Vonovia verzockt sich Deutsche-Wohnen-Übernahme ist geplatzt

Der Dax-Konzern Vonovia scheitert mit der feindlichen Übernahme von Deutsche Wohnen. Die Annahmequote wurde nach vorläufigen Zahlen deutlich verfehlt. Beide Unternehmen machen nun erst einmal alleine weiter.

Mit dem Übernahmeversuch von Deutsche Wohnen hat sich der Dax-Konzern verschätzt. Quelle: dpa

Der seit Monaten tobende Übernahmekampf auf dem Immobilienmarkt ist entschieden: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia wird die kleinere Rivalin Deutsche Wohnen nicht schlucken. Die Bochumer konnten nicht genug Anleger von der feindlichen Offerte überzeugen. Mit 14 Milliarden Euro wäre es der größte Deal gewesen, den es je auf dem heimischen Markt gegeben hätte.

Am Ende lag die Annahmequote nur bei gut 30 Prozent, wie Vonovia am Mittwoch mitteilte. Damit wurde die angepeilte Mehrheit klar verfehlt. Vonovia hatte die Schwelle im Januar sogar noch gesenkt, weil sich der Konzern sicher war, genug Inhaber von Wandelanleihen mit im Boot zu haben.
Doch diese Rechnung ging nicht auf, wie Reuters bereits kurz vor der Bekanntgabe aus Branchenkreisen erfahren hatte. "Natürlich hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber es ist so, wie es jetzt gekommen ist", erklärte Vonovia-Chef Rolf Buch. Beim Preis habe er nichts drauflegen wollen, das Auf und Ab an den Börsen sei auch nicht hilfreich gewesen, um eine große Transaktion auf die Schiene zu bringen.

Börsianer atmeten jedoch auf: Die Vonovia-Aktie zählte mit einem Plus von sechs Prozent zu den Spitzenreitern im Dax, Deutsche Wohnen zog um fast sieben Prozent an und war größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

