Unpünktlichkeit auf Rekordniveau Bei der Lufthansa sind nur noch die Pilotengehälter Premium

Quelle: imago images

Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat am Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung geladen. Thema der Runde: das Chaos am Himmel. Die Kontrolleure sollten auch fragen: Wie viel Premium steckt noch in der Airline? Ein Kommentar.

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Die Lufthansa stellte Ende 2019 auf der Fernstrecke in der Economy die zweite der beiden warmen Mahlzeiten auf ein „wertiges Sandwich“ um. „Hochwertig“ wurde es also nicht. Das Lufthansa-Geiz-Sandwich darf man wohl als Anfang vom Ende des Premium-Anspruchs der Lufthansa verstehen. Denn wenn Cent-Beträge schon auf der Streichliste der Controller landen, dann kann es nicht gut bestellt sein um die Qualität einer Airline. Denn den beständigsten Wiedererkennungswert einer Fluglinie in normalen Zeiten hatte doch das Essen an Bord.

Dass sich Lufthansa und Qualität widersprechen, zeigt sich ganz aktuell: Bei den Themen Verlässlichkeit und Pünktlichkeit hat die selbst ernannte Premium-Airline nichts zu bieten. Die Abflugpünktlichkeit der Lufthansa ist auf desaströse 40 Prozent abgestürzt. Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn bringt immerhin sechs von zehn Zügen pünktlich ans Ziel. Der ICE ist also deutlich mehr Premium als ein A320 der Lufthansa.

Am Fliegen ist nichts mehr Premium – erst recht und schon lange nicht mehr bei der Lufthansa. Der Frankfurter Konzern hat das mitzuverantworten. Die Airline zahlt laut Branchenkreisen ihre Dienstleister an den Flughäfen teils schlechter als so genannte Low-Cost-Airlines. Die Lufthansa soll etwa die Gepäckabfertiger nach zu- und ausgeladenen Koffern bezahlen. Ryanair und Wizz Air sind da smarter. Sie zahlen nach Qualität: je schneller ein Flugzeug abgefertigt wird, desto mehr Geld bekommen die Servicepartner.

Innerdeutsch und europaweit ist die Lufthansa seit Jahren darauf aus, Kosten zu sparen statt in Qualität zu investieren. Während der Coronakrise hat die Airline fast 30.000 Arbeitsplätze abgebaut – und war sogar stolz darauf.

Gleichzeitig hat sie es versäumt, ihr verbliebenes Personal auf einen möglichen Ansturm der Fluggäste vorzubereiten. Die Crews müssen beispielsweise regelmäßig auf bestimmte Flugzeugtypen ausgebildet werden. Die Lufthansa hat die teuren Ausbildungen in den Pandemiemonaten aber teilweise ausgesetzt. Nun fehlt Personal. Das war fahrlässig. Für eine Airline mit Premium-Anspruch sogar „grob fahrlässig“.

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Was nun helfen würde? Die radikale Ausdünnung des Flugplans. Darum wird es auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch auch gehen müssen. In den 20 Tagen zwischen dem 6. und 26. Juni sind laut Aufsichtsratsunterlage knapp 3000 Flüge gestrichen worden - die meisten davon sogar innerhalb der letzten 24 Stunden vor Abflug. Natürlich haben auch Probleme bei der Flugsicherung und an den Sicherheits-Checks an den Flughäfen zu Verspätungen geführt. Aber eine Airline mit Qualitäts-Anspruch muss besser gerüstet sein für Krisenzeiten.

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Ein erfahrener Pilot bei der Lufthansa verdient mehr als 200.000 Euro brutto im Jahr. Premium sind also vor allem die Gehälter. Die Leistungen für die Kunden sind es hingegen schon lange nicht mehr.

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