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Ungeklärte Personalfragen Typisch EADS

Bei der EADS überdeckt der scheinbare Stillstand bei der Nominierung des neuen Vorstands die Fortschritte bei der Sanierung.

Wo Airbus im Vergleich mit Boeing schwächelt
Airbus A380 auf einem Flughafen in Sharm El Sheikh: Der Mutterkonzern EADS blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die jüngsten Umsatzzahlen und die vollen Auftragsbücher von EADS sind beeindruckend. Aber auch diese positive Entwicklung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern ein Problem hat, das weit über den Streit um die deutsch-französischen Eigentümerstrukturen und den Wechsel an der Konzernspitze hinausgeht: den Mangel an Profitabilität. Quelle: Reuters
Zwar konnte die EADS im Jahr 2011 den US-Rivalen Boeing mit gut 1 500 Neubestellungen deutlich hinter sich lassen. Doch auch mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Gründung ist EADS noch nicht auf Augenhöhe mit den US-Rivalen. Quelle: Reuters
Ein Eurofighter des europäischen Rüstungskonzerns: EADS macht zwar viel Umsatz, verdient damit bisher aber kaum Geld. Nach neun Monaten 2011 lagen die Umsätze bei 32,7 Milliarden Euro, 3,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die operative Marge lag nach neun Monaten 2011 aber nur bei knapp drei Prozent. Mehr erwarten Analysten laut Datenanbieter Bloomberg auch für das Gesamtjahr nicht. Quelle: Reuters
Konkurrenzprodukt Boeing 777: Der amerikanische Hersteller kam von Januar bis September 2011 auf Umsätze von 49,2 Milliarden Dollar (36,2 Milliarden Euro) – nicht wesentlich mehr als EADS. Die operative Marge war aber deutlich höher. Sie lag bei 8,6 Prozent. Quelle: dapd
Der Grund für das schlechte Abschneiden von EADS: Der Konzern ist in starkem Maße abhängig von seiner größten Tochter Airbus. Diese steuert mit dem zivilen Flugzeuggeschäft – nur ein verschwindend geringer Anteil produziert Militärflugzeuge – zwei Drittel zum Konzernumsatz bei. Quelle: dpa
Weil Verzögerungen beim Riesenflieger A380 sowie beim Militärtransporter A400M und die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 immer wieder auf die Kosten drücken, lag die operative Marge nach neun Monaten 2011 aber nur bei 1,4 Prozent. Quelle: dpa
Kampfflugzeug F-15 von Boeing: Bei dem US-Hersteller machen Passagier- und Frachtflugzeuge dagegen nur die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Die operative Marge lag im September aber bei deutlich höheren 9,9 Prozent. Quelle: dpa

Gibt es bei einem Unternehmen  keine Veränderungen oder Neuigkeiten gibt, ist das normalerweise ein gutes Zeichen. Denn dann läuft alles nach Plan.

Doch der europäische Luftfahrtriese EADS ist auch in dieser Hinsicht kein normales Unternehmen. Zwar begann auch die heutige Pressekonferenz der EADS zum Jahresauftakt im Airbuswerk in Hamburg wie immer. Zum Einzug des Topmanagements ertönte dramatische Musik, im Hintergrund glänzten zwei Riesenflieger vom Typ A380, die in den nächsten Tagen ausgeliefert werden.

Und danach folgten wie in jedem der vergangenen Jahre Rekordzahlen. Doch wie gespannt die Lage ist zeigte sich, als der heutige Airbus-Vizechef Fabrice Brégier kurz stehen blieb, um auf seinem Blackberry kurz die letzten Emails zu prüfen und sofort seine Traube von Kameras um sich hatte.

Keine Veränderung

Denn leider gab es auch heute keine Neuigkeiten in der Frage, die Anleger und Öffentlichkeit am meisten interessiert: die Veränderungen im Führungsteam des Konzerns wenn der heutige Konzernchef Louis Gallois im Sommer in den Ruhestand geht. Zwar stehen die Grundzüge fest, seit vor fünf Jahren die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach einem längeren Streit festgelegt haben, dass im kommenden Sommer der Deutsche Thomas Enders dem heutigen französischen Konzern-Chef Louis Gallois ablöst. Die Regierungschefs vereinbarten zudem, dass dann ein Franzose statt eines Deutschen den Verwaltungsrat leiten wird und der Franzose Fabrice Brégier Airbus leitet.

Doch die Entscheidung fiel weder wie erwartet im Dezember noch wurde sie heute verkündet. Aber das ist letztlich kein Alarmzeichen, sondern eben typisch EADS und das typische Durcheinander eines hochpolitischen Konzerns.

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