Von Willie "The Slasher" Walsh lernen Fünf Lektionen für den Umgang mit Pilotenstreiks

Seit Wochen bereiten streikende Piloten europäischen Fluglinien Probleme. Fünf Lektionen für den Arbeitskampf vom britischen Manager Willie Walsh, der Piloten schon mehrmals in die Knie zwang.

Was Piloten bei Lufthansa, Condor & Co. verdienen
Pilot müsste man sein: Die ganze Welt sehen und dafür noch ordentlich Geld bekommen. Doch Pilot ist nicht gleich Pilot. Zwischen den einzelnen Fluggesellschaften gibt es ein deutliches Preisgefälle. Laut Pilotenvereinigung Cockpit bekommt ein Erster Offizier oder Kopilot anfangs ein Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto. „Ein Kapitän – das wird man nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhält je nach Luftverkehrsgesellschaft ein Anfangsgehalt zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro“, so die Gewerkschaft. Quelle: dpa, Handelsblatt, Unternehmen Quelle: dpa
RyanairDie Piloten des irischen Billigfliegers gehören im Vergleich eher zu den Niedrigverdienern der Branche. 25.000 Euro bezahlt Ryanair seinen Kopiloten zu Beginn. Flugkapitäne ab dem 12. Berufsjahr erhalten anfangs 53.000 Euro. Ihr Maximalgehalt beläuft sich auf 85.000 Euro. Quelle: dpa
Air BerlinDie zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zahlt seinen Kopiloten zum Einstieg 45.000 Euro. Piloten bekommen bei Air Berlin zu Beginn 80.000 und in der Spitze bis zu 115.000 Euro. Quelle: dpa
Condor5050 Euro bekommt ein Condor-Kopilot zum Einstieg im Monat. Das macht eine jährliche Gesamtvergütung von 60.600 Euro. Ein Kapitän verdient zunächst 8700 Euro im Monat beziehungsweise 104.400 Euro im Jahr. In der Spitze kann sein Gehalt auf 135.600 Euro klettern. Quelle: dpa
British AirwaysDas Einstiegsgehalt der BA-Co-Piloten liegt bei 61.000 Euro. Piloten ab dem 12. Berufsjahr erhalten zunächst 77.000 Euro im Jahr. Im Laufe der Zeit kann ihr Gehalt auf bis zu 181.000 Euro steigen. Quelle: REUTERS
LufthansaLufthansa-Kapitäne gehören zu den Bestverdienern und können in der Spitze ein Jahresgehalt von bis zu 255.000 Euro bekommen – Zulagen inklusive. Schon zum Einstieg verdient ein Erster Offizier / Kopilot rund 55.500 Euro, mit Zulagen bis zu 73.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Flugkapitäns ab dem 12. Berufsjahr beträgt 120.000 Euro. Quelle: dpa

Mit den Chefs seiner europäischen Konkurrenten hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr in diesem Jahr vor allem eine Sache gemeinsam: Pilotenstreiks. Ob Air France, Tap aus Portugal, Alitalia oder die isländische Icelandair: Bei ihnen allen haben die Flugzeugführer die Arbeit niedergelegt oder dies zumindest angekündigt, als die Unternehmensführung Gehälter, Pensionen und Freizeit kürzen wollte, um im Wettbewerb mit Billigfliegern oder Fluglinien vom Golf nicht unterzugehen.

Nur eine wirkt in alledem wie ein Hort des Arbeitsfriedens: British Airways. Bei der britischen Fluggesellschaft, deren Abkürzung BA unter Vielfliegern wegen der vielen Arbeitsniederlegungen lange Jahre für „Buche anderswo“ stand, gibt es seit gut vier Jahren keine Arbeitskämpfe mehr.

Manche nennen ihn

Das ist das Werk von Willie Walsh, dem Chef des IAG-Konzerns, zu dem neben British Airways auch Iberia und Vueling aus Spanien gehören. Der gebürtige Ire, der am letzten Samstag dieses Monats seinen 53. Geburtstag feierte, hat seit 2001 zunächst als Chef der irischen Aer Lingus, dann von BA und zuletzt als Aufsichtsratschef von Iberia gleich bei drei Fluglinien den Piloten Konzessionen abgerungen und sie bislang von weiteren Streiks abgehalten.

Dabei hat ihm vor allem seine Härte Spitznamen wie „The Slasher“ (zu Deutsch: die Fleischeraxt) eingetragen. Weil BA heute Europas profitabelste Traditionslinie ist, hat Walsh gleichermaßen den Neid anderer Airline-Chefs sowie wie den Respekt seiner Belegschaft geerntet.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

Doch so sehr der Manager mit dem billigen Aussehen – und oft dem Auftreten – eines Rugbyspielers in der Öffentlichkeit auch für Härte steht. Der Charme des Metzgers ist nicht das einzige Mittel, mit dem Walsh die Piloten auf Linie brachte. „Willies Vorgehen ist deutlich subtiler, als viele wahrhaben wollen“, sagt John Strickland, sagt John Strickland, einst hochrangiger Manager bei Tochterlinien von BA sowie KLM und heute als selbstständiger Unternehmensberater in London tätig. In Wirklichkeit enthalte Walshs Methode fünf Lektionen, die sich für seine streikgeplagten Konkurrenten zu beherzigen lohnten.

1. Kenne deinen Gegner

Zwar rühmen sich viele Airline-Chefs bester Kontakte zu ihrer Belegschaft. Doch keiner kennt die besondere Psyche der Piloten besser als Walsh. Bevor er nach seinem Master of Business and Administration (MBA) am renommierten Dubliner Trinity College bei Aer Lingus ins Management aufstieg, war er nicht nur Pilot und Gewerkschafter.

Walsh war bereits mit 24 Jahren sogar Verhandlungsführer – „und unser wohl gerissenster und härtester“, erinnert sich respektvoll sein Ex-Kollege Evan Cullen, heute Präsident der irischen Pilotengewerkschaft IALPA. In dieser Zeit sog Walsh auf, wie die Flugzeugführer ticken. Und er lernte, wie Unternehmen besser nicht mit ihren Arbeitnehmervertretern verhandeln: nämlich unehrlich und wankelmütig.

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