Wohnen in Großstädten wird teuer
Das Wohnen in Deutschlands Großstädten wird offenbar immer teurer. In sieben großen Städten, von Berlin bis Stuttgart, sind die Preise für Eigentumswohnungen binnen fünf Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen – bei den Mieten sind es 25 Prozent. Deshalb klagen viele Familien, dass sie sich das Wohnen in der Stadt kaum noch leisten können. Über 20 Jahre gesehen sind die Mieten dagegen langsamer als die Verbraucherpreise gestiegen. Unter der Frage „Was macht das Wohnen in den Städten so teuer?“ hat die DZ Bank in einer Research-Publikation die Gründe zusammengestellt. Dabei wurde der Preisanstieg der vergangenen 20 Jahre analysiert. Quelle: DZ Bank Quelle: dpa
Ein Grund für steigende Mieten ist das vielerorts knappe Wohnungsangebot. Lange Zeit hielt der Neubau nicht Schritt mit der steigenden Bevölkerung. Die Mieten in Berlin legten von 2010 bis 2015 (jeweils auf das erste Quartal gerechnet) um 32 Prozent zu – der stärkste Anstieg im Vergleich zu anderen Metropolen. Die Mieten stiegen demnach auf 8,20 Euro je Quadratmeter (Wiedervermietung) und die Erstbezugsmiete auf 11,30 Euro je Quadratmeter. Dennoch wohnt man in der Bundeshauptstadt noch vergleichsweise günstig. Der überproportionale Mietanstieg ist hier auf ein niedriges Ausgangsniveau (1994) zurückzuführen. Mehr als 80 Prozent der Haushalte wohnen in Berlin zur Miete. Quelle: dpa
Es ist nicht verwunderlich, dass in der bevölkerungsreichsten Stadt von Nordrhein-Westfalen Wohnungsknappheit herrscht. Umso teurer werden auch die Mietkosten. Die Mieten in Köln legten um 16 Prozent in den vergangenen fünf Jahren zu. Bei der Wiedervermietung müssen Mieter 9,20 Euro je Quadratmeter zahlen, bei der Erstbezugsmiete sogar 11,40 Euro. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Wohnpräferenz stark gewandelt. Zog es die Menschen 1990 an den Stadtrand, wollen die meisten heute in der Stadt leben. Quelle: dpa
Die Politik hat zum 1. Juni die Mietpreisbremse eingeführt, die das Wohnen in der Stadt wieder erschwinglich machen soll. Doch es sind nicht nur die Mieten gestiegen, sondern auch die Ansprüche der Mieter. So wünschen sie sich immer größere Wohnungen. Das treibt natürlich die Wohnungskosten in die Höhe. Bei einer Wiedervermietung kostet ein Quadratmeter in Düsseldorf 9,30 Euro. Bei einem Erstbezug muss der Mieter mit 11,40 Euro tiefer in die Tasche greifen. Insgesamt legten die Mieten von 2010 bis 2015 um 23 Prozent zu. Quelle: dpa
Deutlich verteuert haben sich auch die Nebenkosten des Wohnens, etwa für Strom und Heizung. Zudem hat der Staat das Wohnen über steigende Steuern und verschärfte Bauvorschriften verteuert. Diese Vorgaben gelten zwar bundesweit, belasten aber stärker die Stadtbewohner. In Stuttgart sind die Mieten in fünf Jahren um 22 Prozent gestiegen. Mit zehn Euro je Quadratmeter müssen Mieter bei einer Wiedervermietung einer Wohnung rechnen. Hier ist der Unterschied bei einem Erstbezug nicht so groß: Der Quadratmeter kostet 11,40 Euro. Quelle: dpa
Die Situation an den Wohnungsmärkten der Großstädte ist ein normaler Trend. Im Vergleich mit ausländischen Metropolen sind die Großstadtmieten hierzulande sogar eher niedrig. Dennoch sind gute und günstige Wohnungen in Hamburg Mangelware und entsprechend begehrt. 13,10 Euro kostet ein Quadratmeter einer Neubauwohnung, 10,10 Euro bei einer Wiedervermietung. Der Neubau, in Hamburg zum Beispiel, hat wieder angezogen. Quelle: dpa
Der Anteil der leerstehenden marktaktiven Wohnungen ist zuletzt (2013) knapp drei Prozent gesunken. So sind in Hamburg (0,7 Prozent) und Frankfurt (0,7 Prozent) am Wohnungsmarkt fast keine Wohnungen mehr verfügbar. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern: Denn die über Jahre entstandene Bedarfslücke lässt sich nicht so schnell schließen. Wohnungen in den Ballungsräumen werden auch weiterhin ein knappes Gut bleiben. 11,40 Euro kostet ein Quadratmeter bei einer Wiedervermietung, 13,30 Euro bei einem Erstbezug. Insgesamt sind die Mieten um 26 Prozent gestiegen. Quelle: dpa


Bis zuletzt hatte Buch gehofft, dass der Poker knapp zu seinen Gunsten ausgeht. Denn beide Seiten haben seit dem Herbst mit harten Bandagen gegeneinander gekämpft und intensiv um die Gunst der Investoren geworben. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn lehnte die Offerte vehement ab. Der Preis sei zu niedrig und die versprochenen Synergien unrealistisch. Jetzt zeigte er sich erleichtert: "Wir freuen uns und bedanken uns bei unseren Aktionären, Mitarbeitern und Mietern für die Unterstützung. Unsere Argumente gegen die Transaktion haben den Markt überzeugt."

Vonovia will das endgültige Ergebnis voraussichtlich am 15. Februar veröffentlichen. Der Branchenprimus hatte die Deutsche Wohnen im Oktober mit den Übernahmeplänen überrascht. Die Bochumer torpedierten damit - erfolgreich - einen anderen Deal: Eigentlich hatte die Deutsche Wohnen die auf Nordrhein-Westfalen fokussierte LEG Immobilien schlucken wollen, um zu Vonovia aufzuschließen. Dieses Vorhaben scheiterte schließlich am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Aktionäre.

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Beim geplanten Mega-Deal Vonovia/Deutsche Wohnen ging es dann für viele Profi-Anleger um eine Grundsatzentscheidung: Einige favorisierten den Zusammenschluss zu einem unangefochtenen Branchenriesen im Leitindex Dax. Andere wollten dagegen weiter die Wahl haben zwischen zwei börsennotierten Wohnungskonzernen mit unterschiedlichem Investitionsschwerpunkt. Vonovia verwaltet rund 370.000 Wohnungen und ist bundesweit aufgestellt. Die Deutsche Wohnen mit knapp 150.000 Einheiten fokussiert sich auf Berlin.

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