Versteckte Zusatzkosten Wie Flugportale Verbraucher täuschen

Wer einen Flug buchen will, nutzt dazu meist Suchmaschinen oder bucht direkt über das Online-Portal der Fluggesellschaft. Die Seiten versprechen niedrige Preise und Transparenz. Doch in vielen Fällen ist das eine Mogelpackung.

Viele Flugbuchungsportale täuschen niedrige Preise vor, in dem sie Zusatzkosten verstecken.

Viele Flugbuchungsportale täuschen niedrige Preise vor, indem sie Zusatzkosten verstecken. Das ergab eine EU-weite Untersuchung, die Verbraucherschützer unter Buchungsportalen durchgeführt haben. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) untersuchte 18 Buchungsportale mit Sitz im europäischen Ausland. Laut BVL verstoßen nahezu alle untersuchten Internetseiten gegen die geltenden Regeln im Verbraucherschutz.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) prüfte zudem zwölf deutsche Webseiten. Gegen sechs Portale leitete sie ein Verfahren ein, weil sie gegen das geltende EU-Recht verstoßen. Gegen die Anbieter Condor, Tuifly, Germania und gegen Unister, der das Portal fluege.de gehört, wurde Klage erhoben.

Flugbuchungsportale unterliegen hinsichtlich der Darstellung von Preisen strengen Vorschriften, die in einer EU-Verordnung geregelt sind. Sie müssen Preise von Beginn des Buchungsvorgangs vollständig angeben. Zusatzkosten, zum Beispiel für Gepäck und Reiseversicherungen, müssen am Anfang genannt werden. Voreinstellungen sind gänzlich untersagt. Doch gerade das Verbot der Voreinstellungen wurde laut vzbv in einigen Fällen „äußerst einfallsreich“ umgangen.

Vor dem Urlaub abgezockt
Vorsicht beim VergleichenOb Flugticket oder Hotelzimmer – Reisen online zu buchen liegt im Trend. Die Preise lassen sich einfach bei verschiedenen Reiseportalen vergleichen. Wer dabei am heimischen PC allerdings nicht aufpasst, zahlt schnell zu viel, denn nicht jedes Portal ist gleich fair. Einige Online-Anbieter haben eine ganze Reihe Tricks auf Lager. Die Zeitschrift „Clever reisen!“ entlarvt die Fallen der Abzocker und nennt die Seiten, mit denen man wirklich sparen kann. Quelle: dapd
Zu teuer und versteckte GebührenAuch der penibelste Preisvergleich bringt nichts, wenn der zuerst ausgewiesene Ticketpreis nicht stimmt: Einige Anbieter schlagen erst am Ende des Buchungsvorgangs die Servicepauschale auf die Rechnung, der Endpreis fällt also um einiges höher aus als angenommen. Quelle: dpa
Preis-Versteckspiel trotz VerbotEigentlich muss der komplette Endpreis eines Fluges gleich von Anfang an angezeigt werden. Laut EU-Verordnung dürfen Gebühren, Zuschläge oder Steuern nicht erst am Ende der Buchung aufgeschlagen werden. Dennoch berichtet „Clever Reisen!“, dass die Portale Fluege.de, Billigfluege.de und Flug24.de immer noch zuerst mit günstigen Preisen locken und später mit einer saftigen Service-Pauschale aufwarten. Quelle: dpa
Vorsicht VersicherungsfallenVersteckte Kosten entstehen auch durch Reiserücktrittsversicherungen oder ähnliche Policen. Die werden bei einigen Anbietern nämlich standardmäßig dazugekauft, wenn der Kunde sich nicht aktiv dagegen entscheidet. Im schlimmsten Fall entstehen dabei hohe Folgekosten, weil eine Art Versicherungs-Abo abgeschlossen wird, das sich automatisch verlängert, berichtet die Reisezeitschrift. Besonders aufpassen müssen Kunden bei den Portalen Billigfluege.de, Fluege.de und Flug24.de. Quelle: dpa
Kaufen unter Druck Auch Hotelzimmer werden immer häufiger im Internet gebucht. Genau wie bei Flügen haben die einschlägigen Vergleichsportale so manchen Trick auf Lager. Einige Anbieter erzeugen bewusst Kaufdruck beim Kunden, indem sie behaupten, es gäbe für den betreffenden Termin nur noch wenige Plätze im Flugzeug oder Betten im Hotel. Im Test hatten sowohl Hotelreservierung.de als auch Fluege.de mehr Plätze zur Verfügung als in warnenden Meldungen verkündet. Quelle: dpa
Sechs mal „sehr gut“Doch es gibt auch gute Nachrichten: Ganze sechs Preisvergleichs-Portale schnitten im Test mit der Note „sehr gut“ ab. An erster Stelle steht die Seite Ebookers, darauf folgen Tripsta und Expedia. Bei diesen Anbietern waren die testweise gekauften Flüge am günstigsten. Quelle: dpa
Der Überflieger Im wenige Monate vorher von n-tv in Auftrag gegebenen Test erzielte das Portal fly.de das beste Ergebnis. Knapp dahinter folgte billigflug.de und flug.de. Verglichen wurde hier sowohl der Preis als auch die Qualität des Service. Flug.de ist der einzige Anbieter, der in beiden Tests vorne mit dabei ist. Es gibt also durchaus eine ganze Reihe zuverlässiger Preisvergleichsanbieter. Quelle: dpa
Neues Portal überzeugtBesonders gut Geld sparen lässt sich laut „Clever Reisen!“ mit dem neuen Portal OneTwoTrip. Im Test bekam die Seite die Note „sehr gut“. Dabei ist sie erst seit einigen Monaten in Deutschland aktiv. Neben ansprechendem Design überzeugte das Portal mit einer Bewertungsskala für Airlines und einem eigenen Bonusprogramm. Quelle: dpa
Bei Sparportale spart man nicht immer Vergleichen zwischen Vergleichsportalen lohnt sich also. Zum Teil liegen die Preise der Portal weit auseinander: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter konnte im Test ein Preisunterschied von durchschnittlich 19 Prozent erzielt werden. Dabei können nur die besseren Anbieter den Preis der Fluggesellschaften unterbieten. In 96 von 100 Testfällen lag der Preis bei einem Vergleichsportal höher als bei der Fluggesellschaft direkt. Quelle: dpa
Mangelnder ServiceAuch was die Kundenfreundlichkeit angeht, gibt es erhebliche Unterschiede. Ob Telefonhotline oder E-Mail: Der Kundenservice fällt bei vielen Onlineportalen nicht gut aus. Während die Testsieger erfreulich schnell weiterhalfen, müssen sich Kunden bei anderen Anbietern nach Angaben von n-tv auf lange Wartezeiten, hohen Entgelte oder fehlendes Fachwissen einstellen. Quelle: AP
Standart-Mail statt AntwortOftmals muss wer Hilfe sucht gerade am Telefon lange auf einen Ansprechpartner warten. Die Zeit in der Schleife kann teuer werden. Die kostenlose Alternative, eine Anfrage per E-Mail, wurde im Test zwar meist mit einer schnellen Antwort belohnt - der Inhalt ließ jedoch zu Wünschen übrig. Einige Anbieter gingen auf die Frage gar nicht ein sondern schickten nur ein Standartschreiben. Quelle: dpa
Sonderangebote überfordern VergleichsportaleWährend manche Portale mit Tricks und Fallen versuchen, dem Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen, können andere Portale also durchaus gute Ratgeber bei der Reiseplanung sein. Dennoch weist "Clever Reisen!" darauf hin, dass alle Vergleichsseiten irgendwann an ihre Grenzen stoßen: Sonderangebote, Aktionspreise oder Partnertarife findet man oft nur über die Webseite der Airlines. Oder - ganz analog - im Reisebüro. Quelle: AP

