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Vodafone-Deutschland-Chef "Internet-TV ist tot"

Der Deutschland-Chef von Vodafone, Friedrich Joussen, steigt aus dem Millionenpoker um die Bundesliga-Übertragungsrechte aus.

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Friedrich Joussen, Deutschland-Chef Vodafone, sieht in den Bundesliga-Übertragungsrechten kein lukratives Geschäft. Quelle: obs

WirtschaftsWoche: Herr Joussen, was machen Sie eigentlich samstags um 18.30 Uhr?

Joussen: Ich spiele Fußball.

Während Millionen Fußballfans sich die „Sportschau“ ansehen?

Ich gebe zu: Ich sehe mir die „Sportschau“ nicht an, lieber spiele ich selbst Fußball.

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    Wann schauen Sie sich die Bundesliga-Spiele an?

    Eher selten. Aber unter meinen Mitspielern gibt es Fans, die sich die Spiele vorher live anschauen. Deshalb treffen wir uns ja erst nach dem Abpfiff.

    Vodafone ist eines der Unternehmen, das die Ausschreibungsunterlagen für die Versteigerung der Fußballbundesliga-Übertragungsrechte angefordert hat. Gehören Sie auch zu den verbliebenen 15 Unternehmen, die für die Rechte bieten?

    Die Fußballrechte sind sicher etwas sehr Spannendes. Aber nach reiflicher Überlegung haben wir vorletzte Woche entschieden, nicht als strategischer Bieter aufzutreten. Das hätte unsere Leichtfüßigkeit und Flexibilität im TV-Geschäft völlig untergraben.

    Die Talfahrt der T-Aktie
    Deutsche Telekom Quelle: dpa
    Ron Sommer zeigt den Ausgabepreis der Telekom-Aktie Quelle: dpa
    Die Strategie von Telekom-Chef Ron Sommer fußte auf der Aufspaltung des riesigen ehemaligen Staatskonzerns in vier Geschäftsfelder  (T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems). Ursprünglich sollte jede einzelne Gesellschaft an die Börse gehen. Letztlich gelang dies nur bei der Internet-Tochter T-Online, die ab dem 17. April 2000 an der Börse debütierte. Ausgegeben wurden die Aktien zum Stückpreis von 27 Euro, die Telekom nahm so 2,7 Milliarden Euro ein. Quelle: AP
    Im Sommer 2000 ersteigerte die Mobilfunktochter T-Mobile UMTS-Lizenzen für einen Preis von umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, die sich lange Jahre mangels entsprechender Kundennachfrage und Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung als relativ nutzlos erwiesen. Quelle: Reuters
    Der Kurs der Telekom-Aktie von 2000 bis Anfang 2012
    Im Mai 2001 kaufte die Telekom die US- Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro einschließlich der übernommenen Schulden – was heftige Kritik an Konzernchef Ron Sommer hervorrief. Erst 2005 galt die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannte Mobilfunksparte als rentabel. Quelle: AP
    Anfang 2001 führte eine Wertberichtigung von Immobilienwerten um 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz für 2000 zu einer Klagewelle von Privataktionären, die sich betrogen fühlten. Aufgedeckt hatte die allzu optimistische Bewertung der Telekom-Immobilien in der Bilanz das Anlegermagazin „Die Telebörse“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt. Quelle: dpa

    Was heißt das?

    Wir haben vor einem Jahr einen Neustart im Fernsehgeschäft begonnen und eine hybride TV-Plattform mit eigener Set-Top-Box entwickelt. Hybrid heißt, dass der Fernsehempfang über verschiedene Verbreitungswege, also Satellit, Kabel oder DSL-Anschluss, möglich ist. Die Box wurde bei uns in Deutschland entwickelt und hat sich deutlich besser verkauft, als wir erwarten konnten. 100.000 Vodafone-Kunden holen bereits hochauflösendes Fernsehen auf diesem Weg in ihr Wohnzimmer. Das ist extrem gut nach so kurzer Zeit.

    Hätten Sie mit den Fußballrechten nicht das ideale Zugpferd, um viel schneller Kunden zu gewinnen?

    Wir sind nicht vom Fußball abhängig, um auch im TV-Geschäft groß zu werden. Schauen Sie sich den Fußballmarkt genau an. Es gibt gerade einmal drei Millionen Kunden beim Bezahlsender Sky und eine Million Kunden bei Entertain von der Deutschen Telekom. Das macht unter dem Strich vier Millionen Kunden, die bereit sind, für Live-Fußball recht hohe Preise zu bezahlen. Es gibt dagegen weitere 36 Millionen Haushalte in Deutschland, für die Fußball gar nicht so entscheidend ist. Wir werden uns zuerst weiter auf diese Zielgruppe konzentrieren. Wir haben deshalb Verträge mit eigentlich allen großen Hollywood-Studios abgeschlossen.

