Umstrittener Fifa-Präsident Blatter startet Rachefeldzug

Joseph Blatter schaltet auf Attacke: Der neue alte Fifa-Präsident berichtet aus persönlichen Gesprächen mit Gegner Michel Platini – und benutzt Franz Beckenbauer als Kronzeugen gegen den DFB. Beckenbauer widerspricht.

Interpol schreibt FIFA-Bosse zur Fahndung aus
In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren. Quelle: AP
Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen. Quelle: Reuters
Jeffrey WebbIn Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen. Quelle: dpa
Eugenio Figueredo Quelle: dpa
José Maria Marin Quelle: dpa
Rafael Esquivel Quelle: dpa
Julio Rocha Quelle: Reuters
Eduardo Li Quelle: dpa
Jack Austin Warner Quelle: dpa
Nicolas Leoz Quelle: dpa
Neben den Fifa-Funktionären wird gegen fünf Sportmarketing-Fachleute ermittelt, die in Geschäftsbeziehungen zur Fifa stehen. Alejandro Burzaco (50/Argentinien): In einer Aufsichtsfunktion bei einer Sportmarketing-Agentur in Argentinien tätig. Aaron Davidson (44/USA): Präsident von Traffic Sports USA, eines Eventmanagement-Unternehmens im Bereich Fußball. Hugo (70) und Mariano Jinkis (40/Argentinien): In Aufsichtsfunktionen einer Sportmarketing-Agentur in Argentinien tätig. José Margulies (75/Brasilien): Ihm wird vorgeworfen, als Vermittler bei illegalen Zahlungen im TV-Rechte-Handel aufgetreten zu sein. Die offiziellen Pressemitteilungen der Schweizer Justizbehörden sowie der US-Justizbehörden. Quelle: AP
Der Argentinier Alejandro Burzaco (r., 50 Jahre alt) ist einer der Chefs von Torneos y Competencias, einer Sportmarketing-Firma aus Argentinien. Quelle: AP
Ebenfalls ein Verdächtiger aus der Marketing-Branche: Aaron Davidson (44 Jahre) aus den USA ist Präsident von Traffic Sports Inc. Quelle: REUTERS
Hugo und Mariano Jinkis sind Leiter der Full Play Group, einer Sportmarketingfirma aus Argentinien. Quelle: AP
Wer den Fifa-Skandal verstehen will, der muss bei Charles Blazer beginnen. Er ist die Schlüsselfigur in diesem beispiellosen Krimi. Denn Charles Blazer ist der Kronzeuge der amerikanischen Ermittlungsbehörden. Er hat mit ihnen kooperiert und wichtige Informationen geliefert. Die Steuerbehörde konnte ihm nachweisen, zwischen 2005 und 2010 keine Steuererklärung abgegeben zu haben. Damit hatten die Ermittler ein Druckmittel in der Hand, um ihn zur Kooperation zu zwingen – Blazer horchte Fußballfunktionäre auf der ganzen Welt aus. Wie die Geschichte für ihn ausgeht, ist offen. Die Anklageschrift gegen ihn umfasst zehn Punkte. Quelle: AP
José Hawilla, Besitzer und Gründer der Traffic Group Zwei Tochtergesellschaften der Traffic Group, die Traffic Sports USA in Miami und die Traffic Sports International mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln, haben ein Geständnis abgelegt und sich der Verschwörung zum Betrug für schuldig bekannt. José Hawilla, Der Gründer und Eigentümer der Traffic Group, hat ebenfalls gestanden und dabei unter anderem Betrug, Geldwäsche und Justizbehinderung zugegeben. Er hat sich nach Angaben des Justizministeriums außerdem bereit erklärt, 151 Millionen Dollar zu zahlen. Quelle: AP
Daryan und Daryll Warner Nicht nur Ex-Fifa-Vizepräsident Jack Warner (Foto) ist in den Skandal verstrickt, auch seine beiden Söhne Daryan (46) und Daryll (40) sind involviert. Auch sie haben Betrug und Geldwäsche zugegeben. Offenbar kooperieren sie seither ebenfalls mit der US-Justiz. Quelle: AP

Joseph Blatter setzt die Attacken gegen Uefa-Chef Michel Platini und den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach mit Berichten aus persönlichen Gesprächen fort. Franz Beckenbauer, der ihn nach seiner Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten verteidigte, benutzt er dabei als Kronzeugen. „Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte“, sagte Blatter in einem Interview der Schweizer Zeitung „Sonntagsblick“.

Beckenbauer widersprach umgehend. „Ich habe mit Wolfgang Niersbach freundschaftlich diskutiert“, sagte Beckenbauer der „Bild“-Zeitung am Sonntag. Von Zusammenfalten könne „überhaupt keine Rede sein“. Beckenbauer weiter: „Es steht mir auch nicht zu, einen DFB-Präsidenten zusammenzufalten. Wolfgang Niersbach und ich haben ein herzliches und offenes Verhältnis.“

Der Deutsche Fußball-Bund reagierte verwundert auf diese Aussage des kritisierten FIFA-Chefs. „Keine Ahnung, wie Blatter auf sowas kommt, ein Telefonat mit dem Inhalt hat überhaupt nicht stattgefunden. Im Übrigen war es ein Beschluss des gesamten DFB-Präsidiums, für den Wechsel an der FIFA-Spitze zu stimmen“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker. Blatter hatte die Wahl gegen Al-Hussein am Freitag mit 133:73 Stimmen gewonnen.

Über Platini erzählte Blatter, dass dieser ihm bei dem Vier-Augen-Gespräch in seinem Büro in der Fifa-Zentrale zur Mittagszeit am Donnerstag vorgeschlagen habe, „einen guten Whisky unter Freunden“ zu trinken. Dies habe er abgelehnt. Anschließend habe ihm der Franzose offenbar eine goldene Brücke bauen wollen: „Und dann meinte er allen Ernstes: 'Sepp, du machst den Kongress und am Schluss gibst du bekannt, dass du zurücktrittst. Du bekommst ein gigantisches Fest und dein Büro hier bei der Fifa kannst du behalten.'“

Eine Reaktion von Platini hierzu gab es vorerst nicht. Blatters Aussagen belegen jedoch, dass der Konflikt mit den Gegnern der Uefa noch lange nicht ausgestanden ist. Platini und Niersbach hatten sich neben US-Verbandschef Sunil Gulati nach dem jüngsten Korruptionsskandal um mehrere aktuelle und frühere Fifa-Funktionäre am deutlichsten gegen Blatter positioniert.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Beckenbauer hat hatte Blatter nach dessen Wiederwahl in Schutz genommen und das Vorgehen der Uefa als Gegenspieler des Schweizers kritisiert. „Es ist das System, nicht der Einzelne“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München am Samstag bei einem Sponsorentermin im Vorfeld des DFB-Pokalfinales in Berlin. Der Fußball-Weltverband sei eine „Ansammlung von Funktionären“, die auch ein Fifa-Chef unmöglich alle kennen könne. „Er wird nicht unbedingt wissen, wer die Leute sind, die in den Verbänden gewählt wurden - aus Samoa oder Virgin Islands oder sonst was“, sagte das frühere Fifa-Exekutivkomitee-Mitglied.

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