Ein beliebter Trick unter den Portalen ist es, die Zusatzkosten für Gepäck und Reiseversicherungen erst am Ende des Buchungsvorgangs zu nennen. Der tatsächliche Preis wird somit erst beim letzten Schritt der Buchung klar. Helke Heidemann-Peuser vom vzbv sagt: „Die Portale spekulieren darauf, dass der Verbraucher, nachdem er bereits den langen Buchungsvorgang durchlaufen hat, dann nicht mehr abbricht.“

Bei einigen Buchungsportalen müssen sich die Kunden außerdem bewusst gegen das Buchen eines kostenpflichtigen Service entscheiden, in dem sie einen Haken an der entsprechenden Stelle setzen. So etwa bei dem Buchungsportal von Condor.

Die Kunden konnten auf der Seite den Buchungsschritt, in dem eine Reiseversicherung angeboten wurde, nicht verlassen, ohne eine Auswahl getroffen zu haben. Die Richter am Landgericht Frankfurt am Main urteilten, dass es unzulässig sei, die Kunden zu einer Auswahl für oder gegen eine Reiseversicherung zu zwingen. Denn der Nutzer müsse aktiv tätig werden, um sich gegen eine Reiseversicherung zu entscheiden.

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Außerdem suggerieren die Portale hohe Kosten, falls angebotene Zusatzversicherungen nicht abgeschlossen werden - wie zum Beispiel im Fall der Reisekostenversicherung. Das Portal von Tuifly etwa warnte seine Kunden, dass Krankenrücktransportkosten von 18.000 Euro oder mehr auf sie zukommen können, wenn sie sich gegen eine Reiseversicherung entscheiden. „Diese Warnungen sind eine unzulässige Einflussnahme“, sagt Heidemann-Peuser.

Auch bei der Zahlung entstehen oft zusätzliche Kosten. Meist lassen sich die Tarife nicht gebührenfrei per Visa-, Mastercard oder Überweisung bezahlen. Stattdessen verlangen die Portale eine Servicepauschale. Keine zusätzlichen Kosten fallen nur in der Kombination mit weniger verbreiteten Zahlungsmitteln, wie bestimmten Prepaid-Kreditkarten an.

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