Unwetter Auf den Gewittersturm folgt das Info-Chaos

Niemand macht ARD, ZDF oder der Deutschen Bahn einen Vorwurf, wenn ein Gewittersturm tobt - aber das anschließende Informationschaos hat das Trio selbst verschuldet.

Wenn der Blitz einschlägt und Hagelkörner randalieren
Gebäude und HausratEgal ob Blitzeinschlag, Sturmschäden oder Zerstörungen durch Hagelkörner: Wenn das Haus oder die Wohnung durch solche Unwetter in Mitleidenschaft gezogen wurde, übernehmen die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer die Kosten für die Schäden. Mieter halten sich an ihre Hausratversicherung, Vermieter an die Wohngebäudevariante. Kommt es zu Überschwemmungen durch Starkregen, brauchen Hausbesitzer und Mieter eine Elementarschadenversicherung. Die hat aber längst nicht jeder! Vorsicht auch beim Blitzeinschlag: Versichert sind meist nur dessen direkte Auswirkungen, nicht aber so genannte Überspannungsschäden. Das sind Schäden, die erst in zweiter Ableitung durch den Blitz verursacht werden. Quelle: dpa
AutosDie Teilkaskoversicherung übernimmt die Hagel-, Blitz- und Sturmschäden. Ist das Blech verbeult oder die Scheiben kaputt, werden die Reparaturkosten für gewöhnlich in voller Höhe erstattet. Vorher gilt es für Voll- und Teilkaskoversicherte aber nachzurechnen: Was bedeutet die Kostenübernahme für den künftigen Schadenfreiheitsrabatt? Fahrzeughalter, deren Auto durch ein Unwetter beschädigt wurde, sollten die Schäden mit einer Kamera dokumentieren und diese binnen einer Woche dem Versicherer melden. Quelle: dpa
Feld und ErnteLandwirte können ihre Felder gegen Hagel versichern. Fast acht Millionen Hektar sind so vor dem finanziellen Risiko eines Ertragsausfalls geschützt. Das entspricht in etwa der Größe von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Quelle: dpa
SturmschädenFür Schäden nach Stürmen haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Allerdings: Stürmisch ist es aus Sicht der Versicherer es erst ab Windstärke acht. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 61 Kilometern pro Stunde. In Zweifelsfragen helfen die Verbraucherzentralen in den einzelnen Bundesländern. Dort erhalten Geschädigte auch viele Tipps. Im Bild: Ein Unwetter über Augsburg (Bayern). Die Hitze verabschiedete sich mit Gewittern und Hagelschlag. Quelle: dpa
Bloß nicht leichtsinnig werdenWer trotz polizeilicher Warnung sein Auto in einem durch Hochwasser gefährdeten Gebiet abstellt oder auch nur dorthin fährt, der riskiert, dass der Versicherer nur einen Teil des Schadens trägt oder sich auch ganz verweigert. Dies gilt insbesondere, wenn der Versicherte in einer Weise gehandelt hat, durch die der Schaden hervorgerufen wurde. Zumindest kann die Gesellschaft dann entsprechend der Schwere des Verschuldens ihre Leistung kürzen. Lediglich ein unkorrektes Verhalten, das als "leichte Fahrlässigkeit" betrachtet werden kann, bewahrt vor solchen finanziellen Einbußen. Im Bild: Ein Junge schiebt sein Fahrrad über eine überschwemmte Straße in Lohmar (Nordrhein-Westfalen). Heftige Gewitter haben in Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen Rettungseinsätzen der Feuerwehr geführt. Quelle: dpa
Schäden durch BlitzschlagSchlägt der Blitz direkt in ein Haus ein, kommt der Gebäudeversicherer für Schäden am Gebäude auf. Schäden durch Überspannung werden nur ersetzt, wenn der Blitz direkt in das versicherte Grundstück oder Gebäude eingeschlagen ist. Sonstige Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann über die Gebäudeversicherung abgedeckt, wenn eine zusätzliche Klausel, die sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde. Das gilt ebenso für die Hausratversicherung. Im Bild: Rettungskräfte versuchen Jungvieh aus einem Stall in Lamderdingen (Bayern) zu befreien, der nach einem Blitzschlag teilweise eingestürzt war. Quelle: dpa
Kaputter HausratWenn der Sturm mit Hausrat spielt, zahlt die Hausratversicherung – aber nur, wenn diese Dinge während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und beschädigt wurden. Eine Ausnahme gibt es für Mieter, wenn Antennen und Markisen außen am Gebäude angebracht sind und ausschließlich durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt werden. Auch dann zahlt die Hausratversicherung den Schaden. Im Bild: Feuerwehrleute pumpen in Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) Wasser aus einer überfluteten Garage. Gewitterregen sorgten in weiten teilen von Rheinland-Pfalz für Überflutungen. Quelle: dpa

