechnet hatte. Die früher glänzende Hochtief-Ertragsperle, der australische Bauriese Leighton, gab in diesem Frühjahr wie schon 2011 eine Gewinnwarnung heraus, die die Gewinnaussichten von Hochtief erneut verschlechtert. Eine Selbstanzeige des Leighton-Konzerns wegen Korruption im Irak verunsichert die Investoren zusätzlich.

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