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Vergleichende Werbung Virale Werbung mit Seitenhieb

Ein Spielzeughersteller veralbert die neuste Drohnen-Vision von Amazon-CEO Jeff Bezos, „Prime Air“ wird zu „Prime Ground“. Was sich die Werbeabteilungen im Kampf gegen die Konkurrenz alles einfallen lassen.

Die aufsehenerregendsten Kampagnen von Sixt
Sixtwerbung zu CSU-Chef Horst Seehofer Quelle: Screenshot
Sixtwerbung zu AfD-Vize Gauland Quelle: Screenshot
Sixt Merkel Quelle: Screenshot
Zum mittlerweile neunten Mal kommt es im Mai 2015 im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL zum Arbeitskampf. Auf Twitter kursiert derzeit ein Bild, das eine witzige Reaktion des Autovermieters Sixt darauf zeigt: Ein Miet-Lkw der aussieht, als ob er einen Bahn-Waggon an Bord hätte, zusammen mit dem Spruch: "Die Bahn kommt". Quelle: Screenshot
Auch, als im April zum siebten Mal der Bahnstreik die Republik lahm legte, war das Grund genug für Sixt, Claus Weselsky erneut zum Mitarbeiter des Monats zu ernennen. Quelle: Screenshot
Sixt-Werbekampagnen-Bild mit Mario Draghi Quelle: Screenshot
Sixt-Werbekampagnen-Bild mit Mario Draghi

Amazon möchte mit seinem geplanten Angebot Prime Air Lieferdienste revolutionieren. Drohnen sollen die Pakete künftig ohne menschliches Zutun beim Empfänger abliefern. Der Spielzeughersteller Sphero knöpft sich nun in einem Werbespot für seinen gleichnamigen Roboterball dieses Konzept vor. Statt „Prime Air“ helfen darin nun „Prime Ground“, die wuseligen Sphero-Bälle, im Amazon-Lager aus und bringen die Pakete mit Hilfe eines Fahrzeugaufsatzes zum Kunden. Dass die Idee so nicht umsetzbar und auch nicht ganz ernst gemeint ist, wird schnell klar. Der Name des Produkts bleibt aber im Kopf des Zuschauers hängen und wer noch nie davon gehört hat, wird sich womöglich über die 80 Sekunden Video hinaus informieren wollen.

Amazons Innovation wird gezielt aufs Korn genommen. Doch Sphero ist nicht das erste Unternehmen, das Konkurrenzprodukte zur Eigenwerbung parodiert. Statt den ewigen Patentstreits werden auch kreative Werbekampagnen im Kampf um Umsätze zur beliebten Waffe. Wie alle anderen auch, ist der Werbemarkt Digitalisierungsprozessen unterworfen. Unternehmen setzen deshalb vermehrt auf virale Effekte ihrer Werbung – Stammkunden feiern die Spots, Gegner sind gezwungen zu kontern und potentiell Unentschlossene kommen durch die Vernetzung der Lebensbereiche kaum drum herum, die Clips wahrzunehmen und sich mit dem beworbenen Produkt auseinander zu setzen. Vor allem die Techbranche tut sich mit innovativer vergleichender Werbung hervor.

Die berühmten Sprüche des Ryanair-Chefs
"Jeder Idiot, der irgendwo rausgeschmissen wird, taucht wieder als Berater auf. Ich habe bislang noch jeden erschossen, der in mein Büro gekommen ist." Quelle: REUTERS
"Das Problem mit den Fluglinien-Managern ist doch, dass sie kein Rückgrat haben und sich an ihre Erzfeinde in der Umweltbewegung ranwanzen, statt sie Lügner zu nennen, wie sie es verdienen." Quelle: REUTERS
"Unsere Umsatzrendite von 25 Prozent ist nicht gut, sondern obszön in dieser Branche. Verglichen mit dem Rest sind wir keine Fluglinie, sondern Drogenhändler." Quelle: REUTERS
„Wenn ich abtrete wird sicher unser Marketing-Etat wachsen, weil wir ohne meine Sprüche weniger Aufmerksamkeit bekommen - aber das sparen wir dann an Gerichtskosten, weil uns dann weniger Leute wegen meiner Sprüche verklagen.“ Quelle: REUTERS
„Heute müssen Unternehmen-Chefs sagen, Unsere Beschäftigten sind unser wichtigstes Asset. Was ein Schwachsinn. Die Beschäftigten sind unser größter Kostenblock und viele sind so faul, dass wir sie ständig in den Hintern treten müssen. Das denkt eigentlich jeder Chef, aber keiner will es zugeben.“ Quelle: dpa
„40 Euro wenn wie eine Bordkarte neu ausdrucken, weil jemand sein vergessen oder verloren hat sind nicht zu viel. Eigentlich müssten wir für so viel Blödheit mindestens 60 Euro verlangen.“ Quelle: dpa
"Umweltschützer ärgern wir wo immer wir können. Eigentlich müsste man die erschießen, denn sie wollen fliegen so teuer machen, dass es wieder ein Privileg für die Reichen wird." Quelle: dpa

Auch wenn die Telefonsparte von Nokia gegen Ende des Jahres von Microsoft übernommen wurde, die Originalität ihrer Kampagnen haben sich die Finnen erhalten. In einem der vielen Werbeclips eskaliert der Glaubenskrieg zwischen Samsung- und Appleanhängern auf einer Hochzeit. Während außen herum sowohl die Fetzen als auch die Fäuste fliegen und sich ein alternder Gast von Siri alle Informationen zu Karate einholen lassen möchte, bleiben nur zwei Kellner außergewöhnlich ruhig. Der Grund: Dank ihres Lumia 920 fühlen sie sich zu keiner der widerstreitenden Parteien zugehörig. Sechs Millionen Aufrufer auf YouTube erreichte die Nachricht bisher: „Don’t fight. Switch.“ („Nicht kämpfen. Wechseln.“) Ähnliche Szenen spielen sich auf einer Kinder-Theateraufführung ab. Nur ein Paar muss sich nicht bis in die erste Reihe vorkämpfen, um ein vernünftiges Foto zu bekommen. Schließlich haben sie mit dem Lumia 1020 „the best seats in the house“.

Aber auch Samsung und Apple lassen gegenseitig kein gutes Haar an den Produkten der Konkurrenz. Die Südkoreaner feiern mit dem Slogan „The next big thing is already here“ („Das nächste große Ding ist bereits hier.“) die Produkte aus der eigenen Galaxy S-Reihe, die denen von Apple angeblich immer ein Stück voraus sind, nicht nur beim Release-Datum. In einem der vielzähligen Werbeclips warten Apple-Fans vor den Stores des Unternehmens auf das Erscheinen des neuen iPhones, das einen größeren Bildschirm und 4G verspricht und „wie ein wertvolles Juwel“ sein soll. Nachdem allerdings der Erste in der Warteschlange sein Galaxy S 3 von Samsung präsentiert, erscheint den Anwesenden das Warten etwas überflüssig. Ein anderer Sport wirft die rethorische Frage auf, ob manche Smartphones smarter sind als andere. Die implizierte Antwort ist eindeutig: Ja, in diesem speziellen Fall ist das S4 klüger als das iPhone 5.

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