Am Tag danach drängte es sie alle auf die Bildschirme. Sondersendungen auf dem Ersten und im Zweiten, die übliche TV-Maschinerie nach Katastrophen lief routinemäßig an. Reporter mit hochgerempelten Hemdsärmeln interviewten Feuerwehrleute im Einsatz und die üblichen Betroffenheits-Laien. Das Drehbuch für den Abend danach ­ man kann es bald auswendig mitsingen. Business as usual eben.

Dabei geht diesmal eben nicht um das übliche Geschäft danach: Die mentalen Aufräumarbeiten nach dem Sturm bringen auch den öffentlich-rechtlichen Sendern und anderen, für das Funktionieren der täglich nötigen Infrastruktur verantwortlichen Unternehmen und Einrichtungen wie der Deutschen Bahn eine volle Breitseite Kritik. Sie entlarvt, in welchem Ausmaß etwa teuer bezahlte öffentlich-rechtliche Anstalten im Augenblick der Katastrophe versagten.

Manche Kritik ist massiv überzogen – Wetter-Experte Jörg Kachelmann etwa schoss öffentlichkeitswirksam und grell weit übers Ziel hinaus. Kachelmann griff den WDR-Intendanten Tom Buhrow persönlich scharf an und machte ihn direkt für den Tod von Menschen durch das Unwetter verantwortlich. Der frühere ARD-Wettermann hat nach dem Ende seiner öffentlich-rechtlichen TV-Karriere noch einige Rechnungen mit dem Senderverbund offen. Das klang in seinem schrillen Kommentar auch durch.

Allerdings hat seine Attacke einen wahren Kern – tatsächlich fühlten sich am Montagabend in Nordrhein-Westfalen mutmaßlich tausende Gebührenzahler von ihrem mit zig Landesstudios übers ganze Bundesland weit verstreuten öffentlich-rechtlichen Heimatsender schlicht im Stich gelassen.

Wer etwa am Pfingstmontag im Auto unterwegs war und den WDR-Radioprogrammen zuhörte, erfuhr eine ganze Menge über das gerade in Köln laufende Birlikte-Festival in Köln, das zum zehnten Jahrestag des Nagelbomben-Anschlags in der Kölner Keupstraße veranstaltet wurde. Der WDR berichtete live und ausführlich. Doch selbst, als dass Unwetter Köln längst erreicht hatte, brachte der Landessender in seinem laufenden Programm nichts anderes zustande als darauf hinzuweisen, dass das Fest wegen eines schweren Gewitters abgebrochen worden sei.

Von der Gewalt der Wetter-Walze, die da bereits viele Gemeinden im Westen des Bundeslandes überrollt hatte und von der Gefahr für weitere Regionen war im Gebührenfunk keine Rede: Keine Warnungen an Autofahrer vor umstürzenden Bäumen und umherfliegenden meterdicken Ästen, kein Hinweis darauf, dass vielerorts bereits Straßen überflutet waren und selbst Autobahnen stellenweise eher Flüssen glichen, keine Stellungnahme von Einsatzkräften oder Polizei über das Ausmaß dessen, was da noch kommen würde, keine Live-Ticker im laufenden TV-Programm über das, was sich jenseits der Studiowände auf den Straßen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gerade abspielte  - und schon gar keine Live-Berichte eines eigenen Radio-Reporters im prasselnden Regen, der womöglich verhindert hätte, dass sich weitere Menschen aus Unwissenheit in Gefahr brachten.

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