Vodafone Deutschland Hannes Ametsreiter folgt Jens Schulte-Bockum

Der Vorstandsvorsitzende der Telekom Austria, Hannes Ametsreiter, wird neuer Deutschland-Chef von Vodafone. Wer der Nachfolger von Jens Schulte-Bockum ist und welche Probleme er bewältigen muss.

Vodafone Deutschland-Chef Jens-Schulte-Bockum ist zurückgetreten Quelle: dpa/Montage

Vodafone Deutschland bekommt eine neue Spitze: Der Österreicher Hannes Ametsreiter soll ab dem 1. Oktober 2015 die Geschäfte führen, gab der Mobilfunkkonzern am Freitag bekannt. Über den Vorschlag soll der Vodafone-Aufsichtsrat am 30. Juni entscheiden.

Noch ist Ametsreiter Vorstandsvorsitzender bei Telekom Austria. Bereits in der vergangenen Woche hatte er dort überraschend seinen Abschied vor dem eigentlichen Vertragsende im Jahr 2016 bekanntgegeben. Ametsreiter begann seine Karriere bei Procter&Gamble, arbeitete später als Manager bei Mobilkom Austria und Telekom Austria.

Für den 48-Jährigen bedeutet der Wechsel eine große Umstellung. Bisher war er es, der als Konzernchef alle Fäden in der Hand hielt. Unter seine Leitung expandierte Telekom Austria in den vergangenen Jahren nach Südosteuropa. Der Konzern erschloss sich unter anderem Märkte in Serbien, Slowenien, Kroatien und Mazedonien – bevor er durch America Movil übernommen wurde.

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Jetzt wird Ametsreiter als Vollstrecker zu Vodafone geholt, der die ehrgeizigen Vorgaben der Londoner Konzernzentrale in Deutschland umsetzen soll. Er muss sich nun vor allem mit den Tücken des operativen Geschäfts beschäftigen und all die Problemzonen, die es insbesondere im Vertrieb gibt, bereinigen.

Der Österreicher rückt an die Stelle des bisherigen Deutschland-Chefs Jens Schulte Bockum. Dieser hatte Ende Mai überraschend seinen Rücktritt verkündet und damit den Konzern aufgerüttelt.

Zwar hatte sich das Geschäft unter der Leitung von Schulte-Bockum zuletzt wieder positiv entwickelt. Allerdings kämpft Deutschlands drittgrößter Mobilfunkkonzern nach wie vor mit massiven Imageproblemen. Insbesondere Geschäftskunden haben Patzer der Vergangenheit bei Angebot und Service nicht verziehen.

Der englische Mutterkonzern hatte zuletzt den Druck auf die deutsche Tochter erhöht. Insbesondere das Verhältnis zwischen Schulte-Bockum und Konzernchef Vittorio Colao sowie Europa-Chef Philipp Humm galt seit Längerem als angespannt.

Gegenüber der WirtschaftsWoche hatte Schulte-Bockum zur Begründung seines Abgangs von „unüberbrückbaren Differenzen“ mit der Konzernspitze gesprochen. In einer Abschiedsmail an Kollegen und Geschäftspartner schrieb er: „In den vergangenen Monaten wurde mir zunehmend klar, dass ich meinen Kurs der nachhaltigen Verbesserung des Unternehmens nicht umfassend umsetzen kann.“

Jetzt ist es an Hannes Ametsreiter, den richtigen Kurs zu finden. Branchenkenner trauen ihm jedoch zu vor allem Vodafones Europa-Chef Humm, der sich immer wieder in die Geschicke des Deutschland-Geschäfts einmischt, Paroli bieten zu können.

Allerdings muss sich der Österreicher auch bislang ungewohnten Aufgaben stellen. Vodafone will das TV-Kabelnetz von Kabel Deutschland mit seinem Mobilfunknetz verschmelzen. Das ist selbst für einen Profi wie Ametsreiter Neuland. Ex-Monopolisten wie Telekom Austria beschäftigen sich vor allem mit der Integration von Mobilfunk und Festnetz auf Basis des DSL-Netzes.

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