Universal-Music-Manager Briegmann "Wir sind aus dem Himmel gestürzt"

Frank Briegmann, Mitteleuropachef des weltgrößten Plattenkonzerns Universal, freut sich über die Erholung des Geschäfts, lobt den Wert seiner Branche für Künstler und fühlt sich beim Kampf um das geistige Eigentum von der Politik allein gelassen.

Universal Music-Manager Frank Briegmann Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Briegmann, die wichtigsten Wochen des Jahres laufen gerade für Sie – das Weihnachtsgeschäft steht bevor. Wie ist das Jahr bislang für Universal gelaufen?

Frank Briegmann: Das erste Halbjahr war wirklich sehr gut für uns – unser Marktanteil an den Charts sowohl bei den Singles wie auch bei den Alben lag bei mehr als 40 Prozent, damit bin ich durchaus zufrieden; das ist eine Größenordnung, die ist super. Es gab Tage, da standen wir überall auf Platz eins. Beispielsweise hatten wir gleichzeitig eine Nummer 1 bei den meistgespielten Songs im Radio mit „Safe and Sound“ von Capital Cities, eine Nummer 1 in den Album-Charts mit Black Sabbath und eine bei den Singles mit „Blurred“ Lines von Robin Thicke. Kreativ gesehen läuft das Jahr also sehr gut. Was das Geschäft betrifft, sieht es auch ganz OK aus. Wir sehen zwar bislang im Gesamtmarkt weltweit einen leichten Umsatz-Rückgang. Das sagt aber nichts Grundsätzliches über die Branchenentwicklung aus, sondern das hängt vor allem mit der Veröffentlichungspolitik zusammen: Kommerziell wichtige Platten wurden auf das kommende Jahr verschoben. Deshalb gehe ich insgesamt davon aus, dass sich die Branche 2013 wie auch die beiden Jahre davor beim Umsatz um den Null-Punkt bewegen wird.

Die Köpfe hinter Universal Music

Null-Wachstum dürfte Ihnen aber doch aber gerade nach dem Kauf von EMI nicht reichen, oder?

Bei uns läuft es besser als im Gesamtmarkt, unser Marktanteil wächst, natürlich auch durch die EMI-Fusion. Unternehmerisch gesehen war die ein großes Stück Arbeit, das wir aber rechtzeitig vor dem wichtigen vierten Quartal abgeschlossen haben. Deshalb werden wir Ende des Jahres mit einem deutlich höheren Marktanteil dastehen als zu Beginn.

Wo sehen Sie den Musikmarkt insgesamt?

Wir haben den Boden jetzt gefunden, dort wird sich das Geschäft konsolidieren, ehe wir in zwei, drei Jahren wieder Wachstum sehen werden. Diese Wachstumsprognose leite ich daraus ab, dass wir im Weltmarkt zuletzt in neun der 20 wichtigsten Märkte Wachstum erlebt haben. Eines der wirklich interessanten Territorien ist dabei Skandinavien. Dort ist der Markt im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent gewachsen, und wir sehen in den ersten Monaten 2013 sogar noch stärkeres Wachstum, sowohl in Schweden als auch in Norwegen.

Die CD-Verkäufe, die in Deutschland ja noch immer für mehr als 70 Prozent des Umsatzes sorgen, gehen aber weiter runter – wie kompensieren Sie das denn? Gleichen Streamings und Downloads diese Rückgänge aus?

Die Tendenz sieht gut aus: Die Angebote, die wir als Branche den Kunden mittlerweile machen, sind so interessant und so umfangreich in jeder Form – physisch und non-physisch, à la carte, Besitz oder Streaming, werbefinanziert oder im Premiumbereich –, dass für jeden Nutzer etwas dabei ist. Wenn man als Industrie solche Brüche und Transformationsprozesse erlebt, muss man Dinge ausprobieren. Das unterscheidet sicher auch Universal von anderen Unternehmen der Branche – wir haben von Anfang an gesagt, dass wir neue Geschäftsmodelle unterstützen. Wir vergeben Lizenzen an eine ziemliche Bandbreite von Partnern, von start-ups wie Spotify oder Simfy über Deezer, Napster oder Tape.tv bis zu iTunes oder nun iTunes Radio. Wenn wir darin ein Modell sehen, das für den Konsumenten interessant ist und bei dem wir und unsere Künstler einen fair-share bekommen, dann ermöglichen wir das und versuchen, so viele Modelle wie möglich in den Markt zu bringen. An uns soll nichts scheitern.

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