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UPS, DHL und Co Wie Paketdienste mit dem Weihnachtsstress kämpfen

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Schnee ist das größte Risiko

Gewerkschaften nutzen diese personelle Notsituation gerne zu ihrem Vorteil. So bestreikt die Gewerkschaft Verdi in der kritischen Weihnachtssaison gezielt den Onlinehändler Amazon. Seit Jahren will die Gewerkschaft so auf Überstunden, Überwachung aufmerksam machen - und Amazon dazu bringen, seine Mitarbeiter endlich nach dem Einzelhandelstarif, oder überhaupt nach irgendeinem Tarifvertrag zu bezahlen.

Der Onlinehändler tut sein Bestes, um die Attacken an sich abprallen zu lassen. "Die Streiks sind ein Faktor, den wir in unseren Planungen berücksichtigen, aber nur ein minimaler", sagte Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber erst kürzlich in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. "Das Glatteis bereitet uns jedes Jahr weitaus mehr Kopfzerbrechen als die Verdi-Aktionen. Das Wetter kann die pünktliche Zustellung unserer Pakete beeinflussen, Verdi hat das bisher nicht geschafft."

Sobald der Schnee liegen bleibt und der Asphalt vereist, bricht Chaos auf den Straßen aus, das weiß auch Amazon-Manager Kleber. Für Onlinehändler und Paketdienste ist ein plötzlicher Wintereinbruch das größte Risiko. Die Lastwagen mit den Paketen stauen sich auf der Autobahn an, die Lieferungen erreichen zu spät das Paketzentrum, wo sie die Fahrer mit auf ihre Touren nehmen. Auf den vereisten Straßen sind die Boten langsamer, und nicht nur einer wird mit den schweren Paketen in der Hand stolpern und sich das Bein brechen.

Kein Anspruch auf Entschädigung

Im Winterchaos in den USA vor zwei Jahren konnten diese Folgen auch die Kunden nach kürzester Zeit beobachten: Nur noch 83 Prozent der Pakete konnte UPS am nächsten Tag zustellen, auch beim Konkurrent Fedex fiel die Rate auf 90 Prozent. Dabei erreichen beide Unternehmen für gewöhnlich auch in den stressigen Weihnachtstagen Quoten von 97 oder 98 Prozent, ermittelten Branchendienste. Onlinehändler und Käufer können nicht viel mehr machen, als die Verspätungen mürrisch in Kauf zu nehmen. "Glatteis und Unwetter zählen als höhere Gewalt, da gibt es keinen Anspruch auf irgendwelche Ausgleichszahlungen", sagt Professor Kille.

Fedex allerdings sah neben den Wetterbedingungen noch einen weiteren Grund für die vielen Verspätungen: Die Nachlässigkeit der Onlinehändler. "Ganz ehrlich", regte sich der Fedex-Chef Fred Smith in einer Analystenkonferenz auf, "es gibt viele Qualitätsprobleme". Viele Pakete seien schlampig verpackt oder die Adress-Label seien nicht richtig aufgeklebt. "Niemand will etwas online bestellen und es drei Tage vor Weihnachten beschädigt erhalten", schimpfte Smith.

Der Konkurrent UPS zeigte sich reumütiger. So ein Desaster wie 2013 soll es nicht noch einmal geben, nahm sich UPS-Chef David Abney nach dem Katastrophenjahr vor, und bestellte neue Lastwagen und Flugzeuge. Eine halbe Milliarde Dollar investierte der Konzern, um seine Paketzentren weihnachtsfest zu machen. 95.000 Aushilfen heuerte UPS an, weit mehr, als der Konzern eigentlich gebraucht hätte.

Am Ende häuften sich in diesem Jahr zwar nicht die Pakete, dafür aber die Kosten. Und Abney musste abermals schlechte Zahlen vermelden: 200 Millionen Dollar mehr als geplant verschlangen die Maßnahmen. Mit einem Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar blieb der Konzern mit Sitz in Atlanta weit unter den Erwartungen zurück.

Dieses Jahr will Abney nun endlich alles richtig machen. Um sechs Prozent hat er seine Kapazitäten aufgestockt, das sollte reichen. Zumindest, wenn das Wetter mitspielt.

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