Überraschende Wende Rhön-Klinikum-Aktionäre kippen Übernahmehürde

Die Übernahme der Rhön-Kliniken durch Fresenius rückt wieder in greifbarere Nähe: Überraschend kippten die Aktionäre am Mittwochabend die Übernahmehürde. Damit sind nun alle Optionen wieder offen.

Logo Rhön-Klinikum AG Quelle: dpa

Überraschender Sieg für Rhön-Klinikum-Aufsichtsratschef Eugen Münch: Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre am Mittwochabend für eine entscheidende Änderung der Unternehmenssatzung: Wichtige Entscheidungen zur Zukunft des Unternehmens müssen künftig nicht mehr mit einer Mehrheit von über 90 Prozent getroffen werden, sondern nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Grenze von 75 Prozent erreichen. Die Nachricht löste am Abend einen Kurssprung bei der Rhön-Aktie aus: Im nachbörslichen Handel schossen die Papiere zeitweise um mehr als 13 Prozent in die Höhe.

An dieser 90-Prozent-Schwelle war im vergangenen Jahr die Übernahme der Rhön-Kliniken durch den Dax-Konzern Fresenius gescheitert, da zwei Großaktionäre den Plan blockierten. Durch die Übernahme von Rhön durch die Fresenius Klinik-Tochter Helios wäre Deutschlands größter Klinikkonzern entstanden. 

Nach der Absenkung der 90-Prozent-Schwelle rückt der Plan wieder näher. Eugen Münch, der auch Gründer der Rhön-Kliniken ist, wollte durch den Zusammenschluss mit Helios auch die Zukunft seines Unternehmens sichern. Münch schwebt schon seit langem ein starker, bundesweiter Klinikverbund vor, der zum Wohle der Patienten Synergien nutzt und vernetzt arbeitet. Deswegen hatte Münch in den vergangenen Jahren den Markt schon nach potenziellen Partnern sondiert. Mit Helios würde es am besten passen, befand Münch schließlich.

Die Rhön-Klinikum AG

Nachdem der erste Versuch gescheitert war, warb Münch nun auf der Hauptversammlung dafür, die Annahmeschwelle abzusenken. Zahlreiche Aktionärsvertreter unterstützten ihn dabei. "Wir wollen keine Blockade der Firma und keine Machtspiele", sagte etwa Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. 

Die 90-Prozent-Schwelle war vor gut zehn Jahren eingeführt worden, um die Rhön-Kliniken vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Nun behindere die Satzungsregel die Entwicklung des Unternehmens. Oder wie es Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung der Privatanleger ausdrückt: "Das Messer, das wir einst geschliffen haben, wendet sich nun gegen uns selbst." Münch hatte die Kritiker auf dem Aktionärstreffen aufgefordert, ihre Haltung zu überdenken. "Ich glaube, es geht nicht um Gesichtsverlust", sagte er.

Die größten Gesundheits-Arbeitgeber Deutschlands
Platz 15 - Techniker KrankenkasseDas Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat die größten Arbeitgeber im Gesundheitswesen zusammengestellt. Die Techniker Krankenkasse (TK) findet sich auf Platz 15 des Rankings. Im Jahr 2010 beschäftigte die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands 9900 Vollzeitbeschäftigte. Die Mitarbeiterzahl blieb im Vorjahresvergleich unverändert. Bei den tatsächlichen Mitarbeitern (inklusive Teilzeitbeschäftigten) blieb die Zahl mit 11.428 ebenfalls so gut wie unverändert. Quelle: PR
Platz 14 - FielmannDeutschlands größte Optikerkette beschäftigte im vorletzten Jahr 10.000 Vollzeitmitarbeiter. Das waren 300 mehr als ein Jahr zuvor. Inklusive der Beschäftigten in Teilzeit stieg die Mitarbeiterzahl auf 11.000 (plus 3,7 Prozent). Quelle: ap
Platz 13 - Siemens Medical SolutionsIm Bereich Medizintechnik von Siemens waren 2010 insgesamt 10.000 Menschen in Vollzeit beschäftigt - 200 weniger als ein Jahr zuvor. Da Siemens Medical Solutions nur noch weltweite Zahlen veröffentlicht, liegen für das Unternehmen keine Gesamtmitarbeiterzahlen vor. Quelle: Siemens
Platz 12 - VivantesBeim Krankenhauskonzern Vivantes aus Berlin waren 10.078 Vollzeitmitarbeiter angestellt. Das waren im 2,1 Prozent mehr als 2009. Auch bei den Teilzeitmitarbeitern gab es einen Zuwachs. Die Zahl der Gesamtbeschäftigten stieg um 3,7 Prozent auf 13.541. Quelle: dpa
Platz 11 - B. Braun MelsungenDas Pharma- und Medizinbedarfsunternehmen aus Melsungen beschäftigte 10.100 Vollzeitmitarbeiter (plus 5,8 Prozent). Auch die Gesamtzahl der Beschäftigten ist ansteigend. Mit 11.251 Mitarbeitern waren 2010 5,4 Prozent mehr Menschen bei B. Braun beschäftigt. Quelle: dpa
Platz 10 - Boehringer IngelheimDie Zahl der Vollzeitbeschäftigten blieb bei Boehringer im Jahresvergleich stabil bei 10.800. Insgesamt waren mit 11.475 genau acht Mitarbeiter weniger beim Pharmaunternehmen aus Ingelheim tätig. Quelle: ap
Platz 9 - RocheDie deutsche Ländergesellschaft des Schweizer Pharmaunternehmens beschäftigte nach dem RWI-Ranking 11.820 Vollzeitmitarbeiter (Zahlen aus 2009). Inklusive der Beschäftigten in Teilzeit liegt die Zahl bei 13.472 Menschen. Quelle: dpa

Der schwedische Pensionsfonds Alecta, der knapp zehn Prozent der Rhön-Anteile besitzt, hatte die Änderung der Satzung auf die Tagesordnung setzen lassen. "Wir sind der Auffassung, dass sich diese Klausel inzwischen zum Hemmschuh für die Weiterentwicklung des Unternehmens entwickelt hat", argumentierte Alecta-Vertreter Marcus Lüttgen.

Die Entscheidung für die Satzungsänderung kam völlig überraschend zustande; in der Branche hatte damit kaum jemand gerechnet. Der Beschluss war denkbar knapp: 9,46 Prozent der Aktionäre stimmten dagegen. Erforderlich war ein letztes Mal eine Mehrheit von 90 Prozent. Die Rhön-Führung will am Donnerstag das Abstimmungsergebnis erläutern. Insgesamt waren auf dem Treffen rund 64 Prozent des stimmberechtigten Kapitals anwesend.

Mit Material von Reuters

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