Vonovia-Hauptversammlung "Sie kaufen die Katze im Sack"

Die feindliche Übernahme des zweitgrößten Wohnungsunternehmens Deutsche Wohnen durch Marktführer Vonovia geht in die nächste Runde. Einige Knackpunkte haben die Fragesteller bei der Vonovia-Hauptversammlung gut herausgearbeitet - und doch für das Übernahme-Abenteuer votiert.

Rolf Buch und Wulf Bernotat von der Vonovia SE Quelle: dpa

Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch hat die erste Runde gewonnen. Die Aktionäre haben die Erhöhung zusätzlichen Eigenkapitals abgesegnet, mit dem Deutschlands Wohnimmobilien-Marktführer Vonovia den Branchenzweiten Deutsche Wohnen feindlich übernehmen will. Über den Berg ist Buch damit aber noch lange nicht.

Die professionellen Aktionärsschützer haben bei der heutigen Hauptversammlung in der Düsseldorfer Mehrzweckhalle Castello in teilweise klugen Fragen die Sollbruchstellen des Megadeals herausgearbeitet. Daniel Vos zum Beispiel von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger ((SDK) weist darauf hin, dass die angeblich zu erzielenden Synergieeffekte, die Buch mit der Deutsche Wohnen realisieren will, intransparent sind, und fragt, wieviel davon Vonovia auch ohne die Übernahme aus eigener Kraft erzielen könne: "Einsparungen innerhalb der Vonovia sind ja kein Argument für den Deal."

Thomas Hechtfischer von der Schutzvereinigung Deutscher Wertbesitz (DSW) merkt adressiert an Buch an: "Sie kaufen mit der Deutsche Wohnen die Katze im Sack", und seit dem vergangenen Freitag sei die Katze "noch größer geworden". Der Vorwurf ist keine Kleinigkeit und reagiert auf eine überraschende Abwehrmaßnahme von Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn. Ende vergangener Woche hat die Deutsche Wohnen ihrerseits das sogenannte Harald-Portfolio mit rund 13 000 Wohnungen vom Wettbewerber Patrizia-Immobilien übernommen. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutionelle Privatanleger weist darauf hin, dass der Preis dafür 25 Prozent der Deutsch-Wohnen-Bilanzsumme entspricht. Trotz dieser wesentlichen Veränderung der Bedingungen will Buch in der Hauptversammlung keine veränderten Umstände erkennen. "Auch mit Harald" sei die Übernahme der Deutsche Wohnen für die Vonovia-Aktionäre ein lukratives Geschäft: "Harald ist sehr gut ins das Portfolio der Vonovia zu integrieren."

Knut Unger vom Mieterverein Witten, der eine Kleinaktionärin vertritt, fragt skeptisch: "Wie wollen Sie die Synergiemaßnahmen realisieren, ohne das feindlich übernommene Unternehmen wirklich zu beherrschen?" Dafür würde Vonovia nicht nur die angepeilten 50,1 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien brauchen, sondern 75 Prozent.

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Wie gewöhnlich bei Hauptversammlungen wurden die Fragen anschließend von den Top-Managern in souveräner Tonlage abgearbeitet - und in wesentlichen Punkten doch nicht substanziell aufgeklärt. Buch und Finanzvorstand Stefan Kirsten gaben sich keine sichtbare Blöße, setzen aber sich und das Unternehmen schwer kalkulierbaren Risiken aus. Warum aber etwa SDK und DSW trotz ihrer substanziellen Einwände für die Kapitalerhöhung und damit für Buchs Übernahme-Abenteuer stimmten, ist am Ende nicht weniger intransparent.

Klar wurde immerhin, dass die 84 Millionen Euro, die Buch als Synergien verspricht, im ersten Geschäftsjahr weitgehend den Beratern gehören, die Vonovia bei der feindlichen Übernahme unterstützen. Von den 84 Millionen Euro landen 57 Millionen etwa bei der Investmentbank JP Morgan und die Anwaltskanzlei Freshfields und höchstens 27 Millionen bei den Vonovia-Anteilseignern. Für eine 14-Milliarden-Euro-Schlacht - soviel will Buch für Deutsche Wohnen ausgeben - ist das ein karger Ertrag.

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