Umstellung auf Germanwings "Die Lufthansa wird sich noch wundern"

Die Lufthansa stellt weite Teile ihres Europageschäfts auf die Billigtochter Germanwings um. Vielflieger fürchten um ihre Privilegien und auch die Belegschaft droht mit Widerstand gegen die Pläne.

Ist die neue Germanwings startklar zur Rettung der Lufthansa? Quelle: dpa

Die Lufthansa will günstiger werden. Künftig soll darum die Billigtochter Germanwings die meisten Ziele in Deutschland und Europa anfliegen. Die Standorte Köln, Nürnberg und Stuttgart wurden bereits umgestellt, nun folgt Hamburg und ab dem Winterflugplan auch Berlin. Bis Ende 2014 sollen auch in Düsseldorf nur noch die Langstreckenflieger unter dem Kranich-Logo fliegen. Allein Frankfurt und München bleiben von den Plänen unberührt.

Die Umstellung ist einer der zentralen Bausteine im Sparprogramm Score, mit dem Lufthansa-Chef Christoph Franz Deutschlands größte Fluggesellschaft für die Zukunft rüsten und den operativen Gewinn jährlich um 1,5 Milliarden Euro steigern will. Allein Germanwings soll dazu 200 Millionen Euro pro Jahr beitragen.

Dafür fliegen die Kurzstreckenjets ab sofort in weiß-brombeer, den Farben von Germanwings. 38 Mittelstreckenjets vom Typ A319 wurden bereits umlackiert. Schritt für Schritt soll die Flotte um weitere 23 Bombardier-Regionaljets CRJ 900 und 30 Airbus A319 aufgestockt werden. Dann sind 90 Flieger für Germanwings unterwegs. Bis 2016 soll die Zahl der Passagiere pro Jahr auf 20 Millionen anwachsen.

Bei den Vielfliegern sorgt die Umstellung auf Germanwings für wenig Begeisterung. Als erste Details der Umstellung bekannt wurden, schickten einige ihre silbernen Miles&More-Karten geschreddert in die Lufthansa-Zentrale zurück. Die Lufthansa lenkte ein. Pläne, einen „Eintritt“ von 25 Euro für den Lounge-Zugang zu erheben, wurden aufgegeben. Doch bei der Stammkundschaft brodelt es immer noch.

Die wichtigsten Kunden fürchten um ihre Privilegien. „Von heute auf morgen steht man ohne Status da“, sagt ein Unternehmensberater mit HON-Status, der regelmäßig mit der Lufthansa ab Düsseldorf fliegt. Tatsächlich kassiert die Lufthansa mit der Umstellung auf Germanwings einige Privilegien, die Vielflieger bisher in Anspruch nehmen konnten. Ihr Gepäck wird künftig nicht mehr mit Priorität behandelt, das „Durchbuchen“ von Gepäck bei Anschlussflügen kostet künftig 15 Euro Bearbeitungsgebühr und auch Freigepäck gibt es künftig nicht mehr.

Die Sparprogramme der Lufthansa

Um trotzdem noch allen Kunden gerecht werden zu können, will Germanwings dafür ab heute flächendeckend auf ein dreistufiges Preissystem umstellen. Im Basistarif ab 33 Euro ist nur der Sitz inklusive, beim Smart Tarif ab 53 Euro gibt es mehr Beinfreiheit, einen Snack und für Vielflieger auch den Zugang zur Lounge. Im Komforttarif „Best“ ist fast alles inklusive: Essen à la carte, ein freier Nachbarsitz und mehr Beinfreiheit sowie Lounge-Zugänge ohne Vielflieger-Status und schnelles Check-In – dafür kostet ein Ticket dann aber auch mindestens 199 Euro.

Für viele Geschäftskunden ist der neue Tarifdschungel ein Graus. In Vielflieger-Foren im Internet regiert die Unsicherheit. Im Vorfeld hatte die Lufthansa ihren Vielfliegern eine Broschüre zur Umstellung zukommen lassen. Viele fühlen sich trotzdem schlecht informiert. „Meine Kollegen und ich denken darüber nach, auf die Konkurrenz umzusteigen“, beschwert sich ein Wirtschaftsprüfer im Internet. Um Meilen zu sammeln, habe er auch längere Wartezeiten in Kauf genommen. In vielen Unternehmen sei das nun kaum noch zu rechtfertigen. „Die Lufthansa wird sich noch wundern.“

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