Vereinigung Cockpit Lufthansa hält trotz Streik an Umbauplänen fest

Die Lufthansa lässt sich von ihren streikenden Piloten nicht vom Kurs abbringen. Obwohl erneut hunderte Flüge ausfielen, berät am Mittwoch der Aufsichtsrat das neue Billigkonzept.

Flugzeuge der Lufthansa stehen in München. Quelle: REUTERS

Die Lufthansa hält auch angesichts des ausgeweiteten Pilotenstreiks an ihren Umbauplänen fest. Obwohl am Dienstag erneut hunderte Flüge vor allem an den Drehkreuzen Frankfurt und München streikbedingt ausfielen, wird der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns an diesem Mittwoch über das Konzept einer starken Billigflugsparte beraten, wie das Unternehmen noch einmal bestätigte. Nach den bislang bekannten Plänen will Lufthansa-Chef Carsten Spohr eine neue Gesellschaft für billige Langstreckenflüge sowie eine Stärkung der bisherigen Marken Germanwings und Eurowings durchsetzen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Dienstag ihren Kurzstrecken-Streik vom Vortag auf alle Lufthansa-Verbindungen inklusive der Fernflüge ausgeweitet. Der auf 36 Stunden angesetzte Ausstand sollte bis Mitternacht dauern. Die Frachtsparte Lufthansa Cargo reagierte insbesondere mit Flugverlegungen, komplett absagen musste sie nach Firmenangaben keinen Frachtflug. Auch der erste Flug der neuen Passagier-Verbindung von München nach Miami startete planmäßig aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Was Piloten bei Lufthansa, Condor & Co. verdienen
Pilot müsste man sein: Die ganze Welt sehen und dafür noch ordentlich Geld bekommen. Doch Pilot ist nicht gleich Pilot. Zwischen den einzelnen Fluggesellschaften gibt es ein deutliches Preisgefälle. Laut Pilotenvereinigung Cockpit bekommt ein Erster Offizier oder Kopilot anfangs ein Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto. „Ein Kapitän – das wird man nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhält je nach Luftverkehrsgesellschaft ein Anfangsgehalt zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro“, so die Gewerkschaft. Quelle: dpa, Handelsblatt, Unternehmen Quelle: dpa
RyanairDie Piloten des irischen Billigfliegers gehören im Vergleich eher zu den Niedrigverdienern der Branche. 25.000 Euro bezahlt Ryanair seinen Kopiloten zu Beginn. Flugkapitäne ab dem 12. Berufsjahr erhalten anfangs 53.000 Euro. Ihr Maximalgehalt beläuft sich auf 85.000 Euro. Quelle: dpa
Air BerlinDie zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zahlt seinen Kopiloten zum Einstieg 45.000 Euro. Piloten bekommen bei Air Berlin zu Beginn 80.000 und in der Spitze bis zu 115.000 Euro. Quelle: dpa
Condor5050 Euro bekommt ein Condor-Kopilot zum Einstieg im Monat. Das macht eine jährliche Gesamtvergütung von 60.600 Euro. Ein Kapitän verdient zunächst 8700 Euro im Monat beziehungsweise 104.400 Euro im Jahr. In der Spitze kann sein Gehalt auf 135.600 Euro klettern. Quelle: dpa
British AirwaysDas Einstiegsgehalt der BA-Co-Piloten liegt bei 61.000 Euro. Piloten ab dem 12. Berufsjahr erhalten zunächst 77.000 Euro im Jahr. Im Laufe der Zeit kann ihr Gehalt auf bis zu 181.000 Euro steigen. Quelle: REUTERS
LufthansaLufthansa-Kapitäne gehören zu den Bestverdienern und können in der Spitze ein Jahresgehalt von bis zu 255.000 Euro bekommen – Zulagen inklusive. Schon zum Einstieg verdient ein Erster Offizier / Kopilot rund 55.500 Euro, mit Zulagen bis zu 73.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Flugkapitäns ab dem 12. Berufsjahr beträgt 120.000 Euro. Quelle: dpa

Lufthansa hat wegen der mittlerweile neunten Streikwelle nach eigenen Angaben von Montag bis Mittwoch knapp 1400 Flüge gestrichen. Betroffen seien rund 150.000 Passagiere. Der Ersatzflugplan werde planmäßig abgeflogen und in den Terminals sei es entsprechend ruhig zugegangen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Ziel sei ein schneller Neustart des gesamten Netzes nach Streikende um Mitternacht. Den Schaden nach acht Streikrunden hatte Lufthansa auf 170 Millionen Euro beziffert. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sowie der Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines waren nicht betroffen.

Kleinteiligen Streit gab es am Frankfurter Flughafen um eine Personalversammlung der Piloten, die Lufthansa nicht auf ihrem Gelände dulden wollte. Die VC kritisierte das als „massive Behinderung der Personalvertretung“ und hielt dem Management vor, sich vor den kritischen Fragen der Piloten zu drücken.

„Unser Chefpilot hätte gerne an der Versammlung teilgenommen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Das sei ihm als als Chef des Krisenstabs während eines Vollstreiks aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich gewesen.

In der seit Monaten andauernden Tarifauseinandersetzung geht es unter anderem um die Übergangsrenten der 5400 Piloten von Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Hinter den Kulissen schwelt zusätzlich ein erbitterter Streit um den künftigen Kurs des Konzerns. Die Piloten der neuen „Wings“-Familie sollen nicht nach den bislang gültigen Konzerntarifen bezahlt werden.

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Die Verhandlungen zwischen der Vereinigung Cockpit und der Fluggesellschaft waren in der Nacht zum Samstag erneut gescheitert. Derzeit gehen die Piloten im Durchschnitt mit knapp 59 Jahren in den allein von der Firma bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will diesen Schnitt für Bestandspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen.

Die VC verlangt auch für neu eingestellte Piloten finanzielle Unterstützung zum Vorruhestand. Die Pilotengewerkschaft ließ offen, ob vor Weihnachten noch einmal gestreikt werde soll. Ausgeschlossen sei dies nur für die Weihnachtsfeiertage vom 24. bis 26. Dezember, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

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