    Es muss ja nicht gleich das teure Live-Recht sein. Es gibt ja auch noch preiswertere Pakete, wie die Übertragung von Clips auf dem Smartphone?

    Wir setzen in Deutschland mehr als neun Milliarden Euro um. Deshalb müssen auch neue Dienste großes Potenzial haben. Wir können und wollen keine Boutique betreiben. Nischen sind teuer, sie binden Mitarbeiter, Zeit und Geld. Ganz salopp: Wir sind nicht im Geschäft mit Schnipseln.

    Kein lohnendes Geschäft

    Die wichtigsten Web-TV-Anbieter
    Screenshot Webseite tape.tv Quelle: Screenshot
    Screenshot der Webseite Live.tv Quelle: Screenshot
    Screenshot der Webseite Sevenload Quelle: Screenshot
    Screenshot Zattoo-Webseite Quelle: Screenshot
    Screenshot der Webseite Sendungverpasst.de Quelle: Screenshot
    Screenshot der Webseite Qtom.de Quelle: Screenshot
    Screenshot der Webseite TV-Stream.to Quelle: Screenshot

    Fußballrechte werden als heißes Medienprodukt gehandelt. Weshalb wollen Sie da allenfalls auf der Tribüne sitzen?

    Über den wahren Wert der Fußballrechte gibt es einen weit verbreiteten Irrglauben. In Deutschland schafft es derzeit kein Anbieter, eine Rendite für den Erwerb seiner Fußballrechte zu bekommen. Auch der Bezahlsender Sky hat das in den vergangenen drei Jahren nicht geschafft. Rechnen Sie doch mal: Eine dreistellige Millionensumme für das Live-Übertragungsrecht verteilt auf ein, zwei oder drei Millionen Pay-TV-Kunden. Als Ergebnis sehen Sie tiefrote Zahlen: Die Fußballrechte sind viel zu teuer, um sich auf Vollkostenbasis zu tragen.

    Die Deutsche Fußball Liga verweist auf neue Kanäle wie Internet-Fernsehen, das inzwischen für viele Zuschauer eine konkurrenzfähige Alternative zum TV sei, und hofft durch diesen Technologiewettbewerb die Erlöse auf zwei Milliarden Euro steigern zu können.

    Ich habe das müde Internet-TV-Geschäft unserer früheren Festnetzgesellschaft Arcor nach der Übernahme eingestellt. Wir haben das damals genau analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir im Geschäft mit Internet-Fernsehen die Ambitionen zurückfahren. Das liegt unter anderem daran, weil es im Fernsehgeschäft ein schwer aufzulösendes Paradoxon gibt. Jeder Netzbetreiber muss Kapazitäten für extrem hohe Einschaltquoten vorhalten, wie sie in der Regel aber nur das Finale der Fußballweltmeisterschaft alle vier Jahre erreicht. Ansonsten steht das hoch gerüstete Netz fast immer leer. Unter der Extrem-Last eines WM-Finales muss natürlich alles 100-prozentig ohne Aussetzer und Wackler funktionieren. Sonst ist der Aufschrei groß. Das erscheint mir kein gesundes Geschäftsmodell.

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      Aber durch Glasfaser im Festnetz und die neue Mobilfunktechnik LTE steigen doch die Übertragungsgeschwindigkeiten auf 50, 100 und mehr Megabit pro Sekunde dramatisch an. Dann müsste doch auch Platz für Fernsehen sein?

      Schauen Sie einmal auf den Datenkonsum eines typischen DSL-Anschlusses. Der verbraucht im Durchschnitt zwölf Gigabyte pro Monat. Wenn wir die Kunden auch noch Fernsehen schauen lassen, kommen wir selbst mit 160 Gigabyte pro Monat bei Weitem nicht hin. Diesen Wert übertreffen wir dann schon nach wenigen Tagen.

      Was ist daran so schlimm?

      Dienstleister



      Weil es keine Zahlungsbereitschaft für diese Leistung gibt. Jede Investition muss sich am Ende rechnen. Ich bin absolut begeistert, wenn ein Kunde Fernsehen auf seinem Tablet-PC oder seinem Smartphone sieht. Aber ich bekomme ein Problem, wenn er eine Flatrate von zehn Euro bucht und dann intensiv Fernsehen schaut. Wenn dann eine Million Fans live über 90 Minuten ein Fußballspiel schauen, stößt jedes Mobilfunknetz an Grenzen. Reines Internet-Fernsehen ist tot, bevor es richtig begonnen hat. Nur in der hybriden Form, wie in unserer Box in der Kombination mit einem Fernsehempfang vom Satelliten, lassen sich solche Engpässe bei bester Qualität leicht vermeiden.

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