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Universitätsklinikum Umzug und Streiks belasten Jahresergebnis der Charité

Ein Tarifstreit mit dem Personal belastet die Bilanz der Charité. Nun soll es wieder aufwärts gehen. Das Universitätsklinikum soll digitaler arbeiten.

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Am größten Universitätsklinikum Deutschlands wurde 2017 gestreikt. Quelle: dpa

Frankfurt Deutschlands größtes Universitätsklinikum, die Charité, ist im vergangenen Jahr erneut gewachsen, doch nicht so stark wie in den Vorjahren. Denn der Umzug vieler Stationen in das Ende 2016 modernisierte Bettenhaus in Berlin Mitte, aber auch Streiks der Pflegekräfte haben die Entwicklung gebremst.

Insgesamt legte das Universitätsklinikum um 1,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro Umsatz zu. Das Jahresergebnis reduzierte sich um die Hälfte auf 1,8 Millionen Euro.

Damit ist die Charité mit ihren rund 100 Kliniken und Instituten immer noch in den schwarzen Zahlen, was für Universitätskliniken nicht selbstverständlich ist. Nach den letzten Umfragen des Verbandes der Universitätskliniken arbeitet die Mehrheit der 33 Häuser in Deutschland in den roten Zahlen.

Unikliniken müssen Fachpersonal und spezielle Ausstattung vorhalten, um Patienten mit ungewöhnlichen oder besonders schweren Krankheitsverläufen zu behandeln. Diese Hochleistungsmedizin wird in den festgelegten Fallpauschalen, nach denen die Leistungen der Kliniken für gesetzlich Krankenversicherte abgerechnet werden, nicht entsprechend berücksichtigt.

Mehr Patienten und schwerere Fälle, die eine höhere Vergütung bringen, sorgten bei der Charité für das Wachstum. Diese Leistungsentwicklung wird im Krankenhaussektor mit so genannten Casemix-Punkten gemessen. Die stiegen im vergangenen Jahr bei der Charité um 1,2 Prozent, während sie sich im langjährigen Durchschnitt immer um 2,9 Prozent pro Jahr erhöht hatten. Insgesamt wurden 145.000 Patienten stationär behandelt, hinzu kommen mehr als 700.000 ambulante Fälle.

Unter anderem schlug zu Buche, dass die Charité im August und September wegen des Streiks der Pflegekräfte nicht zwingend notwenige Operationen absagen oder verschieben musste. Mit dem Streik wollten die Pflegekräfte auf die dünne Personaldecke in ihrem Bereich aufmerksam machen.

Vor zwei Jahren hatten die Gewerkschaft Verdi und die Charité einen Tarifvertrag abgeschlossen, der Mindestbesetzungen bei Pflegekräften in der Intensivmedizin und auf Normalstationen vorsah. In der Folge musste die Charité rund 280 zusätzliche Pflegekräfte einstellen, aber weitere 80 bis 100 Stellen bleiben vakant, auch weil sich nach Argumentation der Charité nicht ausreichend Personal finden ließ. Das Thema Pflegenotstand beschäftigt alle Kliniken.

Wegen der nicht erreichten Mindestbesetzungen setzte Verdi den Tarifvertrag vergangenen Sommer zunächst aus. Im Oktober näherten sich die Parteien aber wieder an. Die Charité rekrutierte weiteres Personal und konnte den Tarifvertrag Gesundheitsschutz wieder einhalten.

Im März dieses Jahres wurde zudem der seit Jahren andauernde Tarifkonflikt über die Entlohnung der Beschäftigten in der Service-Tochter Charité Facility-Management mit einer Vereinbarung beendet.

Die Einigungen führen allerdings zu steigenden Personalkosten und die sind einer der Gründe, warum die Charité in diesem Jahr wohl nur eine schwarze Null als Ergebnis schaffen wird. Als weitere Herausforderungen Belastungen nennt Vorstand Astrid Lurati, zuständig für die Finanzen, Neuregelungen bei den Fallpauschalen. Die führen dazu, dass bestimmte Erkrankungen zum Beispiel im Bereich Herz-Kreislauf schlechter als vorher vergütet werden.

Die Leistung der Charité allerdings soll in diesem Jahr wieder auf den gewohnten Wachstumspfad einschwenken: Die Casemix-Punkte sollen wie im langjährigen Mittel um drei Prozent stiegen. Der Umsatz soll – ohne Drittmittel, und Fördermittel gerechnet – um sechs Prozent zulegen.

Auf der Agenda hat die Charité in diesem Jahr auch die Modernisierung der IT-Infrastruktur, damit flächendeckend digital gearbeitet werden kann. Dazu gehört der Ausbau der Wlan-Netze sowie die Anschaffung von mobilen Endgeräten für das Personal. Insgesamt wird das IT-Budget von vier auf zehn Millionen Euro aufgestockt, wobei der größte Teil davon laut Klinikdirektorin Lurati über Fördergelder finanziert wird.

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