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Unternehmensberatung Wie kleine Spezialisten gegenüber McKinsey & Co punkten

Der Beratungsmarkt verändert sich, der Wettbewerb verschärft sich. Die großen etablierten Consultinghäuser stehen unter Druck. Auch, weil kleine, hoch spezialisierte Beratungsboutiquen häufig bessere Lösungen bieten.

Unternehmensberatung Quelle: Fotolia

Henkel gehört zu den deutschen Industrieikonen: 1876 in Düsseldorf gegründet, gehören die Erzeugnisse des Konsumgüterproduzenten zu den bekanntesten Marken im Land. Die weltweit knapp 50.000 Mitarbeiter erzielten mit Wasch- und Reinigungsmitteln wie Persil oder Pril, Haar- und Hautpflegeprodukten wie Schwarzkopf und Fa sowie Klebstoffen für Endverbraucher (Pritt und Pattex) und Industrie (Loctite) 2014 fast 16,5 Milliarden Euro Umsatz.

In vielen Bereichen ist das Unternehmen Marktführer oder gehört zu den weltweit größten Anbietern. Doch diese starke Position muss verteidigt werden – durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung, die permanent neue Produktideen fabriziert und gleichzeitig daran arbeitet, bestehende Produkte zu verbessern oder deren Fertigung so zu optimieren, dass die Stückkosten sinken und die Effizienz im Gesamtunternehmen steigt.

Welche Rolle(n) Berater heute spielen

Der ebenfalls in Düsseldorf ansässige Spezialchemiehersteller Cognis war früher mal Teil von Henkel, wurde dann an Finanzinvestoren verkauft und ist inzwischen Teil des größten europäischen Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen. Bei jedem Eigentümerwechsel mussten auch die strategischen Ziele neu definiert werden.

Henkel und Cognis – zwei Unternehmen mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung stehen vor ähnlichen Herausforderungen: „Innovation ist ein Dauerthema für sämtliche Hierarchiestufen“, sagt Stephan Friedrich von den Eichen, Professor für Innovation an der Universität Bremen und Managing Partner der Unternehmensberatung Innovative Management Partner (IMP). IMP hat sich auf innovative Geschäftslogiken und disruptive Innovationsprojekte spezialisiert. Zu den Kunden gehören Dax-Konzerne wie Adidas, BASF, Linde und SAP, aber auch große Mittelständler wie Sick oder Würth.

Da stellt sich die Frage: Warum heuern weltweit bekannte Milliarden-Konzerne eine rund 40 Mann kleine Berater Boutique an, warum suchen sie nicht Rat bei McKinsey, Boston Consulting, Roland Berger oder Bain? Was hat IMP, was den Großen fehlt, was können die kleinen Spezialisten besser und warum sind sie heute vielfach erfolgreicher als die großen Traditionsberater mit ihren starken Marken?

Für Friedrich von den Eichen ist Innovation Tagesgeschäft und das schon seit 22 Jahren: Der IMP-Partner kennt die großen Beratungshäuser aus eigener Erfahrung, ist mit deren Arbeitsweise und Selbstverständnis vertraut und weiß um die jeweiligen Stärken und Schwächen. Er sieht mehrere Gründe für die Entwicklung: „Steigender Wettbewerbsdruck, gepaart mit einem Geschäftsmodell, das nur bei Wachstum funktioniert, haben bei den großen Beratungen dazu geführt, dass Profil und Tiefgang gelitten haben", sagt Friedrich von den Eichen. „Zeitweise fehlte die Kraft, in die eigenen Kompetenzfelder zu investieren. Andernorts fehlte die Bereitschaft, inhaltlich Kante zu zeigen. Für alle Kundensegmente möglichst alle Leistungen anbieten, das war die Devise."

Die Entwicklung hat auch mit dem Selbstverständnis der Berater zu tun. Jahrzehntelang zeichneten die Spitzenkräfte sich vor allem durch Branchenexpertise aus. „Das hat seine Berechtigung, wo es darum geht, Prozesse zu optimieren und Benchmarks zu setzen“, sagt Friedrich von den Eichen. Wachstum und insbesondere Innovation brauchten aber etwas Anderes. „Branchenexpertise führt zu guten, am Ende aber branchentypischen Lösungen. Und je typischer eine Lösung, umso durchschnittlicher die Rendite“, sagt der IMP-Partner. „Innovative Geschäftsmodelle leben von den Impulsen vieler, das dafür notwendige Wissen findet sich nicht zwangsläufig in der eigenen Branche.“

Statt dessen ist Vernetzung gefragt. Vernetzung innerhalb der eigenen Organisation, zwischen Unternehmen und schließlich über Industriegrenzen hinweg. „Das können Universalgenies und Industrieexperten nicht mehr leisten. Was es braucht ist das Verzahnen unternehmensinterner Kompetenz mit externem Wissen auf Basis einer robusten Methodik und flankiert durch einschlägige Erfahrung", sagt Friedrich von den Eichen.

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